Bei einem Fahrradhersteller ist die Produktion als Fließfertigung mit flexiblen Montagewagen von Roemheld organisiert. Die variablen Montagelinien sind damit ausgesprochen produktiv und ergonomisch.
„Bike Promobil“ ist ein mobiler Wagen, der sich variabel und ohne Fremdenergie wie Strom oder Hydraulik für sämtliche Montageaufgaben in der Fertigung einsetzen lässt. Sein schweres Grundgestell lässt sich dank großer Rollen leicht bewegen.
(Bild: Roemheld GmbH)
Dringend gesucht: Neue Mitarbeiter sind in Bocholt, dem Unternehmenssitz und einzigen Fertigungsstandort des Fahrradherstellers Rose Bikes, wenige Kilometer vor der niederländischen Grenze, schwer zu finden. Angesichts seines anhaltenden Unternehmenswachstums benötigt der Fahrradhersteller neue Fahrradmonteure dringender denn je.
Fachkräfte locken mit abwechslungsreicher Arbeit
Das Unternehmen lockt nicht nur mit attraktiven Vertragskonditionen wie transparenten Gehaltsstrukturen, flexiblen Arbeitszeiten oder Fortbildungen, sondern auch mit angenehmen Arbeitsbedingungen: Statt am Fließband wie bei anderen Fahrradherstellern fertigt Rose flexibel in sechs Montagelinien, wo die Mitarbeiter an unterschiedlichen Stationen abwechselnde Arbeiten ausüben. „Das Fließband ist viel zu unflexibel und bedeutet für die Mitarbeiter Stress“, sagt Stefan Strauss, Produktionsleiter bei Rose Bikes. Die Fließfertigung sei humaner, zudem könnten mit ihr Quereinsteiger leichter eingearbeitet werden.
Das Unternehmen mit 480 Beschäftigten, davon 70 in der Fertigung, konstruiert und fertigt vor allem sportliche Räder. Das breit gefächertes Sortiment reicht vom einfachen Mountainbike für knapp 800 € bis zum Highend-Rennrad mit Carbonrahmen in der Preisklasse über 8.000 €. Die stärkste Nachfrage verzeichnen aktuell neben den zahlreichen E-Bike-Modellen die muskelbetriebenen Gravelbikes.
Flexibel einsetzbarer Montagewagen
Rose unterstützt seine Fahrradmonteure in der Fertigung bestmöglich. Ein wichtiger Baustein hierbei ist das Bike Promobil. So heißt der flexibel einsetzbare Montagewagen für das ergonomische Arbeiten. Er unterstützt die Beschäftigten bei jedem Handgriff – und verhindert so, dass sie sich überanstrengen und vorzeitig ermüden.
Insgesamt 130 der mobilen Montagewagen hat Rose angeschafft, die bei allen sechs Montagelinien zum Einsatz kommen. Auf ihnen bewegen sich die Räder durch die bis zu 15 Stationen der Fließfertigung. In zwei Linien mit maximal acht Stationen werden einfachere Fahrradmodelle montiert, bei komplexen Bikes sind es bis zu 15 Haltepunkte. Entsprechend unterschiedlich fällt die Fertigungsdauer aus: das Dirtbike „The Bruce“ ohne Schaltung ist in 50 Minuten fertig; die E-Bike-Modelle der Baureihe „Xtra Watt EVO“ in rund 220 Minuten.
Fertigungslinien effizient und flexibel gestalten
Das Bike Promobil lässt sich variabel und ohne Fremdenergie wie Strom oder Hydraulik für sämtliche Montageaufgaben in der Fertigung einsetzen. Dadurch kann Rose zum einen Fertigungslinien und Produktionsabläufe effizient und flexibel gestalten und schnell auf das Bestellverhalten der Kunden und die Materialverfügbarkeit reagieren; zum anderen versetzt die Vorrichtung Mitarbeiter in die Lage, unterschiedliche Montageaufgaben zu übernehmen, so dass sich ihre Arbeit abwechslungsreicher gestaltet.
Unser Ziel ist es, dass jeder Monteur an jeder Station arbeiten kann.
