Unternehmen müssen sich heute etwas einfallen lassen, um auch morgen am Markt zu bestehen. Doch besonders mittelständische Betriebe tun sich damit schwer. Das sind die häufigsten Hemmnisse.
Innovation muss auch Platz im täglichen Arbeiten haben – und Kapazitäten.
(Bild: Lauda Dr. R. Wobser GmbH& Co. KG)
Produkte und Dienstleistungen, die sich über Jahrzehnte bewährt haben, werden im Zuge der Digitalisierung immer öfter von innovativen Neuerungen ersetzt. Diese Entwicklung erfordert von mittelständischen Unternehmen ein Umdenken. Denn es gilt: Wer langfristig überleben will, muss sich selbst, eigene Produkte und Prozesse – auch die eigenen Erfolge – immer wieder hinterfragen. Unbehagen muss man aushalten. Doch welche Faktoren erschweren diesen Prozess, hemmen die Innovation, das Umdenken?
1. Angst vor Veränderung und dem Scheitern
Angst ist ein Innovationshemmer. Wer kein Risiko eingeht, der kann auch nicht scheitern. Eine Rechnung, die für Betriebe auf lange Sicht nicht aufgeht. Denn auch, wenn sie hierdurch kurzfristigen Misserfolg vermeiden, überleben Unternehmen ohne Innovation auf lange Sicht nicht. Zukünftiger Erfolg hängt demnach davon ab, ob wir heute bereit dazu sind, Risiken einzugehen.
Soll heißen: Unternehmen müssen mutig sein. In Deutschland haben wir es uns lange Zeit gemütlich gemacht und uns auf unserem vergangenen Erfolg ausgeruht. Jetzt ist der Moment, vom Planungs- in den Aktionsmodus zu wechseln und Neues zu wagen.
2. Keine Fehlerkultur
Fehler sind unangenehm und schmerzen, aber sie sind wichtig für das Entstehen von Innovation und ein Maßstab für Dynamik und Wandel. Damit nachhaltiges Innovationsmanagement in einem Unternehmen wirklich gelingt, bedarf es einer Kultur, die Raum für Fehler lässt. Denn die innovativsten Ideen helfen nicht, wenn die Angst vor Fehlern hemmt. Statt Fehler als etwas Negatives zu bewerten, sollte vielmehr eine positive Auslegung wie Mut zum Risiko im Fokus stehen.
Eine „Kultur des Scheiterns“ ist in Deutschland bis dato noch nicht ausreichend etabliert, wohingegen im amerikanischen Silicon Valley das Motto herrscht: „Fail fast and Fail forward“. Fehler werden hiernach als wichtig erachtet, um Defizite oder Probleme in einem frühen Stadium zu erkennen und rechtzeitig die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Hierbei eignet sich die Anwendung von agilen Arbeitsmethoden. Im Vergleich zur gängigen Wasserfallmethodik, bei der die Produktentwicklung von einer Etappe zur nächsten vorangetrieben wird, ohne zurückzublicken oder nachzujustieren, wird bei agilen Arbeitsmethoden in Teilschritten gearbeitet, um bei Änderungen oder Fehlern das Produkt stetig neu anzupassen oder zu verändern.
Hand in Hand geht dieses Konzept mit einer wertschätzenden Mitarbeiterkultur. Denn wer für Innovationsteams rekrutiert, sucht Menschen und Talente, um die sich auch andere Unternehmen bemühen – nämlich hochqualifizierte, selbstbewusste Akteure. Diese erwarten vertrauensvolle Zusammenarbeit, flache Hierarchien wie eine funktionierende Feedbackkultur und wertschätzenden Umgang.
3. Mangelnde Ressourcen für Innovation
Ein elementarer Innovationshemmer in mittelständischen Unternehmen ist der Mangel an Finanzierungsquellen. Die erste Zeit der Coronakrise verursachte bei vielen Umsatzrückgänge und damit ein Loch in der Budgetplanung. Natürlich muss das Daily Business abgesichert sein, doch oft wird übersehen, dass Innovationen auch eine finanzielle Stütze brauchen. Denn ohne Geld bleibt die Idee oft nur eine Idee. Unternehmen müssen darum bewusst ein Budget für das Ideenmanagement einplanen.
