Stromversorgung Die DC-Technologie intensiv vorantreiben

Quelle: Weidmüller 4 min Lesedauer

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In der Industrie ist das Potenzial groß, Energie einzusparen. Die Energieversorgung mit Gleichstrom bietet hier eine Möglichkeit. Weidmüller treibt die Entwicklung dieser zukunftsfähigen Technologie voran.

Weidmüller-Auszubildende haben gemeinsam mit Auszubildenden der Firmen KEB Automation und Lenze innerhalb von drei Wochen eine konventionelle Standbohrmaschine für ein DC-Netz umgerüstet.(Bild:  Weidmüller)
Weidmüller-Auszubildende haben gemeinsam mit Auszubildenden der Firmen KEB Automation und Lenze innerhalb von drei Wochen eine konventionelle Standbohrmaschine für ein DC-Netz umgerüstet.
(Bild: Weidmüller)

An welchen Technologien, die zur Reduzierung des Energieverbrauchs beitragen, arbeitet Weidmüller konkret?

Olaf Grünberg: In der Industrie wird enorm viel Energie benötigt. Viele Geräte und Maschinen laufen dabei mit Gleichstrom bzw. Direct Current (DC). Die Versorgung und der Transport erfolgen allerdings mithilfe von Wechselstrom bzw. Alternating Current (AC). Beim Umwandeln von Wechsel- auf Gleichstrom verursachen die Gleichrichter hohe Energieverluste. Das ist weder effizient noch nachhaltig. Wir verfolgen das Ziel, die DC-Technologie intensiv voranzutreiben. Die Energieversorgung von Industrieanlagen, die mit Gleichspannung arbeiten, soll künftig direkt mit Gleichstrom erfolgen. Das schont Ressourcen und spart Energie ein. Dafür haben wir bereits DC-versorgte Netzteile und DC-taugliche Verbindungstechnik, wie z. B. Steckverbinder, in unserem Portfolio.

Olaf Grünberg Olaf Grünberg ist Technologieentwickler bei Weidmüller und Chair der Working Group: Use Cases in der Open Direct Current Alliance (ODCA).(Bild:  Weidmüller)
Olaf Grünberg Olaf Grünberg ist Technologieentwickler bei Weidmüller und Chair der Working Group: Use Cases in der Open Direct Current Alliance (ODCA).
(Bild: Weidmüller)

Über welche Größen sprechen wir denn beim Einsparpotenzial?

Grünberg: Mithilfe zentraler Energiewandlersysteme können Umwandlungs- und Transportverluste effektiv um bis zu zehn Prozent reduziert werden. Auch der Bedarf an Kupfer in den Leitungen lässt sich bei der Umstellung auf ein DC-Netz um etwa die Hälfte einsparen. Ein weiterer Vorteil bei der Etablierung eines DC-Netzes ist es, dass Energie, die normalerweise verloren geht, aufgefangen und in das Netz zurückgespeist werden kann. Weiterhin ist die Netzstabilität bei einem Gleichstrom-Netz durch unterschiedliche Speichertechnologien deutlich höher als bei einem AC-Netz, wodurch Produktionsausfälle und Spitzenlasten reduziert werden.

Sie haben bereits einige Vorteile der DC-Technologie genannt. Wie schätzen Sie diesbezüglich das Zukunftspotenzial ein?

Grünberg: In der Gleichstrom-Technologie liegt die Zukunft. Wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen und die DC-Technologie großflächig etabliert bekommen, profitiert nicht nur unsere Branche davon. Sie ist vor allem auch ein wichtiger Beitrag zur Energiewende. Das Gleichstromnetz spart nicht nur Energie ein. Auch die Integration erneuerbarer Energiequellen ist einfacher, da diese bereits intern mit Gleichspannung arbeiten. Dies begünstigt, dass Industrieanlagen künftig vermehrt ihren Strom z. B. über Photovoltaikanlagen, die sich auf dem Gelände der Industriebetriebe befinden, beziehen.

Die Etablierung der Gleichstrom-Technologie kann allerdings kein Unternehmen allein bewerkstelligen. Hier ist ein Zusammenschluss, bestehend aus führenden Technologieunternehmen, Forschungsinstitutionen und Verbänden, gefordert, der gemeinsam an dem Gelingen arbeitet. Eine solche Arbeitsgemeinschaft haben der ZVEI und 33 Unternehmen aus Industrie, Hochschule und Forschung, darunter auch Weidmüller, im letzten Jahr mit der Open Direct Current Alliance (ODCA) geschaffen. Seitdem schließen sich kontinuierlich neue Mitglieder der Allianz an.

