David Cleaves spricht in seinem Kommentar über den Stand der Technik autonom fahrender Autos, die Herausforderungen, die es bei der Entwicklung gibt, und welche Bedeutung die KI-gestützte Kommunikation dabei hat.
Bis zum völlig autonomen Fahren ist es (mindestens) noch ein langer Weg.
(Bild: metamorworks - stock.adobe.com)
Wie viele andere, bin ich genervt davon, Prognosen darüber zu lesen, wann vollautonome Fahrzeuge (endlich) einsatzbereit sein werden. Elon Musk hat selbstfahrende Autos quasi jährlich in den letzten zehn Jahren versprochen. Seine Prahlerei ist so lächerlich geworden, dass eine Gruppe von Aktionären ihn kürzlich deswegen verklagt hat. Sogar BMW hat, als ich dort arbeitete, die übertrieben ehrgeizige Behauptung aufgestellt, sie könnten bis 2021 ein selbstfahrendes Auto auf den Markt bringen.
David Cleaves, Head of Creative bei Argodesign, München: „Es gibt viele Bereiche, in denen das Design das teilautonome Fahren verbessern kann, aber es gibt zwei, die mich im Moment besonders interessieren – KI-gestützte Kommunikation und neue Fahr-Superkräfte.“
(Bild: Argodesign)
Ich erinnere mich noch lebhaft an einen Streit, den ich 2016 mit dem CMO eines deutsch-chinesischen Auto-Start-ups hatte. Damals leitete ich das Kreativteam von Frogdesign in München, und wir präsentierten unser Angebot, sein neues Infotainmentsystem zu entwerfen. Der CMO, eine erfahrene Führungskraft in der deutschen Autoindustrie, bestand darauf, dass die Autos seines Unternehmens zwei Jahre später, im Jahr 2018, vollständig selbstfahrend sein würden. Ich war verblüfft und konnte mir nicht verkneifen, zu sagen: „Nein, das ist nicht möglich". Verärgert erwiderte er: „Doch, es ist möglich." Ich antwortete: „Seien wir doch mal ehrlich. Damit wir Ihnen wirklich helfen können, müssen wir von Anfang an ehrlich zueinander sein.“ So war das Treffen beendet, und wir verloren den Pitch.
David Cleaves
David Cleaves verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Bereich User Experience Design und hat für namhafte Unternehmen in der Automobilbranche gearbeitet. Er meint: „Die Integration von Chat-GPT in die Sprachsteuerung bei Mercedes-Benz ist ein wichtiger Schritt, um das Fahrerlebnis zu verbessern. Es ist jedoch entscheidend, dass die Technologie nahtlos und intuitiv funktioniert, ohne die Aufmerksamkeit des Fahrenden abzulenken oder die Sicherheit zu beeinträchtigen. Das User Experience Design spielt hier eine zentrale Rolle, um eine klare und verständliche Kommunikation zwischen Mensch und Maschine sicherzustellen. Multimodale Interaktion, die verschiedene Eingabemöglichkeiten wie Gestensteuerung oder Touchscreen kombiniert, könnte zusätzliche Flexibilität bieten.”
Selbstfahrendes Auto Jahrzehnte entfernt
Heute hört man von Experten, dass das selbstfahrende Auto noch Jahrzehnte entfernt ist. Der CEO von BYD in China behauptete kürzlich, die Herausforderung sei „im Grunde unmöglich“. Diese negative Sichtweise, wie auch der extreme Optimismus von vor fünf Jahren, geht zu weit. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Seriöse Unternehmen entwickeln immer bessere Technologien für das autonome Fahren. Vollständig selbstfahrende Autos werden kommen, aber langsam. Meine Frage als Designer ist daher, wie man am besten für die dazwischen liegenden Jahre (oder Jahrzehnte) der schrittweisen Autonomie plant und gestaltet. Wir haben Jahre damit verbracht, vollautonome Konzepte mit schwenkbaren Vordersitzen und „Wohnzimmer-Feeling“ zu entwerfen. Wie sieht es mit der realistischen mittleren Zukunft aus, in der die Autos immer autonomer werden, wir aber immer noch beim Fahren helfen sollen? Wie können wir diese Autos so gestalten, dass sie sowohl benutzerfreundlicher als auch spannender zu fahren sind?
Wo stehen wir heute?
Zunächst ein kurzer Überblick darüber, wo wir heute stehen:
Auf der Skala vom vollständig menschlichen bis zum vollautomatisierten Fahren gibt es sechs Stufen (nach der Definition der Society for Automotive Engineers) von Stufe 0 (vollständige menschliche Kontrolle) bis Stufe 5 (vollständig autonom, kein Lenkrad erforderlich).
