Gleitlager Kreative Konstruktionsideen bei Gleitlagern
Vor kurzem prämierte igus die Gewinner des 3. „manus – Wettbewerb für Kunststoff-Gleitlager-Anwendungen“. Welche Applikationen auf der Basis schmiermittel- und wartungsfreier Polymerlager-Anwendungen beeindruckten die Jury in ihren Konstruktionen am meisten? Welche führten nachweislich zu den größten technischen Verbesserungen bzw. Kosteneinsparungen beim Einsatz von Gleitlagern?
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Den manus in Gold und 5.000 Euro hat Dr.-Ing. Rainer Dorstewitz, Bensheim, gewonnen, für die Konstruktion und Herstellung einer neuartigen Lederspalt-maschine „Autosplit-D3“ zur Verarbeitung von Tierhaut zu gebrauchsfähigem, hochwertigem Leder (Bild 1). Insgesamt 239 schmiermittelfreie „iglidur“-Polymergleitlager und „DryLin“-Lineargleitlager von igus sowie Trapezgewindemuttern sind in jeder „Autosplit-D3“ installiert. Die verschleißfesten Kunststofflager trotzen trocken laufend dem Einfluss permanenter Feuchte, Rückständen von Gerbsubstanzen und dem Angriff durch tierische Proteine und Fette.
Dr. Rainer Dorstewitz: „Unter den rauen Umgebungsbedingungen bewähren sich die Polymerlager bestens. Einige Konstruktionen,“ so der manus-Gewinner weiter, „wären zudem ohne den Einsatz der Kunststofflager weder so kompakt noch so kostengünstig ausgefallen.“
Silber für Fitnessraum per Knopfdruck
Der silberne manus und 2.500 Euro Preisgeld gingen an Günther Beutel, geschäftsführender Gesellschafter der KOOPERA GmbH in Oberstenfeld. Sein „Body-Spider“, bereits in elf europäischen Ländern und in den USA patentiert, ist ein multifunktionales – aufklappbares – Fitnessgerät für das gleichzeitige Training von bis zu 18 Personen (Bild 2).
In Japan ist dieses neue Fitnessgerät bereits Kult. Platz sparend verstaut, mit einem Durchmesser von 80 cm, öffnet es sich per Knopfdruck innerhalb einer Minute und es entsteht ein dreidimensionaler Trainingsraum. Gruppendynamisch können nun mehrere Menschen Muskelaufbau- und koordinatives Training für sämtliche Körperbereiche durchführen. In dem Gerät laufen „iglidur“-Kunststoff-Gleitlager in der Ein- und Ausklappmechanik.
Bronze für optimales Schüttgut-Handling
Den bronzenen manus und 1.000 Euro erhielt Stefan Gröneweg, Gröneweg Maschinenbau in Edewecht, für eine Anlage zum Befüllen und Andrücken mit Abstreiftechnik zum Verpressen von Schüttgut bei einem Verpackungsvorgang (Bild 3). „iglidur“-Kunststoff-Gleitlager waren hier – bei zwingendem Verzicht auf Schmiermittel – erste Wahl und sind u.a. starken Säuren und Laugen ausgesetzt bei den mehrmaligen täglichen Reinigungen. Insbesondere im Bereich der Lebensmitteltechnologie erfüllen sie die Anforderungen nach strikter Reinhaltung der Verpackungsvorrichtung.
Weitere Highlights: Kontaktloser Winkelsensor, Gerät zur außerklinischen Reanimation
Auf besondere Würdigung durch die Jury stießen zwei weitere Einsendungen. Das ist einmal ein preiswerter und langlebiger kontaktloser Winkelsensor (Helmut Friedl, Megatron AG & Co., Putzbrunn). Der Absolutwertgeber „MAB25A“ erfasst Winkel mit 12 bit, das entspricht einer Auflösung von < 0,1°. Statt eines Stahl/Messing-Gleitlager hat er, so Megatron, „eine Hochleistungs-Polymerlagerung der Welle mit 6mm Durchmesser.“ Dies mache den Sensor preisgünstig „auch für mittlere Drehgeschwindigkeiten bis zu 3.000 Umdrehungen pro Minute geeignet.“
Ebenfalls besonders gewürdigt wurde das Reanimationsgerät „animax“ von Stefan Seßler (AAT Alber Antriebstechnik GmbH, Albstadt) (Bild 5). Ohne ermüdenden Kraftaufwand ermöglicht es ausdrücklich allen Helfern, vom Laien bis zum Profi, eine optimale Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Herzdruckmassage und Beatmung. Es arbeitet ohne Energieversorgung. Der Portalrahmen umfasst 95 Prozent aller Brustkorbgrößen. In dem Gerät sind wartungsfreie „iglidur Z“-Kunststoff-Gleitlager, zylindrische und Bundbuchsen, verbaut. Eingesetzt sind sie u.a. in der Umschaltmechanik. Die durch den Hebel erzeugten Drehmomente werden in den Gleitlagern aufgefangen.
Die Einsendungen zum 3. „manus“ erstrecken sich über alle Branchen.
Besonders leichte „igubal“-Kunststoff-Stehlager sind im Kletterroboter „CLAUS“ für die Fenster- und Fassadenreinigung, der rein passiv, d.h. ohne Energieeinsatz, an der Scheibe gehalten wird (Professor Dr.-Ing. Werner Brockmann, Technische Informatik, Universität Osnabrück) verarbeitet (Bild 6). Durch das Haften an der Scheibe muss das Gewicht so gering wie möglich sein, damit kein Abrutschen oder gar Abstürzen droht. Auch müssen die Lager schmiermittelfrei sein, einerseits damit die Haftung der Saugnäpfe an den Füßen nicht durch eventuell austretendes Schmiermittel aufgehoben wird, andererseits damit die zu reinigenden Scheiben nicht verschmutzt werden.
Die weltweit erste vollautomatische mechanische Öffnungsmaschine für Grünlippenmuscheln hat „manus“-Einsender Peter Neuhaus (Vision Components, Karlsruhe) entwickelt. Die hohe Größenvariation bei der Verarbeitung dieses Naturprodukts stellt besondere Ansprüche an die Verstellbarkeit der Maschine. Bauraum sparende „DryLin“-Linearführungen mit polymeren Gleitelementen sind eingesetzt für Messerführung, Verstellung und Transport des Muschelschlittens.
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