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Technik kurz erklärt Die Entwicklung der Taschenuhr

| Autor: Katharina Juschkat

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Die Taschenuhr.

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Taschenuhren waren die erste Möglichkeit, auch unterwegs und unabhängig von Turmuhren die Zeit zu messen.
Taschenuhren waren die erste Möglichkeit, auch unterwegs und unabhängig von Turmuhren die Zeit zu messen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Taschenuhren sind Uhren, die meist an einer Kette in der Hosen- oder Jackentasche getragen werden. Heute sind Taschenuhren ein seltener Anblick, nach dem Ende des ersten Weltkriegs wurden sie zunehmend von bis heute gebräuchlichen Armbanduhren abgelöst.

Uhren mit Federn statt Gewichten antreiben

Mechanische Uhren waren vor der Erfindung der Taschenuhr riesig und häufig in Kirch- und Rathaustürmen zu finden. Schwere Gewichte setzten das System in Gang, was es in dieser Art unmöglich machte, die Uhren zu verkleinern. Erst die Erfindung der Zugfeder machte es möglich, die Technik zu verkleinern und damit immer einen Zeitmesser bei sich zu tragen – und nicht bloß in Städten die korrekte Zeit an der Turmuhr ablesen zu können.

Die Idee, Uhren zu verkleinern und statt mit Gewichen mit gespannten Federn anzutreiben, stammt vermutlich schon aus dem 14. Jahrhundert, war jedoch lange mit dem Problem verbunden, dass die frisch aufgezogene Feder sehr viel Kraft besitzt, die dann linear abnimmt. Um eine Taschenuhr mit Feder gleichmäßig zu betreiben, waren weitere technische Neuerungen vonnöten.

Wer erfand die Taschenuhr?

Als Erfinder der Taschenuhr galt lange Zeit der Nürnberger Feinmechaniker Peter Henlein, der mechanische Uhren reparierte und herstellte. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg wurde eine Taschenuhr von ihm als die erste Taschenuhr ausgestellt – doch mittlerweile gibt es Zweifel darüber, ob es sich wirklich um die erste Taschenuhr handelt.

Eine Dosenuhr, die sogenannte Henlein-Uhr, im Germanischen Nationalmuseum. Lange Zeit galt sie als die erste Taschenuhr.
Eine Dosenuhr, die sogenannte Henlein-Uhr, im Germanischen Nationalmuseum. Lange Zeit galt sie als die erste Taschenuhr.
(Bild: Kарманные_часы_Хенляйна / Kарманные_часы_Хенляйна / Витольд Муратов / CC BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0)

Tatsache aber ist, dass Henlein dafür bekannt war, Uhren in kleine sogenannte Bisamäpfel einzubauen. Ein Bisamapfel war ein tragbares, meist rundes kleines Behältnis, in dem Duftzubereitungen wie Ambra oder Moschus getragen wurden. Henlein war wahrscheinlich nicht der Erfinder der Taschenuhr, doch sein Uhrhandwerk war sehr begehrt und er hat die Entwicklung der Taschenuhr entscheidend vorangetrieben und verbessert.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es zunehmend Mode, die Uhr an einem Band um den Arm zu tragen – die Armbanduhr begann sich durchzusetzen. Das hatte auch zahlreiche praktische Gründe, und mehr und mehr wurde aus einem Schmuckstück ein praktischer und unverzichtbarer Alltagsgegenstand. Nötig für die weitere Verbreitung der Armbanduhr waren jedoch auch entscheidende technische Fortschritte – die Uhren wurden unempfindlicher, stoßsicherer, wasserdicht. Und schließlich lösten Quarzuhren, elektromechansiche und vollelektrische Uhren, die klassische mechanische Uhr ab.

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group