Die fortschrittlichsten Systeme wie der Autopilot von Tesla oder Super Cruise von GM befinden sich heute am oberen Ende der Stufe 2. Das Fahrzeug kann wichtige Funktionen wie Beschleunigen, Spurhalten und Bremsen übernehmen, der Fahrer ist aber immer noch für das Fahrverhalten des Fahrzeugs verantwortlich (und haftbar).
In diesem Jahr erhielt Mercedes in Nevada und Kalifornien die erste Genehmigung für ein System der Stufe 3, das es Fahrern der neuen S-Klasse ermöglicht, sich unter bestimmten Bedingungen abzuschalten, z. B. bei niedrigen Geschwindigkeiten, auf vorab kartierten Autobahnen, bei Tageslicht und an trockenen Tagen. Entscheidend ist, dass Mercedes unter diesen Bedingungen auch die Haftung für Unfälle übernimmt.
Sobald die Grenzwerte (insbesondere die niedrige Geschwindigkeitsbegrenzung von 65 km/h) gelockert werden, werden weitere Marken diesem Beispiel folgen und mehr Kunden diese Level-3-Fahrzeuge kaufen.
Es gibt viele Bereiche, in denen das Design das teilautonome Fahren verbessern kann, aber es gibt zwei, die mich im Moment besonders interessieren:
1. KI-gestützte Auto-/Fahrer-Kommunikation und
2. neue Fahr-Superkräfte für diejenigen, die das Fahren lieben.
KI-gestützte Kommunikation
Da das Auto immer intelligenter wird, wird es fast zu einer Figur im Leben des Fahrers. Für Designer ist es kein schlechter Ansatz, sich vorzustellen, dass das Auto ein ständiges „Gespräch“ mit dem Fahrer führt. Die Integration von KI-Sprachmodellen wie Chat GPT in das Auto kann Fahrern helfen, die Funktionen ihres Autos auf natürliche Weise zu verstehen und zu steuern. Und dabei wird es auf komplexe Bildschirmmenüs verzichten. In Konversationen mit der KI könnten Fragen nach der ökologischsten Route oder dem besten Restaurant fürs Mittagessen beantwortet werden. Damit das gut funktioniert, müssen die Interaktionen so entwickelt werden, dass sie „zustandsorientiert" sind (d. h. das System merkt sich frühere Fragen und Antworten) und im Hintergrund so viele Fahrt- und Fahrzeugdaten wie möglich erfassen. Wenn der Fahrer sich beschwert: „Mir ist immer noch kalt“, muss die KI diese Aussage im Hintergrund mit anderen Daten wie der Innentemperatur, den Einstellungen der Klimaanlage, den Einstellungen der Sitzheizung sowie früheren Fragen und Antworten verknüpfen, damit die Reaktion sinnvoll ausfällt.
Auch ein verstärkter Einsatz von Haptik und Geräuschen wird Teil des Fahrerlebnisses. Elemente wie Vibrationen im Lenkrad und den Sitzen sowie ein logisches, nicht-störendes System der akustischen Kommunikation helfen den Fahrern, zu erkennen, wenn sie z. B. die Kontrolle über das selbstfahrende System wieder übernehmen müssen. Diese Übergänge können plötzlich eintreten, und wenn sie schlecht kommuniziert werden – zu subtil oder in letzter Sekunde – sind das die Momente, in denen die Fahrer das Vertrauen in das Auto verlieren. Daher gilt: je mehr Warnungen, desto besser.
Neue Superkräfte beim Fahren
Wie der neue „Drive Pilot“ der Mercedes-Stufe 3 zielen die meisten teilautonomen Fahrsysteme darauf ab, dass der Fahrer unter „sicheren“ Bedingungen (niedrige Geschwindigkeit, bekannte Autobahnen) abschalten kann. Eine andere Option wäre die Nutzung der Technologien, um schnelleres, aufregenderes Fahren zu ermöglichen.
Flugzeuge von Airbus und Boeing verfügen seit langem über ähnliche Systeme für ihre Piloten, die sie vor dem Überschreiten der physischen Grenzen schützen. Im Auto könnte so ein System komplexe Effekte wie das Abdriften kontrollieren und ein optimales Handling in Kurven ermöglichen. Wir können das Beste aus menschlicher Kontrolle und Risikobereitschaft mit dem Besten aus maschinellem Bewusstsein und Grenzen kombinieren. Das wäre nicht für jeden und nicht für jedes Auto geeignet, aber es würde den Spaß am Fahren zurückbringen, während der stetige Marsch in Richtung vollständig selbstfahrende Autos geht. Autoren wie Alex Roy setzen sich für einen solchen Ansatz ein, und Toyota ist führend bei der Entwicklung von Konzepten in dieser Richtung, wie zuletzt gezeigt bei Demonstrationen von autonomen Drifts in Kalifornien.
Stand: 08.12.2025
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Unsere lange teilautonome Zukunft könnte also das Beste aus beiden Welten beinhalten – starke Leitplanken, die uns sicher machen, aber auch die Offenheit für den Nervenkitzel des Fahrens.