CAD Eine Abkürzung zum fertigen Bauteil

Quelle: Pressemitteilung 4 min Lesedauer

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Ein Wissenschaftler am Fraunhofer IPA hat einen Weg gefunden, wie sich einige der zahlreichen Prozessschritte von der ersten Skizze bis zum fertigen Bauteil einsparen lassen. CAD-Modell, technische Zeichnung und die Einstellungen an der Maschine entfallen – alles, was Konstrukteure und Fertiger noch brauchen, sollen neun einfache Zeichen sein.

Künftig könnten einige der zahlreichen Prozessschritte von der ersten Skizze bis zum fertigen Bauteil überflüssig werden – dank einer Nomenklatur bestehend aus neun Zeichen und einigen Grundregeln.(Bild:  Fraunhofer IPA)
Künftig könnten einige der zahlreichen Prozessschritte von der ersten Skizze bis zum fertigen Bauteil überflüssig werden – dank einer Nomenklatur bestehend aus neun Zeichen und einigen Grundregeln.
(Bild: Fraunhofer IPA)

Zwischen der ersten Skizze und dem fertigen Bauteil liegen zahlreiche, auch fehleranfällige Prozessschritte und viel Arbeitszeit: Zunächst fertigt ein Konstrukteur ein 3D-CAD-Modell an. Daraus leitet er eine zweidimensionale technische Zeichnung ab und ergänzt sie um zusätzliche Angaben wie Toleranzen, Passungen, Parallelitäten, die Rauigkeit der Oberfläche und dergleichen mehr. CAD-Modell und technische Zeichnung werden dem Fertiger übergeben.

Der Fertiger nimmt bei einfachen Bauteilen die entsprechenden Einstellungen direkt an der Maschine vor. Bei komplexeren Geometrien hingegen werden aus den Daten mithilfe der CAM-Software automatisiert Maschinenbefehle generiert. Welche Fräser und Bohrer geeignet sind, um das Rohmaterial zu bearbeiten und wie das Rohteil am besten eingespannt werden muss, muss der Fertiger aber selber entscheiden.

Nomenklatur: Wie neun Zeichen den Prozess beschleunigen

Tobias Herrmann von der Abteilung Leichtbautechnologien am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA hat nun einen Weg gefunden, wie in Konstruktion und Fertigung einige dieser vielen Prozessschritte eingespart werden können:

  • CAD-Modell und technische Zeichnung werden dabei ersetzt durch eine Nomenklatur aus neun grundlegenden Zeichen, mit denen alles angegeben werden kann, was eine Fräsmaschine umsetzen soll.
  • Diese Zeichen schreibt ein Werker mit einem Stift direkt auf das Rohmaterial: R5 steht zum Beispiel für eine Rundung mit einem Radius von fünf Millimetern, F20 für eine 20 Millimeter breite Fase oder E10 für eine Ausfräsung von zehn Millimetern, deren exakte Form und Abmessung anhand von Linien auf dem Rohmaterial vorgegeben sind.
  • Hinzu kommen neun Konventionen, etwa dass beim Zeichnen von Konturen und Features nur Linien in einem Winkel von 0°, 45° oder 90° zulässig sind oder dass sich der Werkstücknullpunkt aus Sicht des Maschinenbedieners immer in der linken oberen Ecke befindet.
  • Ist das Rohmaterial beschriftet und eingespannt, wird es von einem Laserscanner abgetastet, werden die Zeichen interpretiert und daraus eine Vektorgrafik abgeleitet.
  • Danach übersetzt eine Software binnen weniger Sekunden die Vektorgrafik in Maschinenbefehle (NC-Code) und erstellt ein Soll-Bauteil als CAD-Modell.
  • In den Maschinenbefehlen enthalten sind nicht nur genaue Angaben darüber, an welcher Stelle die Maschine mit welchem Werkzeug was tun soll, sondern die Software sieht auch Werkzeugwechsel vor. Sie schreibt also vor, an welcher Stelle die Maschine andere Fräser oder Bohrer zu verwenden hat.

