Elektroindustrie

ZVEI-Prognose für 2019: Konjunkturabkühlung wird befürchtet

| Redakteur: Sariana Kunze

v.l. Thorsten Meier, Moderator, Leiter Kommunikation und Marketing, ZVEI, Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, und Dr. Andreas Gontermann, ZVEI-Chefvolkswirt, gaben anlässlich der Jahresauftakt-Pressekonferenz in Frankfurt am Main die Verbands-Prognose für das Jahr 2019 ab.
v.l. Thorsten Meier, Moderator, Leiter Kommunikation und Marketing, ZVEI, Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, und Dr. Andreas Gontermann, ZVEI-Chefvolkswirt, gaben anlässlich der Jahresauftakt-Pressekonferenz in Frankfurt am Main die Verbands-Prognose für das Jahr 2019 ab. (Bild: S.Kunze/VCG)

Auch 2018 konnte die Elektroindustrie ihr Wachstum fortsetzen und auf einen Umsatz von gut 197 Mrd. Euro anwachsen. Für 2019 gibt der ZVEI eine vorsichtige Prognose ab, da eine Abkühlung der Konjunktur befürchtet wird.

Auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz in Frankfurt am Main verkündete der ZVEI, dass die deutsche Elektroindustrie auch 2018 weiter gewachsen sei. Sowohl beim Umsatz als auch beim Export konnten neue Rekordmarken erzielt werden. Die Zahl der Beschäftigten ist auf dem höchsten Stand seit 22 Jahren. Für 2019 ist der ZVEI vorsichtig optimistisch. „Wir erwarten, dass die preisbereinigte Produktion der Branche um ein Prozent wachsen wird und die Erlöse die 200-Mrd.-Euro-Marke knacken werden“, sagte Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Branchenverbands.

Als Grund für die Zurückhaltung gab ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann die Beeinträchtigung der Handelsgeschäfte an: „Es war immer klar, dass sich das äußerst starke globale Wachstum des Jahres 2017 nicht ewig fortsetzen würde. Insoweit haben die moderateren Steigerungsraten in 2018 nicht überrascht. Aktuell nehmen aber Befürchtungen zu, dass eine weltweite Konjunkturabkühlung bzw. ein Abschwung bevorstehen könnte, der dann ähnlich synchron ausfällt wie zuvor der 2017er Aufschwung.“ Gontermann führte dazu als Beispiele für diverse Herausforderungen in Europa an, wie z.B. Brexit oder volatile Ölpreise.

Export bleibt die zentrale Säule der Elektroindustrie

Die preisbereinigte Produktion der Elektroindustrie stieg von Januar bis November 2018 um 2,8 Prozent gegenüber Vorjahr. Der Umsatz – der auch Dienstleistungen und Software umfasst – nahm im gleichen Zeitraum um 3,2 Prozent auf 179,8 Mrd. Euro zu. Im gesamten vergangenen Jahr sollte er sich auf gut 197 Mrd. Euro belaufen haben.

Der Export war auch im vergangenen Jahr wieder eine zentrale Säule: Von Januar bis November nahmen die gesamten Branchenausfuhren, einschließlich Re-Exporten, um 5,4 Prozent auf 195,4 Mrd. Euro zu. Im Gesamtjahr wurden nach Schätzungen des ZVEI 212 Mrd. Euro erreicht, das fünfte Allzeithoch in Folge. Allerdings lag das Wachstum der Exporte damit nur noch halb so hoch wie 2017.

China und USA kaufen kräftig ein

China blieb größter Abnehmer, gefolgt von den USA. Zwischen Januar und November 2018 gingen Ausfuhren im Wert von 19,4 Mrd. Euro nach China – ein Plus von 11,4 Prozent gegenüber Vorjahr. Die Exporte in die USA erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 3,8 Prozent auf 16,4 Mrd. Euro.

Bei datenbasierten Geschäftsmodellen ist noch Luft nach oben

„An der Schwelle zu einer Daten- und Plattformökonomie stehen viele Unternehmen vor großen Herausforderungen. Für die Digitalisierung allgemein, für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI), für die Anforderungen an Cybersicherheit gibt es keinen Masterplan“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung weiter. Um den Unternehmen der Elektroindustrie eine Orientierungshilfe zu bieten, wie auf Basis von bereits vorhandenen Daten neue datenbasierte Geschäftsmodelle entwickelt werden könnten, wurde durch McKinsey im Auftrag der ZVEI-Services GmbH und mit Unterstützung des ZVEI der „Chancenkompass Datenwirtschaft“ erarbeitet. Denn ohne neue, datenbasierte Geschäftsmodelle riskieren Unternehmen, selbst gute Marktpositionen zu verlieren. „Mit dem Chancenkompass tragen wir dazu bei, dass mutige unternehmerische Entscheidungen fundiert getroffen werden können“, erklärt Dr. Mittelbach. Bisher erzielt die Branche erst rund 20 Prozent des Umsatzes mit Smart Products und Smart Services. „Bei vielen Unternehmen ist noch reichlich Luft nach oben.“ Voraussetzung für mehr datenbasierte Geschäftsmodelle sei allerdings eine leistungsstarke digitale Infrastruktur. „Nur mit lokalen 5G-Netzen für die Industrie sichern wir die Führungsrolle unserer Unternehmen im Wettbewerb ab“, stellt Dr. Mittelbach fest. Der Ausbau dürfe sich nicht verzögern.

Partnerschaften wichtiger denn je – auch mit China

Als größter Exportabnehmer der deutschen Elektroindustrie muss China seinen Markt weiter öffnen und Investitionshemmnisse für ausländische Unternehmen abbauen. „Es müssen gleiche Bedingungen für alle gelten“, so Dr. Mittelbach. Die bereits erfolgreiche Zusammenarbeit bei vielen Zukunftsthemen könnte dadurch weiter gestärkt werden, gerade auch bei Künstlicher Intelligenz. So ließen sich Deutschlands Stärken bei industrieller KI mit den Datenanalysefähigkeiten Chinas zum gegenseitigen Nutzen verbinden. „In der digitalen Welt steht die Zusammenarbeit in Plattformen der Verfolgung von Partikularinteressen entgegen.“

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