Interview Wir beschreiten gern neue Wege

Redakteur: Ute Drescher

Häufig fehlt Konstrukteuren die Zeit, selbst eine clevere Lösung zu entwickeln. Warum diese Aufgabe dann nicht outsourcen? Gunther Schulz, geschäftsführender Gesellschafter der Rodriguez GmbH, erklärt die Vorteile.

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Gunther Schulz, geschäftsführender Gesellschafter der Rodriguez GmbH, sieht im Bereich Value Added Products noch großes Wachstumspotenzial.
Gunther Schulz, geschäftsführender Gesellschafter der Rodriguez GmbH, sieht im Bereich Value Added Products noch großes Wachstumspotenzial.
(Bild: Rodriguez)

Herr Schulz, Rodriguez bietet maßgeschneiderte Systemlösungen an. Ergeben sich dadurch funktionale Vorteile für den Kunden?

Absolut. Unsere Kunden erhalten maßgeschneiderte Systemlösungen, die auf ihre spezielle Anwendung zugeschnitten sind. Dabei lässt sich die Konstruktion der betreffenden Baugruppen oft verbessern und vereinfachen. Zu den integrierten Funktionen zählen unter anderem Verzahnungen, Nuten mit Steuerfunktion, Halterungen, Laschen sowie integrierte Laufflächen bei Welle und Gehäuse. So werden insgesamt weniger Bauteile benötigt, Schnittstellen lassen sich reduzieren und die Anwender profitieren von kleineren Toleranzen.

Die Rückmeldungen unserer Value-Added-Products (VAP)-Kunden sind durchweg positiv: Sie loben vor allem die einwandfreie Funktion, die vereinfachte Montage und die hohe Qualität der Systemlösungen gelobt. Aber auch die bereits angesprochene Flexibilität von Rodriguez stellt für die Kunden einen großen Mehrwert dar.

Können Sie das Konzept dahinter kurz erläutern?

Die Systemlösungen basieren auf den hochwertigen Wälzlagern und Lineartechnik-Komponenten von Rodriguez, kombiniert mit einem umfassenden Rundumservice für die Lagermechanik. Das Konzept ist deshalb so erfolgreich, weil Systemlösungen im rotativen und lineartechnischen Bereich in der Entwicklung oft mit einem zeit- und kostenintensiven Trial-and-Error-Prozess verbunden sind. Summiert man die Kosten für Zeitaufwand und Manpower, so lohnt sich der Einkauf einer maßgeschneiderten Lösung von Rodriguez.

Welche Aufgaben übernimmt Rodriguez genau?

Grundlage der kundenspezifischen Lösungen sind die durch die Anwendung definierten mechanischen und steuerungstechnischen Rahmenbedingungen. Rodriguez übernimmt die Auswahl der geeigneten Komponenten sowie die Entwicklung und Konstruktion der Baugruppe. Somit ist gewährleistet, dass die Lösungen auch wirklich sämtliche Anforderungen erfüllen. Die Kunden profitieren zudem von einer Entlastung in der Beschaffung durch eine Reduzierung der einzelnen Bauteile: Der administrative Aufwand beim Einkauf entfällt, die Prozesskosten sinken und der Kunde kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren.

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Der Kunde spart also auch Zeit und Geld. Können Sie Beispiele nennen für bereits realisierte Systemlösungen?

Im Bereich der Lineartechnik haben wir zum Beispiel ein hochgenau produziertes Schweißgestell inkl. mechanischer Umbauteile realisiert, das beim Bedrucken von keramischen Oberflächen eingesetzt wird. Zum Einsatz kommen unter anderem Kugelumlaufführungen und Kugelgewindetriebe. Wir haben hier die Entwicklung, Herstellung und Montage von Fertigungsteilen und Antriebskomponenten übernommen. Das Ergebnis trägt zu einem optimalen Druckergebnis maßgeblich bei.

Im rotativen Bereich entstehen Systemlösungen häufig auf Basis der bewährten Kaydon-Dünnringlager. Denn in Maschinen und Anlagen sind Dünnringlager oft Bestandteil komplexer Baugruppen. Für die anwendungsspezifische Modifizierung und die fachgerechte Montage der Bauteile ist allerdings besonderes Know-how erforderlich. Deshalb realisieren wir im Auftrag unserer Kunden integrierte Lösungen mit sämtlichen Umbauteilen, die konkret für die jeweilige Anwendung und Schnittstelle konzipiert wurden. Eine unserer rotativen Systemlösungen bewährt sich zum Beispiel in vollautomatischen Wafer-Handling-Systemen: Durch die Integration von Flanschen am Dünnringlager ergeben sich für den Anwender eine vereinfachte Montage und eine verbesserte Systemperformance.

In welchen Branchen sehen Sie ein Potenzial für Systemlösungen von Rodriguez?

Generell bei allen Anwendungen, bei denen es auf Genauigkeit ankommt – also zum Beispiel in der Halbleiterindustrie, aber auch in der Optik und der Feinmechanik. In diesen Branchen haben wir gerade die ersten erfolgreichen Projekte realisiert. Ein großes Potenzial für VAP sehen wir darüber hinaus auch in der Medizin- und Labortechnik und nicht zuletzt im allgemeinen Maschinenbau. Generell sind wir aber nicht auf Branchen oder Anwendungen festgelegt. Ganz im Gegenteil – wir freuen uns, wenn wir zusammen mit unseren Kunden neue Wege beschreiten dürfen.

Sehen Sie im Bereich kundenspezifische Systemlösungen denn noch Wachstumspotenzial?

Mehr denn je! In Zeiten eines intensiven Wettbewerbs haben nur noch wenige Unternehmen die Zeit für aufwändige Eigenkonstruktionen. Da liegt es nahe, diesen Prozess an ein Unternehmen auszulagern, das zudem noch eine große Expertise im Bereich der Präzisionslager und Lineartechnik vorweisen kann. Rein kommerziell gesehen rechnen wir in den nächsten drei Jahren für den Bereich Value Added Products mit Wachstumsraten von bis zu 25 Prozent.

Wird sich an der generellen Ausrichtung von Rodriguez etwas ändern, um diese Ziele zu erreichen?

Unser Fokus liegt auf der Eigenfertigung, ohne die anderen Geschäftsbereiche dabei zu vernachlässigen. Der Vertrieb hochwertiger rotativer und lineartechnischer Komponenten ist seit über dreißig Jahren unser Kerngeschäft, das wir auch weiter ausbauen wollen. Gleichwohl hat das Unternehmen Rodriguez in den vergangenen Jahren einen Wandel hin zum Hersteller durchlaufen. Wir haben inzwischen eigene Produktionskapazitäten, die unsere kundenspezifischen Lösungen überhaupt erst möglich machen. Denn nur dank unseres modernen Maschinenparks können wir so flexibel sein, wie es in diesem Bereich nötig ist. Wir können alle Prozessschritte im eigenen Haus abdecken – von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zur Montage. Dazu kommt, dass Rodriguez als mittelständisches Unternehmen mit kurzen Wegen ungleich schneller reagieren kann als große Konzerne. Das gute Zusammenspiel zwischen Vertrieb, Entwicklung und Konstruktion sowie unsere eigene Fertigung sind die Voraussetzungen für unseren Erfolg im Bereich VAP.

Vielen Dank, Herr Schulz.

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