Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Weltraumteleskops

Von Monika Zwettler 5 min Lesedauer

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In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir regelmäßig Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: das Weltraumteleskop.

Astronomie erforscht die Welt der Galaxien und versucht, Entstehung, Aufbau und Entwicklung des Universums zu erklären. (Bild:  © Vladan – stock.adobe.com_KI-generiert)
Astronomie erforscht die Welt der Galaxien und versucht, Entstehung, Aufbau und Entwicklung des Universums zu erklären.
(Bild: © Vladan – stock.adobe.com_KI-generiert)

Der 28. März 2026 ist  der Erforschung des Kosmos gewidmet: Bereits seit 1973 gibt es den internationalen Tag der Astronomie, seit 2003 findet der Aktionstag auch in Deutschland statt, meist mit einem Frühjahrs- und einem Herbsttermin. Da Weltraumteleskope ein entscheidendes Instrumentarium für die Astronomie sind, beleuchten wir hier die Entwicklung des Weltraumtelekops näher und zeigen eine kurze Geschichte der Weltraumteleskopie - von  OAO-2 über Hubble und seinen berühmten Fehler bis zum James Webb Space Telescope, dem Giganten unter den Weltraumteleskopen.

Weltraumteleskope: Die ultimative Herausforderung

Die Entwicklung und der Bau eines Weltraumteleskops ist die ultimative Herausforderung:  Es gilt, hochkomplexe optomechatronische Systeme zu entwerfen, die unter den extremen Bedingungen des Vakuums und bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt über Jahrzehnte hinweg wartungsfrei mit nanometergenauer Präzision arbeiten. Von den ersten theoretischen Entwürfen der Pioniere wie Hermann Oberth in den 1920er Jahren bis hin zu den heutigen entfaltbaren Primärspiegeln war es ein Weg technologischer Superlative.

Von den ersten theoretischen Entwürfen der Pioniere wie Hermann Oberth in den 1920er Jahren bis hin zu den heutigen entfaltbaren Primärspiegeln war es ein Weg technologischer Superlative.

Warum wurden Weltraumteleskope entwickelt?

Die primäre Motivation für den Betrieb von Teleskopen im All ist die Überwindung der Erdatmosphäre, die für Astronomen im Wesentlichen ein massives Störsignal darstellt. Sie absorbiert weite Teile des elektromagnetischen Spektrums, insbesondere im UV- und Infrarotbereich, und führt durch thermische Turbulenzen zu Wellenfrontverzerrungen, welche die theoretische Auflösung bodengebundener Optiken limitieren. Während Teleskope auf der Erde oft in hohen Wüstenregionen stationiert werden, um diese Effekte zu minimieren, bietet nur das Vakuum des Weltraums einen völlig ungestörten Blick.
Hinzu kommt die rapide zunehmende Lichtverschmutzung durch Satelliten: Aktuell befinden sich über 8.000 aktive Satelliten im Orbit, doch Planungen sehen eine Steigerung auf über eine halbe Million Objekte vor. Dies führt nicht nur bei erdgebundenen Aufnahmen zu störenden Lichtstreifen, sondern betrifft zunehmend auch Weltraumteleskope in niedrigen Erdumlaufbahnen (LEO). Simulationen zeigen, dass in wenigen Jahren bis zu 96 Prozent der Aufnahmen bestimmter Teleskope durch diese Strahlung beeinträchtigt sein könnten.

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Bereits 1946 schlug der US-Astrophysiker Lyman Spitzer in einem Aufsatz vor, ein großes Teleskop ins All zu schicken, um die störende Erdatmosphäre zu umgehen. Er gilt als der geistige Vater des Hubble-Weltraumteleskops. 

Wie funktionieren Weltraumteleskope eigentlich?

Weltraumteleskope umkreisen die Erde oder andere Planeten außerhalb der Atmosphäre, um ungestört von Luftunruhe, Wetter oder Lichtverschmutzung zu beobachten. Sie nutzen meist große, gekrümmte Hauptspiegel, um elektromagnetische Strahlung (sichtbares Licht, Infrarot, Röntgenstrahlung) zu sammeln, auf Sensoren zu bündeln und hochauflösende digitale Bilder zu erzeugen.
Die wichtigsten Komponenten sind: 

  • Teleskopoptik: Spiegel/Linsen sammeln und fokussieren das Licht. 
  • Detektoren: Wandeln Licht in digitale Messdaten (Pixel/Counts) um.
  • .Instrumente: Kamera und ggf. Spektrograph erzeugen Bilder und Spektren.
  • Blenden/Abdeckungen: Unterdrücken Streulicht und schützen die Optik.
  • Struktur/Gehäuse: Hält alles präzise ausgerichtet und widersteht Start/Alltag im All.
  • Thermalkontrolle/Kühlung: Hält Temperaturen stabil (Sonnenschild, Radiatoren, Heizungen/Kühler).
  • Lage- und Ausrichtungssystem: Richtet das Teleskop exakt auf das Ziel (Sensoren + Räder/kleine Triebwerke).
  • Energieversorgung: Solarpaneele und Batterien.
  • Bordcomputer und Datenspeicher: Steuern, verarbeiten und speichern die Messdaten.
  • Kommunikation: Antennen und Funk/Laserlink zur Übertragung zur Erde.
  • Antrieb: Für Bahnkorrekturen und Reaktionsrad-Entsättigung.

