Der Messgeräte- und Automatisierungsspezialist AMO hat einen Spindelgeber entwickelt, der auch Betriebszustandsdaten erfasst. So können Maschinenbetreiber Auffälligkeiten an der Spindel erkennen, bevor schwerwiegende Folgeschäden entstehen.
Hauptspindeln sind die zentralen Komponenten in Dreh- und Fräsmaschinen. Von ihrer ordnungsgemäßen Funktion hängt die Qualität des Bearbeitungsvorgangs ab.
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Hauptspindeln sind ein zentraler Bestandteil von Dreh- und Fräsmaschinen: In den einen sind sie für die Fixierung des Werkstückes verantwortlich, in den anderen übernehmen sie dessen spanende Bearbeitung. Von der optimalen Funktion der Spindel hängt maßgeblich die Leistungsfähigkeit einer Werkzeugmaschine ab. In den vergangenen Jahren hat sich die Geschwindigkeit von Frässpindeln allerdings stetig erhöht. Dadurch ist auch ihre mechanische Beanspruchung stark gestiegen.
Monitoring gewinnt an Bedeutung
Vor diesem Hintergrund wird die kontinuierliche Überwachung der Komponenten immer wichtiger. Spindel-Hersteller verbauen in ihren Produkten deshalb schon seit einiger Zeit Technologie zur Erfassung von Betriebszustandsdaten. Der Automatisierungsspezialist AMO GmbH aus dem oberösterreichischen St. Peter am Hart hat jetzt einen inkrementellen Spindelgeber entwickelt, der weit mehr Daten erfasst als vergleichbare Produkte am Markt.
Der neue Spindelgeber WMK 3010S von AMO hilft Schäden an Dreh- und Frässpindeln zu vermeiden.
(Bild: AMO GmbH)
Der WMK 3010S misst nicht nur die Position der Spindel, sondern liefert darüber hinaus auch periodische, zustandsbasierte und zustandsgetriggerte Betriebszustandsdaten. Zu den periodischen Daten zählen z. B. Informationen über die Laufleistung der Achse während der gesamten Einsatzdauer, aber auch die Anzahl der Werkzeugwechsel oder der Hübe. Mit „zustandsbasierten Daten“ sind Extremwerte wichtiger Parameter gemeint, die während der Betriebszeit aufgetreten sind. Zustandsgetriggerte Daten umfassen einen Datensatz mit allen wichtigen Informationen, der beim Über- oder Unterschreiten einer vorher festgelegten Signalamplitude oder Betriebstemperatur automatisch abgespeichert wird.
Analyse in Form von Diagrammen möglich
Der Anwender kann die Aufzeichnung der Daten so einstellen, dass im Anschluss eine optimale Analyse, beispielweise in Form von Histogrammen, möglich ist – indem er die Darstellung der Werte auf der X-Achse individuell festlegt. Darüber hinaus lassen sich verschiedenste Parameter wie z. B. der Drehzahlbereich oder der Temperaturbereich über das Diagnose-Tool STU-60 konfigurieren.
Die Betriebszustandsdaten werden nach der Messung in einem nichtflüchtigen Speicher abgelegt, der sich direkt im Gerät befindet. Mithilfe des Diagnose-Tools sowie der Software AMO-Check werden die Daten dann offline ausgelesen und analysiert. Sie lassen sich im Anschluss auch in Form von Tabellen und Histogrammen visualisieren.
Der Geber ist kompakt gebaut und benötigt daher nur wenig Bauraum.
(Bild: AMO GmbH)
Der Spindelgeber von AMO ist modular und sehr kompakt aufgebaut: Er besteht aus einem Maßbandring (WMR 3010A) sowie einem Abtastkopf. „Durch diese Konstruktionsweise kann der Spindel- oder Werkzeugmaschinenhersteller den Geber schnell und einfach montieren“, so Engelbert Hager, Kaufmännischer Leiter der AMO GmbH. „Das bieten die Wettbewerbsprodukte in der Form nicht.“
Der inkrementelle Edelstahl-Messring des Spindelgebers ist mit einer hochgenauen, fotolithografisch geätzten, periodischen Teilung ausgestattet. Die Maßverkörperung bietet eine Teilungsperiode von 1000 µm sowie Strichzahlen von 192 bis 512 Teilungsstrichen pro Umdrehung. Das entspricht einem Bereich des Messring-Durchmessers von ca. 61 mm bis 163 mm. Zusätzlich dazu verfügt der Maßbandring aber noch über eine Referenzmarke, die von dem integrierten Abtastkopf induktiv abgetastet wird.
