Planetarium Ältestes Planetarium der Welt für Ingenieurbaukunst ausgezeichnet
Das weltweit betriebsälteste Planetarium steht in Jena und wurde jetzt von der Bundesingenieurkammer für seine Ingenieurbaukunst ausgezeichnet. Die Kuppel des über 90 Jahre alten Bauwerks hat eine Oberfläche von 981 m².
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Das Zeiss-Planetarium in Jena wurde am 18. Juli 1926 eröffnet und ist damit das betriebsälteste Planetarium weltweit. Jetzt hat die Bundesingenieurkammer und die Ingenieurkammer Thüringen den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ an das historisch bedeutende Ingenieurbauwerk verliehen.
Entwurf und Planung des Planetariums
Der Ingenieur hinter der revolutionären Projektionstechnologie und der damit zusammenhängenden Stahlbeton-Schalenbauweise „System Zeiss-Dywidag“ war Walther Bauersfeld (1879-1959). Die Herausforderung bei der Planung des Planetariums bestand darin, Projektionsapparat und Kuppel ideal aufeinander abzustimmen. Bauersfeld hatte daher im Auftrag des Deutschen Museums nicht nur eine neuartige Maschine zur Projektion des Sternenhimmels entwickelt, sondern auch ein räumliches Stabnetzwerk als Projektionsfläche.
In Zusammenarbeit mit dem Dywidag-Oberingenieur August Mergler entstand schließlich eine Kuppel mit einem Durchmesser von 25 m und einer Oberfläche von 981 m². Das Eisenfachwerk wurde mit einer 6 cm starken Betonschicht ausgefüllt und umkleidet. Der moderne Schalenbau war damit erfunden und stellte eine bahnbrechende Entwicklung in der Geschichte des Stahlbetonbaus im 20. Jahrhundert dar.
Ältestes noch erhaltenes Großplanetarium
Jena war nicht das erste Großplanetarium – es folgte auf Wuppertal-Barmen, Leipzig und Düsseldorf – doch nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs blieb es als einziges und damit weltweit ältestes Großplanetarium erhalten.
Der Publikumserfolg des Zeiss-Planetariums war groß. Innerhalb von zehn Jahren wurden weltweit zahlreiche ähnliche Bauten errichtet, beispielsweise die Planetarien in Berlin (1926), Mailand (1930) oder New York (1934).
Über die Jahre wurde das Planetarium immer wieder auf den technisch neuesten Stand gebracht und räumlich erweitert. Mit dem „Modell VIII Universarium“ ist seit 1996 die inzwischen vierte Sternprojektion im Einsatz.
Bedeutung des Ingenieurberufs hervorheben
Der Präsident der Ingenieurkammer Thüringen, Dipl.-Ing. Elmar Dräger, über den Grundgedanken der Titelverleihung: „Das historische Solitär Zeiss-Planetarium ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass anwendungsbereites und belastbares Ingenieur-Knowhow die Grundlage für die Realisierung komplexer und funktional anspruchsvoller Bauvorhaben ist. Ich würde mich freuen, wenn mit der Würdigung derartiger Bauwerke dazu beigetragen werden kann, die Bedeutung des Ingenieurberufs in der Gesellschaft wahrnehmbarer zu positionieren.“
Auch Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der Bundesingenieurkammer, unterstrich in seiner Rede die Einzigartigkeit des Zeiss-Planetariums und sagte: „Die Bauwerke vergangener Zeiten verhelfen uns zu interessanten Erkenntnissen über die damalige Ingenieurbaukunst. Durch ihre Einzigartigkeit ermöglichen sie uns aber auch, bei der jüngeren Generation für den verantwortungsvollen und vielseitigen Beruf der Bauingenieurinnen und Bauingenieure zu werben. In Zeiten von großem Fachkräftemangel ist uns das ein besonderes Anliegen.“
Den Titel „Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ erhielten zudem u.a.:
- Der Teepott in Rostock-Warnemünde
- Der Ludwig-Donau-Main-Kanal
- Das Pumpwerk für die Fontäne von Sanssouci
- Die Großmarkthalle Hamburg
- Die Bleilochtalsperre an der Saale
- Der Förderturm Camphausen IV
- Das Pretziener Wehr an der Elbe
Hohlprofile
Hohlprofile tragen ikonisches Kuppeldach des Louvre in Abu Dhabi
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