Frühe Meilensteine und das Erbe von Hubble

Die Geburtsstunde der modernen Technologie war das Orbiting Astronomical Observatory (OAO-2) im Jahr 1968, welches bewies, dass UV-Spektroskopie außerhalb der Atmosphäre möglich ist. Doch erst das Hubble-Weltraumteleskop (HST), 1990 gestartet, definierte den Standard für optische Konstruktionsprinzipien im All. Das HST nutzt eine Ritchey-Chrétien-Optik mit einem 2,4-Meter-Primärspiegel.
Hubble lieferte eine der wichtigsten „Lessons Learned“ der Raumfahrtgeschichte: Die fatale Auswirkung einer sphärischen Aberration. Ein Schleiffehler von nur 2,2 Mikrometern am Rand des Hauptspiegels sorgte für unscharfe Bilder. Die Rettung war ein Meisterstück der Serviceability: Da Hubble für Wartungsmissionen im LEO ausgelegt war, konnte das Korrektursystem COSTAR im Orbit nachinstalliert werden. Diese Fähigkeit, Instrumente und mechanische Komponenten wie Gyroskope oder Batterien im All zu tauschen, verlängerte die Lebensdauer von Hubble bis heute auf über 30 Jahre.

Was dann kam

Während Hubble ein Allround-Instrument ist, spezialisierten sich nachfolgende Missionen auf spezifische ingenieurtechnische Aufgabenstellungenm zum Beispiel:

  • Hipparcos (1989): Pionier der Astrometrie, vermaß über 100.000 Sterne mit höchster Präzision.
  • Gaia (seit 2014): Dieses Teleskop nutzt eine gigantische Milliarden-Pixel-Kamera, um eine dreidimensionale Karte der Milchstraße zu erstellen und verarbeitet dabei Datenströme, die höchste Anforderungen an die On-Board-Elektronik und Datenkompression stellen.
  • Euclid (seit 2023): Euclid zielt auf die Erforschung der Dunklen Materie und Dunklen Energie ab. Die Herausforderung liegt hier in der extremen optischen Stabilität über ein sehr großes Sichtfeld, um die schwachen Verzerrungen ferner Galaxien durch den Gravitationslinseneffekt zu messen.

Das James Webb Space Telescope: Das neue Paradigma

Das 2021 gestartete James Webb Space Telescope (JWST) stellt den aktuellen technologischen Gipfel dar. Da ein 6,5-Meter-Spiegel nicht in die Nutzlastverkleidung herkömmlicher Raketen passt, mussten Ingenieure eine segmentierte Spiegelarchitektur entwickeln. 

  • Segmentierter Primärspiegel: Besteht aus 18 hexagonalen Segmenten aus Beryllium, die zusammen einen Durchmesser von 6,5 Metern ergeben.Goldbeschichtung: Die Spiegel sind mit einer hauchdünnen Goldschicht überzogen, da Gold Infrarotlicht (Wärmestrahlung) besonders effizient reflektiert.
  • Das JWST operiert am Lagrange-Punkt L2, 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. An diesem Punkt halten sich die Gravitationskräfte von Erde und Sonne die Waage, was eine stabile Positionierung ermöglicht. 
  • Die größte mechatronische Herausforderung war die Entfaltung des tennisplatzgroßen, fünfschichtigen Sonnenschilds aus Kapton. Dieser schirmt das Teleskop so effektiv von der Wärmestrahlung der Sonne und Erde ab, dass auf der kalten Seite Temperaturen von unter -230 °C erreicht werden, während die warme Seite über 80 °C heiß wird.
Das James-Webb-Teleskop kann Licht von vor 13,5 Milliarden Jahren einfangen und bietet einen deutlich größeren Spiegel sowie fortschrittliche Technologie, ist jedoch nicht direkt wartungsfähig und um ein Vielfaches teurer als Hubble.

Quelle: Statista

Zukünftige Architekturen: Roman, Plato und Origami-Optiken

Die nächste Generation wie das Nancy Grace Roman Teleskop (geplant für 2026) wird ein Gesichtsfeld besitzen, das 100-mal größer als das von Hubble ist, was völlig neue Anforderungen an die Detektorauslesegeschwindigkeit stellt. Die ESA plant mit PLATO einen Verbund aus 26 Kameras, um Redundanz und ein extrem breites Sichtfeld für die Exoplanetensuche zu kombinieren.
Konstruktiv wird über den Einsatz der japanischen Origami-Falttechnik nachgedacht, um noch größere Strukturen kostengünstig in den Orbit zu befördern. Fernziel sind weltraumgestützte Gravitationswellenobservatorien oder Formationen aus physikalisch nicht verbundenen Raumfahrzeugen, bei denen eine Fresnel-Linse in großem Abstand vor dem Instrumentenraumschiff fliegt, um extrem lange Brennweiten zu realisieren.

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