Empa-Forschenden haben komplexe Formen vom Naturmaterial Aerogel aus Cellulose additiv gefertigt. Diese Formen könnten etwa als Gerüste für Zellwachstum oder als Implantate dienen.
Komplexität und Leichtigkeit: Empa-Forschende haben ein 3D-Druckverfahren für biologisch abbaubares Cellulose-Aerogel entwickelt.
(Bild: Empa)
Bereits 2020 hatten Wim Malfait und Shanyu Zhao aus dem Empa-Labor „Building Energy Materials and Components“ gemeinsam mit weiteren Forschenden ein Verfahren entwickelt, um Silica-Aerogele zu drucken. In Zusammenarbeit mit den Laboren „Cellulose & Wood Materials“ und „Advanced Analytical Technologies“ sowie dem Zentrum für Röntgenanalytik haben sie dieses Verfahren nun weiterentwickelt.
Silica-Aerogele sind schaumartige Werkstoffe, offenporig und brüchig. Bisher war es kaum möglich gewesen, sie in komplexe Formen zu bringen. „Es war der logische nächste Schritt, unsere Drucktechnologie auch auf mechanisch robustere biobasierte Aerogele anzuwenden“, sagt Zhao.
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Als Ausgangsstoff wählten die Forschenden Cellulose. Aus diesem pflanzlichen Material lassen sich mit einfachen Verarbeitungsschritten unterschiedliche Nanopartikel gewinnen. Zwei Arten solcher Nanopartikel – Cellulose-Nanokristalle und Cellulose-Nanofasern – nutzte Doktorand Deeptanshu Sivaraman zur Herstellung der „Druckertinte“ für das Bio-Aerogel.
Tinte besteht aus rund zwölf Prozent Zellulose und 88 Prozent Wasser.
Das Fließverhalten der Tinte ist beim 3D-Druck entscheidend: Sie muss ausreichend dickflüssig sein, um vor der Aushärtung eine dreidimensionale Form halten zu können. Zugleich sollte sie sich aber unter Druck verflüssigen, damit sie überhaupt durch die Druckerdüse fließen kann. Mit der Kombination aus Nanokristallen und Nanofasern gelang Sivaraman genau das: Die langen Nanofasern verleihen der Tinte eine hohe Viskosität, die eher kurzen Kristalle sorgen dafür, dass sie scherverdünnend reagiert, also beim Drucken kurzzeitig flüssig wird.
Wir konnten die benötigten Eigenschaften alleine mit Cellulose erreichen, ohne jegliche Zusätze und Füller.
Deeptanshu Sivaraman
Insgesamt enthält die Tinte rund zwölf Prozent Zellulose – und 88 Prozent Wasser. „Wir konnten die benötigten Eigenschaften alleine mit Cellulose erreichen, ohne jegliche Zusätze und Füller“, sagt Sivaraman. Das Aerogel lässt sich damit nicht nur biologisch abbauen, sondern besitzt auch wärmeisolierenden Eigenschaften.
Je weniger Feststoff die Tinte enthält, desto poröser ist das resultierende Aerogel.
Shanyu Zhao
Wasser in den Poren wird durch Ethanol und Luft ersetzt
Denn damit aus der Tinte nach dem Drucken ein Aerogel werden kann, ersetzen die Forschenden das Lösungsmittel Wasser in den Poren zuerst durch Ethanol und schliesslich durch Luft – und zwar ohne das gedruckte Objekt zu verformen. „Je weniger Feststoff die Tinte enthält, desto poröser ist das resultierende Aerogel“, erklärt Zhao.
Beim gedruckten Cellulose-Aerogel haben die Forschenden noch eine besondere Eigenschaft festgestellt: Es ist anisotrop. Das heißt, seine Festigkeit und seine Wärmeleitfähigkeit sind richtungsabhängig. „Die Anisotropie entsteht teilweise durch die Ausrichtung der Nanocellulose-Fasern und teilweise durch den Druckprozess selbst“, sagt Malfait.
Somit können die Forschenden steuern, in welcher Achse das gedruckte Aerogel-Stück besonders stabil oder besonders isolierend sein soll. Solche präzise isolierenden Bauteile könnten beispielsweise in der Mikroelektronik zum Einsatz kommen, wo Wärme nur in eine bestimmte Richtung geleitet werden darf.
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Obwohl es beim ursprünglichen Forschungsprojekt, das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert wurde, überwiegend um Wärmeisolation ging, sahen die Forschenden schnell ein weiteres Anwendungsgebiet für ihr druckbares Bio-Aerogel: die Medizin. Da es aus reiner Cellulose besteht, ist das neue Aerogel biokompatibel mit lebendem Gewebe. Seine poröse Struktur ist in der Lage, Medikamente aufzunehmen und sie dann über längere Zeit im Körper freisetzen. Und der 3D-Druck bietet die Möglichkeit, exakte Formen herzustellen, die etwa als Gerüste für Zellwachstum oder als Implantate dienen könnten.
Besonders vorteilhaft: Das gedruckte Aerogel lässt sich nach dem Trocknungsvorgang mehrmals rehydrieren und wieder trocknen, ohne seine Form oder seine poröse Struktur zu verlieren. Bei Praxisanwendungen würde das die Handhabung erleichtern: Das Material könnte in trockener Form gelagert und transportiert werden und erst kurz vor der Verwendung wieder mit Wasser versetzt werden. Im trockenen Zustand ist es nicht nur leicht und handlich, sondern auch weniger anfällig für Bakterien – und muss nicht aufwändig vor Austrocknung geschützt werden. „Wenn man das Aerogel mit Wirkstoffen versetzen will, kann dies im letzten Rehydrierungsschritt unmittelbar vor der Anwendung geschehen“, sagt Sivaraman. „Dann riskiert man nicht, dass das Medikament mit der Zeit oder bei falscher Lagerung an Wirksamkeit verliert.“
Stand: 08.12.2025
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