Studie Agile Fertigung: Der dritte Weg zwischen Eigenproduktion und Outsourcing

Quelle: IESE Business School 2 min Lesedauer

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Eine aktuelle Studie der IESE Business School beleuchtet die agile Fertigung als Alternative zur klassischen „Make-or-Buy“-Entscheidung. Gerade für kleinere Hersteller bietet sie Potenzial, Wettbewerbsfähigkeit ohne hohe Kapitalinvestitionen zu steigern.

Hersteller müssen Produktion, Anpassung und Wachstum neu denken. Traditionelle Ansätze sind zu starr. Agile Methoden können helfen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Hersteller müssen Produktion, Anpassung und Wachstum neu denken. Traditionelle Ansätze sind zu starr. Agile Methoden können helfen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die klassische Make-or-Buy-Entscheidung stehe zunehmend in Frage, so die Studie der IESE Business School, die auch in München mit einem Campus vertreten ist. Agile Fertigung demokratisiere den Zugang zu Hightech-Produktionskapazitäten. KI entwickelt sich immer rasanter, Lieferketten werden immer volatiler, Industriepolitik immer wechselhafter. Hersteller müssen Produktion, Anpassung und Wachstum neu denken. Traditionelle Ansätze sind zu starr. Outsourcing reicht nicht mehr aus. Die Antwort ist „Agile Fertigung“, so Prof. Joan Jané, Dean des IESE-Campus New York und Mitbegründer der Agile Manufacturing Society. Die Studie untersucht, wie Unternehmen durch agile Fertigung ohne die Kapitalintensität traditioneller Modelle wachsen und innovativ sein können, bei minimierten Risiken.

Was sich verändert

Veränderte Verbraucherpräferenzen, kürzere Produktlebenszyklen, stärkere Individualisierung bedeuten eine Abkehr von der traditionellen Massenproduktion hin zu anpassungsfähigeren, flexibleren Systemen. Möglich mache das Industrie 4.0 mit cyber-physischen Systemen, Internet der Dinge, Big Data und KI. Unternehmen können kleine Stückzahlen hochwertiger Produkte herstellen, zugeschnitten auf spezifische Kundenbedürfnisse. Ein Hersteller von Gesundheitsprodukten könnte beispielsweise 3D-Drucker einsetzen, um alles von Zahnersatz und Hörgeräten bis hin zu maßgeschneiderten Körperteilen für Ärzte zur Übung vor Operationen individuell anzufertigen, nennt IESE-Professor Jané ein Beispiel.

Trotz einiger EU-Initiativen komme agile Fertigung in Europa bisher nur langsam voran. Berichten zufolge verfehlten die Mitgliedstaaten ihre Ziele oder liegen hinter ihren internationalen Konkurrenten bei der Einführung dieser Technologien zurück. Kleinere und mittlere Unternehmen in Europa fürchten möglicherweise die damit verbundenen zusätzlichen Kosten und Risiken, vermutet die IESE-Studie. Tatsächlich profitierten sie am meisten von den flexiblen Pay-per-Use-Geschäftsmodellen der agilen Fertigung, die Investitionsausgaben senken und Risiken mindern.

Agile Fertigung als dritte Option

Für Hersteller sei die traditionelle Make-or-Buy-Entscheidung schon immer eine kritische Entscheidung gewesen, da jede Option Vor- und Nachteile habe, führt Joan Jané aus. Eigenfertigung bedeute hohe Vorabinvestitionen in Technologie und qualifizierte Arbeitskräfte, bei besserer Kontrolle über die Produktion. Kauf nutze die Fähigkeiten der Zulieferer und kann die effizientere Wahl sein, trotz Abhängigkeit von externen Partnern. Jede dieser Entscheidungen erfordere Kompromisse in Bezug auf Kontrolle, Kosten, Qualität, Flexibilität und Risiko, so der Dean des New Yorker IESE-Campus.

Agile Fertigung ist, so die IESE-Studie, ein dritter Weg. Agile Fertigungstechnologien bieten Pay-per-Use-Modelle, die den Bedarf an kostspieligen Investitionen minimieren. Unternehmen können auf hochwertige Fertigungstechnologien zugreifen, ohne Maschinen direkt kaufen zu müssen. Agile Prozesse verkürzen die Zeit bis zur Markteinführung neuer Produkte, sodass Unternehmen auch bei schnell wechselnden Anforderungen wettbewerbsfähig bleiben, zu geringen Risiken.

Agile Modelle als sofort einsetzbare Lösung

Das bedeute nicht, dass Agilität immer die bessere Wahl sei. Joan Jané identifiziert Schlüsselfaktoren für Einführung oder Nicht-Einführung eines agilen Fertigungsgeschäftsmodells. Unternehmen mit ausgereifter IT-Infrastruktur und Erfahrung im Cloud-Betrieb könnten weniger profitieren. Für andere hingegen bieten agile Modelle eine sofort einsetzbare Lösung, ohne hohe Schulungs- oder Entwicklungskosten. Agilität, betont Joan Jané, sei aber nicht risikofrei, es entstünden Vorlaufkosten, Technologien der Industrie 4.0 veralteten zudem schnell. Für Unternehmen, die sich Gedanken über den Wiederverkaufswert von Maschinen machten, biete agile Fertigung eine risikoärmere Alternative.

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