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SKF Wälzlagerhersteller unterstützt Formel 1 seit 70 Jahren

Redakteur: Katharina Juschkat

Der Wälzlagerhersteller SKF unterstützt die Rennställe der Formel 1 seit 1947 mit Komponenten für Radnaben, Getriebe und mehr. Die Lager müssen enormen Belastungen standhalten und schnell entwickelt werden.

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Der Lagerhersteller SKF liefert für verschiedene Rennställe Lagerlösungen, die den enormen Belastungen der Formel 1 standhalten sollen.
Der Lagerhersteller SKF liefert für verschiedene Rennställe Lagerlösungen, die den enormen Belastungen der Formel 1 standhalten sollen.
(Bild: Calloalbanese)

Am 26. März startet die Formel 1 mit einem neuen Chef in ihre 68. Saison. Bernie Ecclestone hat nach über 40 Jahren die Spitze der Formel 1 verlassen und wird von Chase Carey beerbt. Welche Auswirkungen das auf den Rennsport haben wird, steht noch offen – aber das Wettrennen um die technische Spitzenleistung der Rennwagen bleibt bestehen. Die jüngsten Regeländerungen stellen enorme Anforderungen an sämtliche Komponenten der Rennwagen, und so starten sie dieses Jahr erneut mit vielen technischen Änderungen wie breiteren Reifen und effektiverer Aerodynamik.

Individuelle Lager für die Formel 1

Das Unternehmen SKF unterstützt seit Jahren viele Teams im Rennsport mit technischen Neuerungen. Der Antriebstechnikhersteller arbeitet seit den ersten Tagen der Formel 1 als Lagerlieferant und schloss 1947 eine Partnerschaft mit der Scuderia Ferrari. Heute arbeitet das Unternehmen mit vielen weiteren Rennställen zusammen. Die Produkte werden an zahlreichen Stellen der Rennfahrzeuge eingesetzt – das Unternehmen liefert Kugel-, Rollen- und Gleitlager für Radnaben, Getriebe, Kupplung, Motor, Turbo und Aufhängung. Hinzu kommen je nach Rennstall Hilfseinrichtungen wie High-Speed-Zustandsüberwachungssysteme zur Performance-Analyse von Antriebskomponenten auf den Prüfständen.

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„Die Produkte, die wir für die Formel 1-Teams entwickeln und ihnen bereitstellen, sind auf die individuelle Anwendung zugeschnitten“, sagt Andrea Rifici, Anwendungsingenieur von SKF für die Scuderia Ferrari. „Aber so individuell unsere Lösungen pro Rennstall auch sein mögen – all unseren Lösungen gemein ist, dass sie an die Grenzen des technisch Machbaren heranreichen.“

Racing-Lager: Kurze Lebensdauer, enorm belastbar

Um die Unterschiede zwischen konventionellen Lagern für Fahrzeuge und solchen für die Formel 1 zu verdeutlichen, zielt Rifici auf deren Lebensdauer ab: „Jeder normale Autofahrer wünscht sich eine maximale Lebensdauer der verbauten Lager, um die Instandhaltungskosten für sein Fahrzeug so gering wie irgend möglich zu halten“, erläutert er. Demgegenüber hätten Kunden aus der Formel 1 andere Prioritäten: „Natürlich spielt die Zuverlässigkeit der Lager auch in der Formel 1 eine wichtige Rolle“, so Rifici, „aber hier müssen die Lager nicht unbedingt mehr als fünf Rennen überstehen.“ Deshalb habe ein „Racing-Lager“ zwar eine vergleichsweise kurze Lebensdauer, müsse innerhalb dieser Frist aber extremen Belastungen standhalten.

Zu solchen Belastungen gehören in der Formel 1 enorme Kräfte, Drehzahlen oder auch Betriebstemperaturen. Derartigen Anforderungen zum Trotz sollen die Lager natürlich möglichst klein und leicht sein. Um solchen widersprüchlichen Anforderungen zu genügen, braucht es besondere Werkstoffe. „Für Getriebe- und Radlager setzen wir beispielsweise sehr harte Sintermetalle ein“, erklärt Jeroen Wensing, Leiter „Racing-Innovationen“ bei SKF. „Für Turbo-Anwendungen nutzen wir zum Beispiel Metalle mit hohem Stickstoffgehalt wie unser firmeneigenes ,Nitromax‘-Aluminium oder ,M50‘, einen extrem harten und hitzebeständigen Werkzeugstahl.“

Rasantes Entwicklungstempo in der Formel 1

Für die Formel 1 nutzt das Unternehmen auch Lagerrollen aus Keramik, um Reibungsverluste und Gewicht so weit wie irgend möglich zu minimieren. Je nach Anwendung werden außerdem die Lager-Käfige aus dem Hochleistungspolymer Polyetheretherketon oder Titan gefertigt. Auch Gleitlager für Aufhängungen und ähnliche Anwendungen fertigt das Unternehmen in Stahl, Titan oder Aluminium. Spezielle Lagerschalen aus Polytetrafluorethylen oder keramisch beschichtete Kugeln sind in diesem Höchstleistungs-Sektor ebenfalls keine Seltenheit.

Die Entwicklung im Rennsport schreitet sehr schnell voran, deshalb hat SKF spezielle Produktentwicklungs- und Produktionsprozesse etabliert. „Verglichen mit der Automobilindustrie für den breiten Endgebraucher-Markt ist das Entwicklungstempo im Rennsport-Bereich wirklich enorm“, sagt Racing-Experte Jeroen Wensing von SKF. „In einer einzigen Saison sind zur Leistungsoptimierung der Fahrzeuge meist mehrere Produktaktualisierungen erforderlich. Und das fordert unseren Spezialisten ein großes Maß an Flexibilität ab – von der Produktentwicklung bis hin zur Fertigung in der Fabrik.“ (kj)

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