Linearlager, Lineartechnik Linearlager und Laufrollenführungen für einen sicherem Patiententransport

Redakteur: Karl-Ullrich Höltkemeier

Sicherer Verwundetentransport in gepanzerten Fahrzeugen im Kriseneinsatz ist eine der Aufgaben des Geschäftsfeldes medical bei Drehtainer. Hierfür werden spezielle Containerausbauten und Fahrzeugausstattungen entwickelt und gefertigt. Für lineare Bewegungen setzen die Konstrukteure dabei auf das Produktspektrum von Rollon.

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Der Boden eines Containerfahrzeuges ist bei Detonationen Beschleunigungen von bis zu 1.000 g ausgesetzt. Diesen Belastungen hält kein am Boden befestigter Gegenstand stand. Aus diesem Grund hat Drehtainer ein Patienten-Tragentisch-system entwickelt, in dem die Tische an der Decke angebracht werden. Es ist besonders im Hinblick auf einfache Bedienbarkeit entwickelt worden. Robustheit und geringes Gewicht spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Zum Aus- und Einladen müssen die jeweils drei Tragen pro System in mehrere Richtungen verschoben werden. Seitlich wird der Tragentisch in den Mittelgang geschoben, um die Trage durch die Heckklappe zu entladen.

In Längsrichtung lässt sich der Tisch auf einer Länge von 0,50 m bis 2,50 m aus dem Fahrzeugheck herausziehen. Um die Einladehöhe zu verringern, wird der obere Tragentisch abwärts bewegt und bei Bedarf gekippt. Für den sicheren Patienten-transport weltweit wird dieses System in der Krankenwagen-Ausstattung des Panzerfahrzeuges Piranha des Schweizer Herstellers Mowag eingesetzt.

Teleskopschienen mit hoher Tragfähigkeit und minimaler Durchbiegung

Jörg Ziemann ist bei Drehtainer für die Konstruktion im Bereich medical verantwortlich. Er verlässt sich bei der Umsetzung aller linearen Bewegungen auf die Vielfalt im Produktangebot von Rollon. Das vertikale Verfahren erfolgt mit der schnellen und geräuscharmen Laufrollenführung Compact Rail, einem der Klassiker bei Rollon.

Dass die Teleskopschienen der Telescopic Rail-Produktfamilie nicht umsonst für ihre hohe Tragfähigkeit und minimale Durchbiegung im ausgefahrenen, belasteten Zustand berühmt sind, zeigt die horizontale Bewegung der Trage. Die Längsverschiebung erfolgt über die Profilschienenführung Mono Rail. Hier ist die Belastung auf zwei Läufer auf der Schiene verteilt. Es wird die Mono Rail in Baugröße 20 mit Standardläufer verwendet.

Tragentisch lässt sich auf die Länge von 2,50 m aus dem Fahrzeugheck herausziehen

Eine zweite Konstruktion ist für sehr hohe Fahrzeuge mit einer Beladehöhe von 1,5 m und mehr konzipiert. Sie dient dazu, den Unterschied zwischen der Tragehöhe und der Beladung des Fahrzeuges auszugleichen. Wenn zwei Sanitäter einen Patienten auf einer Trage transportieren, befindet diese sich etwa 80 cm über dem Boden. Höher zu heben ist aufgrund des Gewichtes und der erforderlichen Winkelung der Arme zu anstrengend. Der Tragentisch lässt sich auf die beachtliche Länge von 2,50 m aus dem Fahrzeugheck herausziehen. Dann wird er elektrisch gekippt. Ist der Patient in 80 cm Höhe auf dem Tisch abgelegt, fährt dieser elektrisch in die Horizontale und wird dann wieder eingefahren.

Zu den Anforderungen an die Konstruktion gehörte hier der lange Auszug und die Belastbarkeit, die bis 290 kg nachgewiesen werden konnte. Gleichzeitig durfte das System kein allzu hohes Eigengewicht bekommen. Die Verwendung von Stahl- und Aluminiumteilen hält dieses bei 100 kg. Es muss trotz der großen Kräfte und des Höhenunterschiedes für eine Person möglich sein, den Tragentisch zu bedienen.