Doch es geht nicht nur ums Geld, auch die Zeit ist entscheidend. Innovation muss nicht nur Teil der Unternehmensstrategie sein, sie muss auch Platz im täglichen Arbeiten haben. Es braucht Kapazitäten für das Ideenmanagement und gezielte Ideenkampagnen.
4. Einseitiger Fokus auf die Gegenwart
Ambidexterity, zu Deutsch Ambidextrie, ist im Englischen ein häufiger Begriff, im Deutschen ist er weniger geläufig. Es bedeutet so viel wie Beidhändigkeit. Viele Unternehmen fokussieren sich allein auf ihr Kerngeschäft und sind nicht in der Lage, über den Tellerrand hinauszublicken. Wer mit beiden Händen gleichzeitig hantiert, erkundet neue Horizonte. Schaffen Sie Gelegenheiten, sich mit Ideen jenseits ihres Kerngeschäfts zu beschäftigen. Das kann, kleingedacht, ein Terminblocker im Kalender sein, in dem sich Führungskräfte auf Entdeckungsreise begeben und nur mit Ideen außerhalb des Kerngeschäfts beschäftigen, oder, größer gedacht, ein Mitarbeiter oder gar eine eigenständige Abteilung, die nichts anderes tun.
5. Fehlende Kundeneinsichten und -perspektiven
Ein weiteres Innovationshemmnis für mittelständische Unternehmen sind die fehlenden Kundeneinsichten und -perspektiven. Es mangelt oft an fehlenden Einsichten in neue Nutzerbedürfnisse. Der Blick auf den Kunden ist dabei produktgetrieben anstatt nutzen- oder bedarfsgerichtet. Durch die vielen Zwischenhändler gibt es zudem in vielen Fällen keine Kenntnisse der Endkunden.
Stand: 08.12.2025
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Nur wer die Bedürfnisse der Kunden kennt und sich in deren Perspektive hineinversetzt, wird passende Lösungen entwickeln. Es geht allerdings nicht darum, jeden Kundenwunsch zu erfüllen. Denn wenn Sie Ihre Kunden nach Ihren Wünschen fragen, werden Sie immer Rufe nach besseren und billigeren Produkten hören. Und das am liebsten in allen möglichen Farben und Größen. Wenn man sich dann auf Durchschnittswerte konzentriert, optimiert man das Produkt für den Durchschnittskunden, den es oft gar nicht gibt.
Mit diesen Tipps kann Innovationsmanagement gelingen:
Seien Sie mutig und treten Sie in Aktion, um Neues zu wagen!
Lassen Sie Fehler zu und betrachten Sie diese als wichtig!
Nutzen Sie agile Arbeitsmethoden!
Planen Sie bewusst Budget für das Ideenmanagement ein!
Schaffen Sie kreative Zeiträume in Ihrem Terminkalender für Ideen jenseits Ihres Kerngeschäfts !
Oder noch besser: Stellen Sie Mitarbeiter ein oder gründen Sie eine eigene Abteilung, die den ganzen Tag nichts anderes tun!
Beziehen Sie Erfahrungswerte von Kunden mit ein!
Fazit
Um als mittelständisches Unternehmen langfristig am Markt zu bestehen, braucht es Innovation. Innovationshemmer wie die Angst vor Veränderung, keine existierende Fehlerkultur, mangelnde Ressourcen, einseitiger Fokus auf die Gegenwart oder fehlende Kundeneinsichten und -perspektiven müssen daher im eigenen Unternehmen zuallererst erkannt werden. Daraufhin können Maßnahmen wie die Nutzung agiler Methoden, mehr Budget für Innovationsmanagement, das Schaffen von kreativen Zeitfenstern etc. ergriffen werden, um diese Hemmer langfristig aufzulösen und Innovation im Unternehmen möglich zu machen.
* Dr. Gunther Wobser ist geschäftsführender Gesellschafter der Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG in 97922 Lauda-Königshofen, Tel: +49 9343 503-0, gunther.wobser@lauda.de, www.lauda.de