Mondmission Artemis II startet mit deutscher und europäischer Technologie 

Quelle: DLR 6 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Mit der NASA-Mission Artemis II brechen erstmals nach fast 55 Jahren wieder Menschen Richtung Mond auf. Nach Verzögerungen öffnet sich nun das Startfenster für Artemis II erneut. Aktuell geplant ist der Launch für den 2. April 2026 ab 0:24 Uhr MESZ. An Bord ist auch deutsche und europäische Technologie. 

Artemis II am Startkomplex 39B des Kennedy Space Centers:  Das Bild zeigt den Startkomplex 39B des Kennedy Space Centers der NASA im US-amerikanischen Florida, nachdem die SLS-Rakete (Space Launch System) der Mission Artemis II mit dem Orion-Raumschiff an der Spitze zur Startrampe verbracht wurde. (Bild:  NASA / Bill Ingalls)
Artemis II am Startkomplex 39B des Kennedy Space Centers: Das Bild zeigt den Startkomplex 39B des Kennedy Space Centers der NASA im US-amerikanischen Florida, nachdem die SLS-Rakete (Space Launch System) der Mission Artemis II mit dem Orion-Raumschiff an der Spitze zur Startrampe verbracht wurde.
(Bild: NASA / Bill Ingalls)

Geplant ist, dass die Crew des Orion-Raumschiffs mit einer vierköpfigen Besatzung den Erdtrabanten umrundet und nach zehn Tagen zur Erde zurückkehrt. Deutschland und Europa sind gleich mit mehreren Komponenten und Technologien an Bord: 

  • Vier Strahlungsdetektoren M-42 EXT (extended) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) werden erneut die Weltraumstrahlung zwischen Erde und Mond messen – dieses Mal in einer noch genaueren Auflösung als beim Artemis-I-Flug Ende 2022.
  • Das Europäische Servicemodul, kurz ESM, befördert auf dieser Mission nun erstmals Menschen in den Weltraum.
  • Mit Tacheles macht sich ein Kleinsatellitendemonstrator aus Deutschland auf den Weg zum Mond, um in dessen Umlaufbahn abgesetzt zu werden.
  •  Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR hat den CubeSat ausgewählt.

Die Orion-Besatzung besteht aus Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch aus den USA sowie Jeremy Hansen aus Kanada. Der Fokus des vom Kennedy Space Center in Florida startenden zweiten Testflugs des Artemis-Programms liegt für die NASA unter anderem auf der Validierung aller Lebenserhaltungssysteme im tiefen Weltraum, um den Weg für die für das Jahr 2028 geplante Mondlandung mit Artemis IV zu ebnen. Sollte sich der Start von Artemis II verschieben, gibt es weitere Startmöglichkeiten im April 2026.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern
Deutschland ist bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond ganz vorne mit dabei. Wir freuen uns sehr, dass mit dem in Bremen gebauten ESM erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein nicht-US-amerikanisches System Astronautinnen und Astronauten Richtung Mond transportiert.

Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR

ESM – das europäische Servicemodul bringt zum ersten Mal Menschen Richtung Mond

Wenn die Menschheit nach über fünf Jahrzehnten wieder zum Mond aufbricht, wird zum ersten Mal eine Crew von einem System, das nicht vollständig aus den USA stammt, auf diese Reise geschickt. Denn bei ihren Artemis-Missionen greift die NASA erstmalig bei einer kritischen Komponente für astronautische Flüge auf internationale Partner zurück. Die Antriebs- und Versorgungseinheit der Crewkapsel, das sogenannte European Service Module (ESM), wurde unter der industriellen Führung von Airbus Defence and Space in Bremen entwickelt und wird dort auch montiert. Komponenten aus elf europäischen Ländern sowie den USA werden dafür in die Hansestadt geliefert und zu einem einzigartigen Raumfahrzeug integriert. Dass sich die NASA hier auf ein europäisches System verlässt, ist ein enormer Vertrauensbeweis in die Leistungsfähigkeit der europäischen Raumfahrt. 
 

DLR-App: virtuell und interaktiv mehr erfahren

Die Augmented-Reality-App „DLR Artemis-Mission“ ermöglicht es allen Interessierten, das Raumschiff Orion und die verschiedenen Missionen im Artemis-Programm im heimischen Wohnzimmer, am Schreibtisch oder im Kinderzimmer näher kennenzulernen. „Augmented Reality“ bedeutet „erweiterte Realität“, sodass es die App auf Smartphones und Tablets beispielsweise ermöglicht, das DLR-Strahlenexperiment MARE des ersten Orion-Flugs 2022 sowie das Europäische Servicemodul ESM detaillierter kennenzulernen.