Praktikable Lösung: Compact Rail von Rollon

Vorläufer des Tragentischsystems für den Heckauszug ist ein Patiententragemodul, das Ziemann ebenfalls für den Einsatz in gepanzerten Fahrzeugen entwickelt hat. Es nutzt den engen Raum optimal aus und lässt gleichzeitig die Behandlung während der Fahrt durch horizontal und vertikal verschiebbare Tragen zu. Dieses System wird auf einem Spezialboden verschraubt, der an Seilen an der Decke hängt. Eine Rückwandverschraubung ist wegen der einwirkenden Kräfte zu gefährlich. Deshalb muss die Konstruktion besonders stabil sein.

Diesen Anforderungen ist nur Compact Rail von Rollon gewachsen. Im Festlager / Loslager-Prinzip wären die Beschleunigungskräfte nicht auszuhalten, aber zwei Festlager sind, so Ziemann „die zwar statisch leicht überbestimmte, aber einzig praktikable Lösung.“

Das Rollenläufersystem muss nicht nur die Durchbiegung durch die Tragen aushalten, sondern die obere Trage muss auch jederzeit sicher hinauf- und hinunterfahren. Im vorgezogenen Zustand ist sie etwa 20 cm von der Wand entfernt, und so muss auch die vertikale Bewegung erfolgen, da die medizinischen Geräte an der Gestellwand befestigt sind. Die Tragen werden nur eingefahren, wenn der Container im Stand beladen wird.

Permanent unter Belastung ausgezogen

Die Auszüge, auf denen die Tragen horizontal verfahren werden, sind annähernd permanent unter Belastung ausgezogen: Ohne Abstützung nach vorne, bei der Fahrt über unebenen Boden und mit möglicherweise hohem Gewicht eines Patienten. Die Lösung dieser kniffligen Aufgabe heißt ASN von Rollon.

Die untere Trage ruht auf vier dieser Teilauszüge in der Baugröße 35. Sie sind im eingefahrenen Zustand arretiert und werden zur besseren Zugänglichkeit bei der Behandlung gerade nach vorne gezogen. Die obere Trage ist auch für die horizontalen Auszüge die kompliziertere Aufgabe. Sie lassen sich zum Einladen sogar schwenken und zum Behandeln ebenfalls gerade ausziehen.

Je geringer bei den hier verwendeten Auszügen die Durchbiegung ist, desto besser. Zum einen droht der Patient nicht nach vorne herunter zu fallen und zum anderen lassen sich durchgebogene Schienen nicht mit der nötigen Leichtgängigkeit bewegen.

Nichts für Laien

Auch mobile OP-Stationen in gepanzerten Containern gehören zum Programm bei Drehtainer medical. Um diese korrekt einzurichten, sind gute Kenntnisse der medizinischen Arbeitsabläufe gefragt, damit aus dem Frachtcontainer, der alle Elemente enthält, im aufgebauten Zustand ein klimatisierter OP mit Reinraum-bedingungen wird. Hier kommt Ziemann seine Erfahrung als Rot-Kreuz-Sanitäter zugute. Er kennt die Schwierigkeiten mit Patiententragen und anderen Einrichtungen genau.

Deswegen legt er Wert auf die Leichtgängigkeit aller bewegten Komponenten, damit die Ein-Personen-Bedienung möglich ist. Die Arretierungen der Tragen sind leicht zu lösen, alle Bedienelemente gut als solche erkennbar. Spezialkenntnisse wie diese sind einer der Gründe, warum Drehtainer für neue Ausstattungen von Fahrzeugen, die mit speziellen Systemen versehen werden sollen, gefragt ist.

Im militärischen Einsatz gehört die besondere Staub- und Temperaturbeständigkeit aller Komponenten immer mit zu den Anforderungen. Rollon hat die geeigneten Dichtungen für diese Einsätze. Die Tauglichkeit für militärische Einsätze wird aus dem NCAGE Code ersichtlich, der ebenso wie die bekannteren Zertifikate für Managementsysteme dem fachkundigen Interessenten Auskunft über die Zulassung des Herstellers gibt. Rollon verfügt über diesen Code und kommt somit als Lieferant auch für kritische Einsätze in Frage.

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