Konstruktion

Die Daniel Düsentriebe des deutschen Maschinenbaus

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Das stellt hohe Anforderungen an die Ingenieure. Über welche Fertigkeiten und Fähigkeiten sollte der ideale Konstrukteur also verfügen? „Konstrukteure sind heute Universalisten“, meint Christoph Leifer, „sie müssen ganzheitlich auf die Aufgabe schauen.“ Neben dem sicheren Umgang mit den verschiedenen digitalen Werkzeugen, Kenntnissen über industriespezifische Prozesse, vor allem Werkstoffe und Fertigungsverfahren, ist außerdem ein disziplinübergreifendes Verständnis notwendig, zählt Peter Scheller auf. „Das beste Beispiel hierfür ist der Mechatroniker, der ein Gesamtverständnis für mechanische und elektrische Vorgänge haben muss“, macht der Marketing Director NX, Siemens PLM Software, deutlich.

System-Engineering und Industrie 4.0

Die Umsetzung des mechatronischen Ansatzes hält Dieter Moll vom VDI inzwischen für eine Selbstverständlichkeit: „Den Konstrukteur für rein mechanische Lösungen gibt es ja kaum noch. Er hat jedenfalls keine Zukunft mehr.“ Anders beim System-Engineering. Das sei ein „fast schon aus der Mode gekommenes Schlagwort“ für einen vernetzten und in seinen Phasen überlappend parallel laufenden, sehr effektiven Produktentwicklungsprozess. „Der einzelne Konstrukteur kann diesen Prozess kaum beeinflussen“, erklärt Moll. „Das ist eine strategische Herausforderung für das gesamte Unternehmen.“

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Aktualität gewinnt das System-Engineering wieder durch den „Medienrummel“ rund um das Thema Industrie 4.0, meint Stefan Beermann von Kisssoft. „Im Kern steckt hinter dem Internet of Things die alte Sehnsucht nach der vollständig vernetzten Welt“, meint Beermann, „bei Industrie 4.0 geht es durchaus um sinnvolle Schritte auf dem Weg zu einer modernen Fertigung.“ Gut, so der Geschäftsführer, dass damit wieder ein wenig Bewegung in den ständig notwendigen Wandel der deutschen Fertigungslandschaft käme.

Ohne die Bereitschaft zur Interdisziplinarität und Kenntnissen in der Mechatronik – sowie System-Engineering als unternehmerischer Aufgabe – geht es also heute in der Konstruktion nicht mehr, sie sind ebenso gefragt wie Spezialkenntnisse der Mechanik. „Das ist Voraussetzung, um Synergien von Elektronik und Elektromechanik effizient nutzen zu können“, berichtet Christoph Leifer aus der Praxis. „Bei uns in der Industrieautomatisierung gibt es quasi keine Mechanik ohne Elektronik und umgekehrt. Der Grad der Verzahnung wird auch zukünftig noch weiter an Bedeutung gewinnen.“

Dem pflichtet auch Walter Lang von Wittenstein bei. Erfolgreiche Produkte lassen sich nur entwickeln, wenn die Kompetenzen aller am Entwicklungsprozess Beteiligten genutzt werden und so ein optimales, ganzheitliches System konstruiert werden kann. „Das Vereinen aller Kompetenzen innerhalb der Mechatronik auf einen Konstrukteur ist nahezu unmöglich“, weiß der Leiter Technologievorentwicklung aber. Im optimalen Fall fließt daher in interdisziplinären Teams das Wissen einzelner Spezialisten in die Entwicklung ein.

Zu der langen Liste an wünschenswerten Fähigkeiten und Kenntnissen von Konstrukteuren kommen dann noch die Softskills wie Neugier, Kreativität, Teamfähigkeit und der Bezug zur Praxis hinzu. Gleichzeitig ist aber auch analytisches Denken und die Fähigkeit zur strukturierten Lösungsfindung aus Anwendersicht gefragt. Außerdem verlangt der Job akkurates Arbeiten bei der Einhaltung von Normen, Richtlinien und Prozessvorgaben. Und dann bitte noch ein Schuss Begeisterung – schließlich soll die Arbeit ja Spaß machen.

Gefragt ist der Blick über den Tellerand

Dabei haben viele Unternehmen schon heute Schwierigkeiten ihren Bedarf an qualifizierten Konstrukteuren zu decken, ein Umstand, der sich sogar verschärfen wird. Mit dem Ziel, konkrete Handlungsempfehlungen für die Neuausrichtung der akademischen Ausbildung und des Berufsbilds von Konstrukteuren zu erarbeiten, ist 2012 die Achatech-Studie „Faszination Konstruktion – Berufsbild und Tätigkeitsfeld im Wandel“ (Herausgeber: Prof. Albert Albers, IPEK, Prof. Berend Denkena, IFW, Hannover und Prof. Sven Matthiesen, IPEK) erschienen. Das Fazit der Studie deckt sich weitgehend mit der Einschätzung der von der Redaktion befragten Industrievertreter: „Konstrukteure werden auch in Zukunft Entwickler, Treiber und Gestalter neuer mechanischer und mechatronischer Produkte sein, die sich fortwährend mit neuen Materialien, Prozessen und Technologien auseinandersetzen müssen. Sie sind gleichzeitig auch Manager, die Projekte und Produkte selbstständig planen, steuern und kontrollieren und dabei stets auf Qualität, Kosten, aber auch Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit achten. Und sie sind kreative Menschen, die schöpferisch arbeiten. Entscheiden für die Arbeit zukünftiger Konstrukteure ist es jedoch, stets das Ganze im Auge zu behalten.“

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Wer diese Voraussetzungen erfüllt, sollte gewappnet sein für die Trends der Zukunft: für die Herausforderungen neuer Materialien und Werkstoffe, die weitere Vernetzung der Systeme, den noch stärkeren Einsatz der Simulation als Bestandteil der Entwicklung, die Arbeit an und auf mobilen Endgeräten, den Anspruch an die Nachhaltigkeit der entstehenden Produkte und Fertigungsprozesse, die verstärkte Zusammenarbeit im Team und mit den Anwendern und die Nachfrage nach Industrie 4.0-tauglichen Produkten. Es bleibt also viel zu tun für Konstrukteure im Sinne von Produktentwicklern und -managern. Sie haben einen verantwortungsvollen Job, die Daniel Düsentriebe des deutschen Maschinenbaus.

Das verdienen Ingenieure in Deutschland

Die Grafik zeigt den durchschnittlichen Bruttoverdienst von Ingenieuren in Deutschland im Jahr 2010. Am besten verdienen Ingenieure, die bei Unternehmen mit 101 bis 1000 Mitarbeitern beschäftigt sind. Peinlich: Frauen verdienen auch in dieser Berufsgruppe deutlich weniger als Männer. Lesehilfe: Quartil: Über- oder unterhalb dieses Wertes verdienen nur noch 25 % besser oder schlechter. Median: 50 % verdienen mehr und 50 % verdienen weniger.

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