Wie beteiligt sich Weidmüller an der ODCA?

Grünberg: Weidmüller ist Gründungsmitglied der ODCA (odca.zvei.org). Als solches engagieren wir uns im Board und den Working Groups. Die Allianz ist die direkte Fortsetzung von DC-Industrie 2, einem Forschungsprojekt, das die Vorteile des Gleichstroms bereits nachweisen konnte. Unser gemeinsames Ziel in der ODCA ist es, ein Gleichstromökosystem flächendeckend zu etablieren. Wir sehen in der Initiative das große Potential, die globale elektrische Energieversorgung verbessern zu können. Um diesen zukunftsfähigen Weg zusammen zu gestalten, bringt Weidmüller sein langjähriges elektrotechnisches Know-how ein. Durch das Engagement der ODCA-Mitglieder wird Aufmerksamkeit für die Gleichstrom-Technologie generiert. Das ist wichtig, denn je größer der Markt für die Technologie ist, desto eher ist sie kosteneffizient. Daher setzen wir uns in der ODCA auch dafür ein, die Internationalisierung voranzutreiben und über die DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) die nötigen Standards einzuführen.

Mithilfe zentraler Energiewandlersysteme können Umwandlungs- und Transportverluste effektiv um bis zu zehn Prozent reduziert werden.

Olaf Grünberg, Weidmüller

Wie setzt Weidmüller die Erkenntnisse aus dem ODCA-Projekt in die Praxis um?

Grünberg: Uns ist wichtig, dass wir die Erkenntnisse aus dem Projekt sowie unsere entwickelten Produktlösungen auch zukünftig in unsere Gebäudeinfrastruktur einbringen können. Dafür werden wir bei Weidmüller in den kommenden Jahren ein eigenes DC-Fabriknetz etablieren und einen großen Teil unserer Anlagen in das Gleichstrom-Fabriknetz im Gebäude der Weidmüller-Akademie überführen. Bereits heute leisten wir dafür die notwendige Vorarbeit. Auch Auszubildende und Studierende unseres Unternehmens und weiterer Firmen haben bereits an einem DC-Gemeinschaftsprojekt gearbeitet.

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Können Sie etwas mehr zu diesem Projekt erzählen?

Grünberg: Die Weidmüller-Auszubildenden haben gemeinsam mit den Auszubildenden der Firmen KEB Automation und Lenze innerhalb von drei Wochen eine konventionelle Standbohrmaschine für ein DC-Netz umgerüstet. Zuvor hat die fünfköpfige Gruppe gemeinsam Zielsetzungen erarbeitet, um die Planung und den Umbau in Angriff zu nehmen. Unterstützung erhielten sie dabei von den jeweiligen Fachabteilungen. Die Auszubildenden wurden an das Technologiefeld DC-Netze herangeführt. Zudem bot es die Möglichkeit, die Entwicklung der Energieversorgung mitzugestalten. Die Auszubildenden konnten Erfahrungen sammeln, von Experten lernen und haben gemeinsam schwierige Herausforderungen gemeistert. Davon profitieren sie auch über das Projekt hinaus.

Sie engagieren sich auch im Projekt DCI 4 Charge. Welche Aufgaben übernimmt Weidmüller dabei?

Grünberg: Im Verbundprojekt DCI 4 Charge, das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird, haben wir uns mit fünf Projektpartnern sowie assoziierten Partnern zusammengeschlossen. Wir wollen anwendungsorientiert erforschen, wie die Vorteile und die Spezifikation eines DC-Netzes beim Laden von Elektrofahrzeugen synergetisch genutzt werden können. Gleichzeitig befassen wir damit, wie die DC-Ladesysteme der E-Fahrzeuge durch bidirektionalen Energieaustausch für weitere Anwendungen bereit gemacht werden können. Ziel ist es, Lösungen für Ladeparks zu entwickeln, um den industrienahen Hochlauf der Elektromobilität an DC-Netzen zu beschleunigen. Weidmüller fokussiert sich im Projekt unter anderem auf die Analyse der DC/DC-Ladetechnik und die Integration eigener Ladesysteme in die Modellanwendungen.

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