Deutscher Anteil am ESM-Programm: rund 50 Prozent

Unter den ESA-Mitgliedsstaaten ist Deutschland der wichtigste Partner im ESM-Projekt. Der deutsche Anteil am ESM-Programm beträgt rund 50 Prozent und wird von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR gesteuert. Das Artemis-Crew-Raumschiff Orion, auch Multi Purpose Crew Vehicle (MPCV) genannt, besteht aus zwei Teilen: der US-amerikanischen Crewkapsel und dem darunter sitzenden, zylinderförmigen Servicemodul ESM-2, der Nachfolgeversion des ESM-1, das Ende 2022 noch eine menschenleere Orion-Kapsel zum Mond brachte. Hier sitzt das Haupttriebwerk für den Anflug zum Mond. Vier Solarpaneele liefern den Strom für das Raumschiff. Die ESM-Klimasysteme regulieren die Temperatur für Crew und Fracht. 
Außerdem lagern im ESM der Treibstoff sowie die Sauerstoff- und Wasservorräte für die Besatzung. Voll beladen wiegt das ESM beim Start gut 15 Tonnen. Nachdem sich das Orion-Raumschiff von der Oberstufe der Trägerrakete SLS (Space Launch System) im Erdorbit trennt, zündet das ESM-Haupttriebwerk, um das Raumschiff Richtung Mond zu beschleunigen. Am Ende der Mission trennen sich die Orion-Crewkapsel und das ESM kurz vor der Ankunft an der Erde. Während die Crewkapsel in die Erdatmosphäre eindringt und anschließend an Fallschirmen im Pazifik landet, verglüht das ESM in der Erdatmosphäre.
 

DLR-Dosimeter M-42 EXT: Weltraumstrahlung noch genauer messen

Ein Dosimeter misst die Strahlenbelastung durch schwere Ionen – diese gelten als besonders gefährlich für den menschlichen Körper und sind damit eine der größten Herausforderungen für astronautische Langzeitmissionen. Den Strahlungsdetektor M-42 hat das Team der Strahlenbiologie am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln nach dem erfolgreichen Einsatz auf der Artemis-I-Mission insbesondere bezüglich der Messelektronik weiterentwickelt. Außerdem verfügt das neue Gerät M-42 EXT über einen Ein-/Ausschalter und die Batterie ist für die Energieversorgung nochmals optimiert worden. Insgesamt konzipierte, baute, kalibrierte und testete das DLR-Team einen Satz von acht baugleichen Dosimetern; vier Flugeinheiten sowie vier weitere als Backups, sollten vor dem Missionsstart technische Probleme mit einem oder mehreren Flugeinheiten entstehen. 
Das Team des Instituts reiste Ende Januar nach Florida zum Kennedy Space Center, testete ein letztes Mal alles durch und übergab das Set am 2. Februar 2026 schließlich an die NASA.
Das Besondere bei diesem Artemis-Mondflug: Die Sensoren befinden sich beim Start noch in einer Cargo-Transfer-Tasche an Bord verstaut. Erst danach werden sie im Raumflug von der Crew eingeschaltet und an den Messpositionen mit Klettverschlüssen angebracht. Ausgewählt wurden dazu im Vorfeld vier Stellen im Raumschiff, die unterschiedlich gegen Strahlung abgeschirmt sind. So lässt sich ein räumliches Bild von der Strahlungssituation innerhalb der Raumkapsel während des Fluges gewinnen.

Tacheles – ein deutscher Kleinsatellit fliegt zum Mond

Mit an Bord von Artemis II wird ein deutscher Kleinsatellit sein, der von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR ausgewählt und finanziell unterstützt wurde. Der Tacheles-CubeSat der Firma Neurospace aus Berlin wurde am 16. September 2025 an die NASA übergeben und wenig später in den Stufenseparationsadapter (OSA) des Orion-Raumschiffs integriert. Der Kleinsatellit wird am Mond freigesetzt und in eine eigenständige Umlaufbahn gebracht, bevor die Orion ihren Weg zur Umrundung des Mondes einschlägt. Tacheles soll voraussichtlich zwei Jahre lang im Orbit bleiben und Daten zur Erde übertragen. Diese dienen dem Berliner Startup zur Weiterentwicklung ihres Rover-Systems.
Mit Tacheles sollen die elektrischen Komponenten des zukünftigen Rovers im All getestet werden. Hierbei wird insbesondere der Einfluss der Weltraumstrahlung beim Passieren der beiden Strahlungsgürtel der Erde – der sogenannten Van-Allen-Gürtel – als besonders kritisch für solche Systeme eingestuft. Der Flug auf Artemis II bietet die einmalige Möglichkeit, Daten über die Strahlungsgürtel und deren Auswirkung auf die Elektronik des CubeSats zu sammeln. Diese Informationen sollen auch der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen.
So ist zum Beispiel das Experiment Seldom (Single Event Latchup Detection On Moon) von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena) mit an Bord des deutschen Kleinsatelliten. Sie testen eine Technologie, die Raumfahrtelektronik vor plötzlichen Störungen durch Weltraumstrahlung schützen kann.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

DLR-Antennen verfolgen Orion-Flug von der Erde aus

Im Vorfeld der Mondmission Artemis II hat die NASA weltweit Teilnehmende ausgewählt, die das Orion-Raumschiff während seines Fluges um den Mond von der Erde aus verfolgen. Insgesamt wurden 34 internationale Partner und Freiwillige benannt, die mit eigenen Antennen zur Bahnverfolgung beitragen und damit die globale Einbindung in diese historische Mission stärken. Das Nationale Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des DLR unterstützt diese Initiative mit der Antennenbodenstation in Weilheim: Die 15-Meter-Antenne wird Signale des Raumfahrzeugs empfangen und damit zur präzisen Verfolgung der Flugbahn sowie zur internationalen Zusammenarbeit im Bereich Kommunikationssysteme für die Raumfahrt beitragen.