Stefan Strauss
Das schwere Grundgestell des Bike Promobil lässt sich dank großer Rollen leicht bewegen. Wird am Fahrrad gearbeitet, blockiert der Monteur die Vorrichtung per Fuß mittels Zentral-Feststeller. Über Indexierungen auf den beiden Drehachsen in 15°-Schritten kann er den Rahmen in zahlreichen Positionen präzise fixieren. Da Drehdurchführungen in den Achsen integriert sind, lässt sich das Rad in jede Richtung unendlich bewegen.
Mühelos ergonomisch arbeiten
Mit den Drehachsen lässt sich zudem das Bike seitlich schwenken, so dass Tretlager und Bremsen leicht zu erreichen sind. Muss der Mitarbeiter die Montagehöhe anzupassen, führt er das Rad lediglich schräg entlang der Drehachsen aufwärts oder abwärts. So kann der Rahmen ergonomisch angebracht und das fertig montierte Rad bodennah wieder abgesetzt werden.
Dem Montagefortschritt und Radgewicht angepasst, lässt sich ein variabler Lastausgleich einstellen. Hierzu muss der Monteur lediglich eine Gasfeder mit Hilfe eines Schraubenschlüssels verstellen. Dadurch kann er die Fahrradposition jederzeit mühelos ändern und für ein angenehmes Arbeiten einstellen.
Fahrräder werden immer schwerer
So komfortabel wie mit dem Bike Promobil war das Arbeiten nicht immer. „Vor mehr als 15 Jahren haben wir die Fahrräder zur Montage noch mit einem Haken an die Decke gehängt“, erinnert sich Strauss. Der Produktionsleiter entwickelte selbst einen Montagewagen, der verschiedene Nachteile hatte. Um 2019 zeigten sich dessen Grenzen immer deutlicher: Denn Fahrräder, deren Gewicht sich der 30-kg-Marke nähert, müssen in jeder Position leicht und rückenschonend erreichbar sein – das ermöglichte die lediglich höhenverstellbare Hilfe nicht. Auch aus modellbedingten Gründen war eine Alternative nötig geworden.
Stand: 08.12.2025
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für sämtliche Modelltypen und alle Nabenvarianten geeignet sein;
bei schweren Rädern genauso einfach zu bedienen sein wie bei leichten Ausführungen;
möglichst sämtliche Montagearbeiten und -positionen mühelos erreichbar sein;
die Bedienung am Anfang der Fließfertigung, wo die Räder noch leicht sind, genauso simpel sein, wie am Ende der Montage, wenn sie ihr Endgewicht erreicht haben.
Erfolgreiche Entwicklungspartnerschaft
Im Jahr 2020 präsentierten Mitarbeiter der Roemheld Unternehmensgruppe aus dem hessischen Laubach einen Montageständer, der 2019 auf der Motek, der Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung, vorgestellt worden war. Daraufhin vereinbarten Rose und Roemheld eine Entwicklungspartnerschaft. Im Projektverlauf wurde aus dem schweren und teuren Montageständer, der ursprünglich für die Automobilproduktion geplant war, ein schlanker, flexibler und leichter Wagen – „zu einem attraktiven und konkurrenzfähigen Preis“, wie Strauss betont.
Statt über den Rahmen wird das Rad über einen Dummy im Sattelrohr gespannt. Für unterschiedliche Durchmesser benutzen die Mitarbeiter Adapterhülsen, die nur ins Rohr geschoben werden müssen. Die ebenso einfache wie elegante Lösung ist universell einsetzbar und begeistert den Fertigungsleiter: „So können wir selbst Sattelrohre mit Akkukabel oder Seilzug für die absenkbare Sattelstütze mit einem Spannadapter mit innenliegender Nut problemlos spannen.“
„Mit dem Roemheld-Montagewagen sind unsere Monteure sehr zufrieden“, fasst er die Resonanz zusammen. Anfangs fremdelten manche Mitarbeiter noch etwas: Die Vielzahl an Verstellmöglichkeiten war zu Beginn ungewohnt. „Nach dem Ausprobieren und Einarbeiten sind die Skeptiker jedoch restlos überzeugt. „Alle wollen die Bike-Promobil-Vorrichtung behalten.“
* F. Stephan Auch ist freier Fachjournalist in Nürnberg