Retrofit Damit eine Großpresse nicht zum alten Eisen gehört

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

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Auch die beste Presse kommt einmal in die Jahre. Dann sollte sie, wie nun am Fraunhofer IWU geschehen, mit hochmoderner Steuerungstechnik, einem neuen Ziehkissen und Technologien des intelligenten Datenmanagements für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht werden.

Neues stationäres Ziehkissen mit acht Hydraulikzylindern: Es ist so ausgelegt, dass beim Werkzeugwechsel keine aufwendigen Umrüstungen an der Presse durchgeführt werden müssen. An der Auslegung des neuen Ziehkissens waren Experten des Fraunhofer IWU maßgeblich beteiligt.(Bild:  Fraunhofer IWU)
Neues stationäres Ziehkissen mit acht Hydraulikzylindern: Es ist so ausgelegt, dass beim Werkzeugwechsel keine aufwendigen Umrüstungen an der Presse durchgeführt werden müssen. An der Auslegung des neuen Ziehkissens waren Experten des Fraunhofer IWU maßgeblich beteiligt.
(Bild: Fraunhofer IWU)

Sie bringen mit tonnenschweren Werkzeugen Blechteile präzise in Form: Großpressen werden beispielsweise bei Automobilherstellern zur Herstellung von Karosseriekomponenten eingesetzt, oft über Jahrzehnte hinweg. Auch wenn ein Modell abgelöst wird, die Presse bleibt: Sie fertigt nach dem Modellwechsel mit neuen Werkzeugen Bauteile für das Nachfolgemodell.

Damit dies auch nach vielen Jahren noch der Fall sein kann, zeigt ein aktuelles Projekt der Fraunhofer IWU: Dank umfangreicher Nachrüstung (engl. Retrofitting) steht eine von der früheren Umformtechnik Erfurt GmbH gemeinsam mit dem Fraunhofer IWU entwickelte hydraulische Großpresse EHP 1600 mit einer Nennpresskraft von 1600 Tonnen nun wieder der Forschung zur Verfügung. Die Presse wird zudem von regionalen Partnern des Chemnitzer Forschungsinstituts in enger Zusammenarbeit mit den IWU-Forschern für komplexe Aufgabenstellungen an Umformwerkzeugen genutzt.

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Mit der Chemnitzer Try-out-Presse können unterschiedliche Pressencharakteristika und damit auch die Performance der Serienpresse flexibel abgebildet werden, was den Aufwand zum Beispiel beim Einarbeitungsprozess von Umformwerkzeugen erheblich reduziert. Dafür erforderliche manuelle Arbeitsschritte wie Tuschieren, Polieren oder Schleifen können nach neuestem Stand der Technik jetzt auch mit Unterstützung von Robotik direkt in der Presse im aufgespannten Zustand erfolgen.

Algorithmen für intelligentes Datenmanagement

Für die Gewinnung von Prozessdaten aus dem Umformprozess direkt an der Wirkstelle und ihre intelligente Nutzung hat das Fraunhofer IWU viel Kompetenz aufgebaut und die eigene Presse nun entsprechend nachgerüstet. Diese Daten sind einerseits für die Zustandsüberwachung (Condition Monitoring) der Presse selbst von großem Interesse: Über die Zustandsdaten der Maschine lässt sich frühzeitig Wartungsbedarf am Werkzeug erkennen. Wartungsarbeiten können vorausschauend geplant und Ersatzteile rechtzeitig beschafft werden.

Buchtipp

Das Fachbuch „Digitaler Retrofit“ hilft Anwendern zu bestimmen, wie umfassend eine Maschine oder Anlage durch den digitalen Retrofit verändert werden soll. Dazu werden vier Integrationsstufen definiert und Umsetzungsstrategien sowie ein praktisches Quick-Check-Tool bereitgestellt. Es folgen Informationen zu Systemintegrierter Sensorik, Datenhandling, Datenanalyse und den rechtlichen Aspekten des digitalen Retrofits. 11 ausgewählte Beispiele aus der Praxis lassen die verschiedenen Facetten des Retrofits greifbar werden.

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Andererseits sind die Daten besonders für die Prozesssteuerung wertvoll. Mit ihrer Hilfe lassen sich beispielsweise qualitätsrelevante, technologische Prozess-Parameter überwachen und aktiv beeinflussen. Zeichnen sich etwa Veränderungen im Werkstoffverhalten oder in der Beölung ab, kann unmittelbar gegengesteuert werden, um dennoch gleichbleibende Qualität zu gewährleisten.

Prozess- und Qualitätsüberwachung

Durch dezentrale Sensoren wie dem Smartnotch werden Prozessgrößen ebenfalls erfasst und mittels intelligenten Auswertungsalgorithmen für die Prozess- und Qualitätsüberwachung während des Umformvorganges verwendet – ohne den Umformprozess oder Maschineneigenschaften zu beeinträchtigen. Die kleinen Sensoren können mit einem Handgriff direkt in die T-Nuten von Pressentisch und Pressenstößel installiert werden und sind in unterschiedlichen Baugrößen verfügbar. Somit wird es möglich, an mehreren Stellen direkt an der Schnittstelle zwischen Presse und Werkzeug Informationen inline und robust zu sammeln.

Die Sensoren helfen, auch Werkzeugverschleiß wie Anhaftungen oder Abrieb über die vom Soll-Wert abweichenden Belastungszustände festzustellen. In Verbindung mit einer intelligenten Prozessführung wird es möglich, jedes Bauteil mit einem individuell angepassten Satz von Prozessparametern zu fertigen; kleine Abweichungen „lernt“ die Presse eigenständig auszugleichen.

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