Geber arbeitet verschleißfrei
Messring und Abtastkopf bilden zusammen das patentierte Amosin-Messsystem. Es besteht neben der Maßverkörperung aus einer in den Messkopf integrierten planaren Spulenstruktur, die auf einem Substrat in Mikro-Multilayer-Technik gefertigt wird. Dabei sind die einzelnen Hauptelemente mit Primär- und Sekundärspulen in Messrichtung gestreckt. Die relative Bewegung in Messrichtung zwischen Sensorstruktur im Abtastkopf und der Maßverkörperung ändert periodisch die Gegeninduktivität der einzelnen Spulen und erzeugt zwei sinusförmige 90°-phasenverschobene Signale (SIN u. COS). Da die Abtastung mithilfe von Induktion und somit berührungslos erfolgt, ist Verschleiß am Gerät ausgeschlossen.
Buchtipp
Die Sensortechnik ist eine Schlüsseltechnologie für das Messen, Steuern und Regeln von mechatronischen Systemen in der Automatisierung. Das Buch „Industriesensorik“ beschreibt anwendungsbezogene Fehleranalysen von Messsystemen, Sensoren und Sensorsystemen, jeweils ergänzt durch vollständig durchgerechnete Anwendungsbeispiele. Techniker und Ingenieure finden hierin Ideen und Lösungsansätze für ihre tägliche Arbeit.
Die gesamte Auswerteelektronik und die Sensorik des Gebers sind ins Gehäuse integriert, sodass für den Einbau sehr wenig Platz benötigt wird. Eine Verkapselung schützt Elektronik und Sensoren gegen Staub, Schmutz und Spritzwasser entsprechend der Schutzklasse IP67. Diese Stabilität gegenüber Umwelteinflüssen und die ausgezeichnete Signalgüte führen dazu, dass nach der Signalkonditionierung in der Auswertelektronik geringste Abweichungen von der Ideal-Sinusform (Oberwellenanteil) bleiben.
Stand: 08.12.2025
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Geräteanbau mit mechanischem Fehlerausschluss
Für die Baureihe WMK 3010S in Verbindung mit den Maßbandringen WMR 3010A bietet AMO dem Kunden zudem eine über Berechnungen und Versuche abgesicherte Möglichkeit zum Geräteanbau mit mechanischem Fehlerausschluss. Unter Einhaltung der hierfür erforderlichen Montageanforderungen und Einsatzbedingungen liegt ein mechanischer Fehlerausschluss für die mechanische Befestigung von Abtastkopf und Messring nach EN 61 800-5-2, Tabelle D8 vor.
Von AMOs neuem induktiven Spindelgeber profitieren Maschinenbetreiber und OEMs gleichermaßen. Der WMK 3010S ermöglicht zum einen eine Verringerung der Ausfallzeiten, denn Unternehmen haben bei jeder Wartung den Betriebszustand ihrer Fräs- und Drehmaschinen im Blick. Sie erkennen auf diese Weise Auffälligkeiten an der Spindel, bevor teure Schäden entstehen.
Zum anderen eröffnet der Geber Spindel- und Maschinenherstellern ein zusätzliches, attraktives Geschäftsfeld: Die Zustandsüberwachung im Auftrag der Maschinenbetreiber. Mit dieser Dienstleistung sichern sich OEMs kontinuierliche Einnahmen und stärken die Kundenbindung. Der Geber erleichtert ihnen zudem die Arbeit im Service-Fall, denn seine gesammelten Daten machen die langwierige Suche nach einer Schadensursache überflüssig.