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Eine Alternative stellen Handmessmittel dar, wie etwa Messschrauben. Allerdings muss hier auf die Präzision und das Handling geachtet werden: Zum einen müssen die Geräte sehr genau kalibrierbar sein. Zum anderen verzerrt bei den gängigen Stahlmessmitteln die temperaturbedingte Materialausdehnung die eingestellten Werte, was rechnerisch umständlich auszugleichen ist. Zudem sind Instrumente aus Stahl in den erforderlichen Dimensionen sehr schwer und deshalb kaum von einer Person allein zu benutzen. Aufgrund dieser Schwierigkeiten und nicht zuletzt auch Kostenabwägungen vertrauen viele Unternehmen lieber auf die Fertigungsqualität ihrer Zulieferer und nehmen die mit Ausschuss verbundenen Probleme in Kauf.
Inzwischen allerdings wurden speziell für große Durchmesser im Hochpräzisionsbereich Messmittel aus Karbon entwickelt, die bereits bei verschiedenen Maschinen- und Anlagenbauern im Einsatz sind: Die Geräte der Easy-Metric GmbH bestehen aus einem Karbonfaser-Stab, auf dem zwei höhen- und weitenverstellbare Schenkel aus eloxiertem Aluminium angebracht sind. Über diese wird von einer Messbank, einer Maßverkörperung oder vom ebenfalls aus Karbon gefertigten, vorkalibrierten Factory Master das geforderte Maß abgenommen, auf das hin die Bauteile kontrolliert werden sollen. Ist statt des äusseren der innere Durchmesser zu prüfen, lassen sich die Schenkel einfach abziehen und umgedreht wieder auf den Stab stecken.
Leichtes Messwerkzeug ohne temperaturbedingte Schwankungen
Da Karbon einen Dehnungskoeffizienten von nur 0,4 µm pro Meter und Grad Celsius aufweist, reagiert es kaum auf Wärme, und die Kalibrierung bleibt auch über längere Zeiträume und viele Messvorgänge konstant. Dazwischen lässt sich die Einstellung am Factory Master jederzeit leicht nachprüfen. „Die Praxiserfahrungen zeigen, dass damit eine Wiederholgenauigkeit im Bereich von 5 µm erzielt werden kann“, so Wolfgang Bose, Vertriebsleiter für Easy-Metric in Europa. „Das liegt deutlich innerhalb der Präzisionsanforderungen der Anlagenbauer.“ Zudem ist das verwendete Karbon hochstabil und korrosionsbeständig.
Das Messen selbst dauert je nach Größe des Wälzlagers nur zwischen zwei und fünf Minuten. Dabei wird das Messmittel auf das Bauteil gelegt und der maximale Durchmesser ermittelt, indem mit einem Ende der Kreisbogen abgefahren wird, bis sich die Abweichungsanzeige auf der Messuhr umkehrt. Ist dieser Punkt gefunden, lässt sich auf der Uhr direkt die exakte Differenz zum vorgegebenen Durchmesser ablesen und entscheiden, ob das jeweilige Teil als Ausschuss behandelt werden muss.
Prüfung von Durchmessern bis zu 8 Metern möglich
Bis zu 8 m können die Geräte von Easy-Metric bei einer Standard-Eintauchtiefe bis 300 mm abmessen, längere Schenkel lassen sich auf Anfrage ebenfalls realisieren. Die Kosten liegen dabei deutlich unter denen elektronischer Messsysteme, so dass nicht nur die hohen Folgekosten fehlerhafter Komponenten vermieden werden können, sondern auch die Anfangsinvestition vergleichsweise niedrig ausfällt. Die Karbon-Messmittel werden mittlerweile neben der WEA-Produktion auch in diversen anderen Hochpräzisionsbereichen verwendet, so etwa im Flugzeug- oder Automobilbau. (ud)
FVA-Vertiefungsseminar zur Berechnung von Gleitlagern im November 2013
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