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Azipod-Antriebe

Ein Blick ins Baudock der Meyer Werft

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ABB zeigt digitale Lösungen für die Marineindustrie

Das Digitalangebot von ABB bietet zahlreiche, speziell auf die Bedürfnisse der Marineindustrie zugeschnittene Software-Pakete und digitale Services an, etwa für die Fern- oder zustandsbezogene Wartung sowie für Kursoptimierungen von Fracht- oder Passagierschiffen. Optimiertes Flottenmanagement zur Reduzierung von Treibstoffverbrauch und Wartungskosten bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität und Sicherheit von Passagieren, Besatzungen und Fracht stehen in dieser Branche im Vordergrund. Steigende Beachtung finden auch – ähnlich wie im Straßenverkehr – moderne Lösungen für die E-Mobilität auf hoher See. Elektrisch betriebene Fähren sind bereits Realität, Hybrid-Antriebe für Passagierschiffe erobern schon seit vielen Jahren die Weltmeere.

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Eigner und Betreiber von Hochseeschiffen aller Art entdecken zunehmend die Vorteile der Digitalisierung und der Vernetzung von Systemen und Informationen. Die verbesserten satellitengestützten Überwachungsmöglichkeiten von Schiffen auf den Weltmeeren und das „Cloud Computing” versetzen Zulieferer wie ABB in die Lage, den Reedereien nicht nur elektrische und automatisierungstechnische Komponenten und Systeme – wie etwa die Azipod-Antriebe samt Umrichter und Schaltschränken sowie das Leitsystem ABB Ability 800xA und zahlreiche industrieerprobte und zertifizierte Instrumente – anzubieten, sondern auch cloudbasierte Lösungen zur Verfügung zu stellen. Kombiniert mit Datenübertragungs- und Analysesystemen bieten sie ein enormes Potenzial zur Kosteneinsparungen und/oder Leistungssteigerungen einzelner Schiffe oder gar ganzer Flotten bieten.

Daten sammeln, auswerten und Betrieb der Schiffe optimieren

Zur weltweiten, lückenlosen Kontrolle von Schiffen betreibt ABB weltweit sieben so genannte Collaboration Operation Center, die den Kunden nicht nur in Notfällen, sondern im alltäglichen Betrieb in die Lage versetzt, z.B. vorausschauende Wartungen zu planen und allgemein den Betrieb der Schiffe zu optimieren. Ganze Flotten können so rund um den Globus über die „Collaboration Center” Tag und Nacht vernetzt und koordiniert werden. Sowohl die Eigner als auch die Service-Bereiche von ABB greifen online auf gleiche Informationen zu. Zurzeit überwacht ABB auf diese Art und Weise fast 1000 Schiffe weltweit, womit ABB eigenen Angaben zufolge führend ist auf dem Weltmarkt.

„Collaborative Operations” lautet das Stichwort, unter dem ABB alle ihre digitalen Marine-Services zusammenfasst. Daten aus allen Bereichen werden gesammelt und in nutzbare Informationen umgesetzt. Dazu gehören unter anderem Daten aus den Bereichen Navigation, Wetter, Wellengang, Treibstoff, Antriebssystem aus Umrichter und Azipod. Das Automatisierungssystem ABB Ability 800xA sammelt große Mengen an Daten aus dem ganzen Schiff und nutzt die daraus gewonnenen Informationen zum dynamischen Trimm von Fracht- und Passagierschiffen, zur Leistungsüberwachung und Optimierung der Stromerzeugungsanlagen, zu Kurs- und Geschwindigkeitsvorgaben mit dem Ziel, Treibstoffverbräuche zu verringern und – bei Passagierschiffen – den Komfort für die Reisenden durch verringerte Schiffsbewegungen zu steigern.

E-Mobilität im Schiffsverkehr

Ein weiterer Trend im Bereich der Marineindustrie ist die vom Straßenverkehr bereits bekannte E-Mobilität. Seit vielen Jahren sind bereits dieselelektrische Antriebe in vielen Schiffen das Antriebssystem der Wahl. Dabei laufen je nach Bedarf mehrere Verbrennungsmotoren unter optimalen Konstant-Bedingungen (Drehzahl, Last) und erzeugen über Generatoren Strom, der nicht nur für Beleuchtung, zum Kochen oder zur Klimatisierung an Bord verwendet wird, sondern auch die elektrischen Antriebsmotoren – heute meist in Form der von ABB erstmals Ende der 80er Jahre eingeführten Azipod-Antriebe.

Schon seit geraumer Zeit dürfen große Kreuzfahrtschiffe in zahlreichen Häfen und in Küstennähe nicht mehr mit Schweröl betriebene Motoren zur Stromerzeugung oder zu Antriebszwecken einsetzen. In Häfen werden dazu elektrische Landanschlüsse installiert, die „sauberen” Strom in die Schiffe einspeisen. Aber in zunehmendem Maße kommen auch rein elektrisch betriebene Schiffe – vornehmlich Fähren – zum Einsatz. So rüstete ABB die Fähre „Tycho Brahe”, die auf der Ostsee zwischen Dänemark und Schweden pendelt, mit einem elektrischen Gleichstrom-Bordnetz und entsprechenden Energiespeichern aus. Ein ABB-Roboter wird voraussichtlich noch in diesem Jahr für die automatische und schnelle Ankoppelung der einlaufenden Fähre an eine Ladestation sorgen. Während des Frachtentlade-/ladevorgangs wird ausreichend Strom in die Akkumulatoren gespeist, der anschließend die Rückfahrt erlaubt. Auf dem norwegischen Näroyfjord (Unesco-Naturerbe) fährt seit gut einem Jahr ein elektrisch betriebenes Ausflugsschiff. Die Dieselantriebe werden erst nach dem Verlassen des Fjords zu Antriebs- und Ladezwecken angeworfen. Großes Potenzial in punkto E-Mobilität haben auch zahlreiche Spezialschiffe, etwa Versorgungsschiffe von Bohrinseln oder Zulieferschiffe von Aquafarmen. (sh)

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Redakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht