Beschallung der Berliner Bahnhöfe

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Wigbert Glorius / Karl-Ullrich Höltkemeier

Die Hörmann Funkwerk Kölleda wurde von der Deutschen Bahn AG mit der Installation einer zentralen Beschallungsanlage für diverse Berliner Bahnhöfe beauftragt. Der Spezialist für professionelle Kommunikationssysteme setzt Inline Controller vom Typ ILC 350 ETH für die Überwachung der Lautsprecher-Kreise und deren Meldungen ein.

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Seit 1982 liefert Hörmann Funkwerk Kölleda mobile Zugfunkanlagen für Eisenbahnen in ganz Europa. In den 90ziger Jahren entschied sich die Deutsche Bahn AG für die Einführung von GSM-R als neuen Zugfunkstandard. Ziel war es, Abläufe zu automatisieren sowie Komfort und Sicherheit für die Fahrgäste zu erhöhen. 1999 erhielt Hörmann Funkwerk Kölleda den Auftrag, alle Triebfahrzeuge der Deutschen Bahn mit GSM-R-Mobilfunk-

terminals auszurüsten. Neben GSM-R-Geräten und Funksystemen liefert der Geschäftsbereich „Traffic & Control Communication“ der Funkwerk AG, zu dem die Hörmann Funkwerk Kölleda gehört, Betriebszentralen, Betriebsfernmeldeanlagen, Kunden- und Fahrgastinformations- sowie Videoüberwachungssysteme.

Zentrale Beschallung von Berlin Spandau aus

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hatte sich die Deutsche Bahn den Neubau des ehemaligen Lehrter Stadtbahnhofs zum neuen Berliner Hauptbahnhof zur Aufgabe gemacht. Dazu wurde das Ansagezentrum in Berlin–Spandau im Westen Berlins neu errichtet, von dem aus die Lautsprecher-Ansagen der Berliner Bahnhöfe an der Nord–Süd-Verbindung zentral vorgenommen werden können.

„Die Herausforderung des Projekts lag in der Entfernung zwischen diesem Ansagezentrum und den einzelnen Bahnhöfen sowie in der hohen Anzahl der Beschallungsziele“, erinnert sich Thorsten Hebecker von der Hörmann Funkwerk Kölleda (Bild 2). „Allein im neuen Berliner Hauptbahnhof sind mehr als 1000 Lautsprecher installiert.“

Spezielle Lautsprecher-Systeme beschallen dabei nur definierte Bereiche der Bahnsteige, um die Ansagen auf den Nachbargleisen nicht zu beeinträchtigen. Vom Spandauer Ansagezentrum werden die Beschallungssysteme der zentralen Bahnhöfe Potsdamer Platz, Gesundbrunnen, Papestraße und Hauptbahnhof sowie weiterer Stationen in Berlin und Umgebung bedient und überwacht.

Soll eine Ansage erfolgen, muss das Bedienpersonal den betreffenden Bahnhof und das Gleis auswählen - also beispielsweise Berlin Hauptbahnhof, Gleis 16. „Aufgrund der farblichen Darstellung der einzelnen Beschallungsziele sowie der Komponenten der Beschallungssysteme kann der Status der Lautsprecher-Kreise in Echtzeit verfolgt werden“, erläutert Hebecker. „Wenn ein Kreis als frei markiert ist, bewirkt der Mitarbeiter eine Durchschaltung und macht seine Ansage.“

In der Elektroakustischen Lautsprecher-Anlage (ELA) überwachen spezielle Interface-Karten den Zustand des Systems und auf welchem Kreis aktuell gesprochen wird (Bild 3).

Zustände und Sprachausgabe der Beschallungssysteme werden permanent durch entsprechende Baugruppen überwacht. Das jeweilige Interface der Beschallungsanlage meldet den aktuellen Status digital an die Steuerung, einen Inline Controller ILC 350 ETH von Phoenix Contact (Bild 4). Der Controller setzt dann via Ethernet TCP/IP eine Meldung an den Störsammelrechner im Ansagezentrum Berlin Spandau ab. Der Vorteil dieser Lösung liegt in der beidseitigen Überwachung der TCP/IP-Verbindung zwischen Steuerung vor Ort und Stör- sammelrechner. Dieser Rechner leitet die Daten an die Bedien-Arbeitsplätze im Ansagezentrum weiter.

„Auf den jeweiligen Displays werden die Informationen über die erfolgten Ansagen und die Systemzustände dann visualisiert“, so Hebecker. „Das Personal erhält die Bestätigung, dass die getätigte Ansage tatsächlich im 20 km entfernten Bahnhof durchgeführt wurde.“ Ein zusätzlicher Meldungsrechner protokolliert alle Ereignisse für eventuelle Rückfragen oder Beschwerden. Nach einer Ansage geht der Lautsprecher-Kreis in den Ruhezustand. Die entsprechende Statusmeldung wird an den Meldungssammelrechner übertragen und an den Bedien-Arbeitsplätzen angezeigt.

Die Freischaltung der Lautsprecher erfolgt über eine Dikos-Anlage der Hörmann Funkwerk Kölleda. Dikos steht dabei für digitales Kommunikationssystem. Bei der Ansage kann der Bediener an seinem Arbeitsplatz zwischen echten, von ihm gesprochenen Ansagen und gespeicherten Festtexten wählen.

In den lokalen Beschallungssystemen wird die Impedanz der Lautsprecher-Kreise überwacht. Sie gibt Auskunft darüber, ob der Kreis funktionsfähig ist. Der jeweilige Status wird dann an den ILC 350 ETH gemeldet. Verändert sich der Status, erzeugt der Inline Controller eine Meldung.

Hebecker: „Das Signal wird via Ethernet TCP/IP an den Meldungssammelrechner gesendet, der die Information allen Bedien-Arbeitsplätzen zur Verfügung stellt.“ Der besondere Vorteil dieser Lösung liegt darin, dass die TCP/IP-Protokolle Ereignis-orientiert über das Ethernet-Netzwerk der Deutschen Bahn übertragen werden. Die Leitungen werden also nicht mit unnötigem Datenverkehr belastet.

Würde eine Steuerung eingesetzt, die nicht Ereignisorientiert arbeitet, hätten zusätzliche Ethernet-Leitungen von jedem Bahnhof in das Ansagezentrum verlegt werden müssen. Diese Aufwände wurden durch den Einsatz einer ILC 350 ETH eingespart.

„Da der Inline Controller eine Protokoll-offene TCP/IP-Kommunikation bietet, kann er an verschiedene Betriebssysteme angekoppelt werden“, so Thorsten Hebecker. „Für die Hörmann Funkwerk Kölleda war dies ein wichtiges Entscheidungskriterium, denn die Sammelrechner arbeiten seit Jahren zuverlässig mit dem Betriebs-system Linux.“

Die Fertigstellung des neuen Lehrter Stadtbahnhofs war eine echte Herausforderung – die Installation der Beschallungsanlage wurde nach Auftragserteilung durch die Deutsche Bahn kurzfristig von der Hörmann Funkwerk Kölleda realisiert. „Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit einem verlässlichen Partner wie Phoenix Contact haben wir das umfangreiche Projekt trotzdem zeitgerecht und vor allem kostengünstig umgesetzt“, stellt Thorsten Hebecker fest. „Von der Auftragserteilung bis zur Übergabe der Anlage sind gerade einmal vier Monate vergangen.“

Phoenix Contact

Tel. +49(0)5235 300

Dipl.-Ing. Wigbert Glorius, Systemverkäufer in der Business Unit Automation Systems der Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg

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