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Statement

Windenergie als Chance für den deutschen Zulieferermarkt

| Redakteur: Karl-Ullrich Höltkemeier

Die Windenergie entwickelt sich von einem regionalen Markt zu einem Weltmarkt mit neuen Anbietern. Für das traditionelle Herkunftsland Deutschland bringt dieser Trend nach Ansicht von Erik Laursen, Leiter des Produktbereichs Windenergie bei Bosch Rexroth, mehr Chancen als Risiken mit sich.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Die Windindustrie profitiert davon, dass die Politik angesichts des Klimawandels und steigender Kosten für fossile Brennstoffe den Einsatz umweltfreundlicher Energien forciert. „Windenergie ist die wirtschaftlichste CO2-freie Stromerzeugung“, stellt Laursen den Vorteil dieser Energieerzeugungsart heraus. Auch sind bei der Errichtung der Anlagen keine jahrelangen Genehmigungsperioden einzukalkulieren wie beispielsweise beim Bau eines Atomkraftwerks.

Markt für Windenergie wächst besonders in USA, Indien und China

Europa bleibt für die kommenden Jahre der größte Markt für die Windenergie. Doch weltweit entstehen neue Märkte. Große Erwartungen knüpft Erik Laursen, Leiter des Produktbereichs Windenergie bei Bosch Rexroth, an die USA: „Das Land hat sich 2006 bei der neu installierten Kapazität bereits zum größten Einzelmarkt entwickelt und auch in den nächsten Jahren erwarten wir diese Ergebnisse.“ In einigen Jahren würden die USA dann von Indien und China abgelöst.

Auch Osteuropa werde sich künftig zu einem großen Absatzmarkt für die Anbieter von Windenergietechnik entwickeln. In Deutschland ist das Wachstum bei den jährlich neu installierten Anlagen seit 2004 zwar rückläufig, dennoch bleibt das Land im Hinblick auf die absolute Anzahl neu installierter Anlagen immer noch ein sehr attraktiver Markt. Vor allem der Export bietet deutschen Unternehmen gute Perspektiven.

Trends in der Anlagen-Landschaft: Offshore und Multi-Megawatt

Derzeit existieren zwei Entwicklungsrichtungen in der Windbranche: der seit einigen Jahren währende Trend zu Multi-Megawattanlagen sowie der Schritt ins Meer. „Findet die Energieerzeugung heutzutage noch überwiegend onshore, also auf dem Festland, statt, wird sich langfristig sicherlich auch der Offshore-Markt entwickeln“, erläutert Laursen, der seit Juni 2007 den Produktbereich Windenergie bei Rexroth leitet. „Dieser Entwicklungsprozess befindet sich angesichts der großen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, weitgehend noch in der Erprobungsphase.“

Etabliert dagegen haben sich die Multi-Megawattanlagen, die deutlich machen, wie weit sich die Branche in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat: Drehten sich anfangs die Rotoren von 100 kW-Windrädern, erreichen heutige Anlagen eine Power von 5 MW. Auf diese Weise benötigen die Standorte erheblich weniger Platz, um eine höhere Leistung zu erzielen.

Anbieter von Windkraftanlagen setzen auf Verfügbarkeit und Service

„In den vergangenen Jahren ging es vornehmlich darum, die Standorte optimal auszunutzen und immer größere Anlagen zu bauen“, beschreibt Laursen den Entwicklungsprozess. „Doch mittlerweile hat sich der Markt stabilisiert, und das Thema Verfügbarkeit rückt immer stärker in den Fokus.“

Denn die Windenergie hat sich im Vergleich mit den traditionellen Erzeugungsarten ihren Platz erkämpft und wird verstärkt an der Zuverlässigkeit gemessen. „Die Anbieter von Anlagen legen daher ihren Schwerpunkt nun sowohl auf die Verfügbarkeit als auch auf Service- und Wartungsfreundlichkeit.“

Was für die Anlagen insgesamt gilt, trifft auch auf die Getriebe im Besonderen zu. „Getriebe müssen nicht nur zuverlässig und wartungsfreundlich sein, um eine hohe Verfügbarkeit der Anlage sicherzustellen, sondern auch kompakt und geräuscharm. Wenn ein Getriebe zu schwer ist, entstehen den Betreibern von Windkraftanlagen zusätzliche Kosten“, erklärt Laursen.

Andere technische Ansätze wie der Direktantrieb oder eine hydraulische Lösungen werden die Getriebetechnik seiner Meinung nach in den kommenden Jahren nicht ablösen. Rotor- Getriebe-Generator-Systeme haben sich mit einem Marktanteil von 85 Prozent eindeutig gegenüber dem Rotor-Generator-System mit einem Direktantrieb durchgesetzt, die derzeit auf 15 Prozent kommen. Gerade bei Multi-Megawattanlagen sind Rotor-Getriebe-Generator-Systeme in der Gondel eindeutig im Vorteil.

„Neue Systeme werden die Getriebe vorerst nicht ersetzen, denn die Industrie wünscht Kontinuität. Die Betreiber der Anlagen bauen ihre Betriebs- und Wartungskompetenz auf den bestehenden Technologien auf. Vor diesem Hintergrund wäre ein Systemwechsel mit außerordentlich hohen Kosten verbunden“, begründet Laursen die Einschätzung.

Jahrelange Kompetenz in der Getriebetechnik

Rexroth profitiert von seiner jahrelangen Erfahrung sowohl in der Getriebetechnik als auch in der Windkraft. „Seit Mitte der 1980er-Jahre, also quasi mit Entstehen der Branche, engagieren wir uns in diesem Marktsegment und haben uns eine dementsprechende Kompetenz erarbeitet“, hebt der Bereichsleiter hervor.

Das Unternehmen verfügt über ein breites Getriebeprogramm. Zu den Generatorgetrieben in den unterschiedlichsten Größen kommen kompakte Pitch- und Azimutgetriebe für die Rotorblattverstellung bzw. für die Gondelnachführung. Die Generatorgetriebe von Rexroth weisen durch die intelligente Kombination von Planeten- und Stirnrädern eine besonders kompakte Bauweise auf. „Zugleich sind sie geräuschoptimiert und wartungsfreundlich“, stellt Laursen weitere Vorzüge heraus.

Ein Weg, um die künftigen Herausforderungen zu bewältigen, sind Entwicklungs-partnerschaften zwischen Anbietern und Abnehmern. Rexroth hat dafür eigens ein Anwendungszentrum für Windenergie eingerichtet. Dort werden individuelle Engeneering-Lösungen gemeinsam mit den Kunden und den Anlagenbauern entwickelt und genau auf die Bedürfnisse abgestimmt. „Wichtig ist, dass es eine langfristige Partnerschaft zwischen Produzenten, Zulieferern und Kunden gibt. Davon profitieren alle Seiten gleichermaßen, denn nur auf diese Weise sind die Planungs- und Investitionssicherheit gewährleistet“, stellt Laursen abschließend fest.

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