EN ISO 13849

Hersteller müssen oft schon jetzt die EN ISO 13849 anwenden

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Darüber hinaus muss der Konstrukteur weitere, nicht quantifizierbaren Kenngrößen berücksichtigen. Dazu zählt das Einhalten der grundlegenden und bewährten Sicherheitsprinzipien, das Verhalten der Sicherheitsfunktion unter Fehlerbedingung(en), die sicherheitsbezogene Software, systematische Ausfälle sowie die Fähigkeit, eine Sicherheitsfunktion unter vorhersehbaren Umgebungsbedingungen auszuführen.

4. Was verbirgt sich hinter MTTFd- und B10d-Werten?

Die Mean Time to dangerous Failure, MTTFd, beschreibt die mittlere Wahrscheinlichkeit gefahrbringender Ausfälle von sicherheitsrelevanten Bauteilen einer Steuerung, meist in Jahren angegeben. Als Erwartungswert der Hersteller bemisst er lediglich die Zeit, nach der statistisch rund 63 Prozent aller anfänglich intakten Bauteile gefahrbringend ausgefallen sind. Der MTTFd-Wert gibt also keine Garantie für eine bestimmte Lebensdauer der Bauteile.

Für Bauteile, deren Lebensdauer von der anwendungsbezogenen Schalthäufigkeit abhängt, geben die Hersteller häufig statt des MTTFd-Werts den B10d-Wert an. Dieser Wert gibt die Anzahl der Zyklen an, nach der 10 Prozent der Bauteile statistisch gesehen gefährlich ausgefallen sind. Konstrukteure und Entwickler können daraus den entsprechenden MTTFd-Wert für die jeweilige Anwendung berechnen. Den genauen Rechenweg führt die EN ISO 13849 auf.

5. Woher kommen die einzelnen Kennwerte?

Sobald Bauteile sicherheitsbezogen eingesetzt werden können, liefern seriöse Hersteller sicherheitsrelevante Kennwerte in der Regel mit. Bei Subsystemen wie hydraulischen Steuerblöcken oder in elektrische Antriebe integrierte Sicherheitstechnik, gehört beispielsweise bei Rexroth auch der erreichte PL oder der PFHd-Wert für dieses Subsystem zum Lieferumfang.

6. Was muss der Anwender bei MTTFd-Werten beachten?

Einige Hersteller übernehmen ungeprüft Pauschalwerte aus der EN ISO 13849. Diese gibt beispielsweise für Hydraulikventile eine MTTFd von 150 Jahren an. Allerdings bezieht sich dieser Wert ausschließlich auf alleinstehende Ventile. In der Praxis kommen aber häufig vorgesteuerte Ventile zum Einsatz, die aus zwei Ventilen bestehen. Nach dem von der EN ISO 13849 vorgeschriebenen "Parts-Count-Verfahren" liegt der MTTFd-Wert für solche Baureihen zwangsläufig niedriger, da nun zwei Fehlerquellen zu berücksichtigen sind. Anwender sollten Pauschalwerte nicht ungeprüft akzeptieren, um so systematische Fehler zu vermeiden. Abweichungen einzelner Baureihen von den MTTFd-Pauschalwerten zeigen als Qualitätsmerkmal die sorgfältige und verantwortungsbewusste Bestimmung dieser wichtigen Kennziffern durch den Hersteller.

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