Ein Mittel gegen den Fachkräftemangel

Mit diesen Eigenschaften wäre „Easy-CNC“, wie Tobias Herrmann seine Entwicklung nennt, nicht nur eine Abkürzung zum fertig bearbeiteten Bauteil, sondern auch ein Mittel gegen den grassierenden Fachkräftemangel. Denn Easy-CNC überträgt das Fachwissen erfahrener Konstrukteure und Fertiger in Softwarebefehle. „Das Know-how zur Bearbeitung ist damit nicht mehr in den Köpfen der Konstrukteure und Fertiger, sondern in der Maschine und Software gespeichert“, sagt der Forscher.

Tipp: konstruktionspraxis und MM MaschinenMarkt bringen Konstruktion und Produktion zusammen

Am 19. Oktober 2023 laden die Fachmagazine konstruktionspraxis und MM MaschinenMarkt zu den beiden Veranstaltungen Konstruktionsleiter-Forum und Produktionsleiter-Forum nach Würzburg ein.

  • Das Konstruktionsleiter-Forum 2023 will Konstruktions- und Entwicklungsleiter sensibilisieren für die Herausforderungen der Produktentwicklung des 21. Jahrhunderts sowie Lösungen aufzeigen. Dazu gehören praxisorientierte Tools und Methoden, um innovative Ideen strukturiert zu entwickeln und den Produktentstehungsprozess so schlank und effizient wie möglich zu gestalten.
  • Es gibt kaum Fragen, die die Industrie so bewegen, wie die folgenden beiden: Wie können Digitalisierung und Vernetzung in der Industrie endlich ihr Potenzial entfalten und wie kommt man zu einer nachhaltigen Produktion? Deshalb legt das Produktionsleiter-Forum 2023 den Fokus genau auf diese Themen.

Mit Ihrer Anmeldung können Sie zwischen den Vorträgen beider Veranstaltungen wechseln und profitieren zudem von der gemeinsamen Fachausstellung.

Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung zum Konstruktionsleiter-Forum 2023.

Zwischensteuerung soll Zugriff auf Bestandsmaschinen ermöglichen

Allerdings ist es noch nicht so weit, es müssen noch offene Fragen geklärt werden – allen voran: Wie bekommt man Zugriff auf alte CNC-Maschinen? Denn Bestandsmaschinen sind oft nicht auf die Digitalisierung ausgelegt. Es ist nicht vorgesehen, dass externe Systeme auf sie zugreifen und ihr Befehle erteilen. Herrmann versucht nun, die Maschinenbefehle über eine Zwischensteuerung zu beeinflussen. Darüber könnten CNC-Maschinen dann auch auf Netzwerke und Datenbanken zugreifen. Zusätzlich können damit Anleitungen und Anweisungen an den Maschinenbediener weitergegeben werden. Um dies umzusetzen, sind jedoch noch viele Tests zur Maschinenkommunikation und Systemintegration notwendig.

Wie es weitergeht

Unterdessen verfeinern die Projektpartner bei der EVT Eye Vision Technology GmbH, einem Anbieter von Machine-Vision-Lösungen, ihre Deep-Learning-Algorithmen weiter. Denn die Algorithmen, welche die Linien und Zeichen auf dem Rohteil in Verbindung mit einem von EVT entwickelten Laser-Scanning-System erkennen und klassifizieren, sind essentiell für die weiteren Verarbeitungsschritte.

Die Reuss Maschinenbau GmbH & Co. KG, ein weiterer Projektpartner, entwickelt derweil den Prototyp einer Fräsmaschine, in den das Laser-Scanning-System von EVT zusammen mit Einrichtungen zur Bauteilreinigung und der zusätzlichen Steuerungsanbindung integriert werden sollen. Geplanter Projektabschluss ist der 30. September 2023.

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