Augmented Reality Virtueller Durchblick im Verkehr

Autor: M.A. Bernhard Richter

Mit Hilfe von „Augmented Reality“ – erweiterter Realität – will BMW das Autofahren sicherer, komfortabler,interaktiver und ein Stück hipper machen.

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Die Datenbrille von Mini unter anderem zusammen mit einem Designstudio entwickelt, auch um zu zeigen, dass innovative Technologie nicht „nerdig“ sein muss.
Die Datenbrille von Mini unter anderem zusammen mit einem Designstudio entwickelt, auch um zu zeigen, dass innovative Technologie nicht „nerdig“ sein muss.
(Bild: BMW Group)

Eine fremde Großstadt, Berufsverkehr – das Navi will demnächst links abbiegen. Instinktiv beginnt die Suche nach den beinahe unlesbaren, kleinen Straßennamenschildern. Panik keimt auf, der Termin ist in 10 Minuten. Wie aus dem Nichts ploppt der Straßenname auf einem werbeschildgroßen, blauen Pfeil auf der über der Kreuzung schwebt. Hier geht es lang – Erleichterung.

Das Schild ist aber nicht real, die Augmented-Reality-Brille der BMW-Tochter Mini projiziert die Navi-Pfeile in das Blickfeld des Fahrers. „Wir haben mit mehreren Firmen unseres Partners, des Chipherstellers Qualcomm, ein vernetztes System und eine Augmented-Reality-Brille im Mini Design geschaffen, die das Erlebnis innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs neu gestalten“, erklärt Dr. Jörg Preißinger, Projektleiter Mini Augmented Vision, BMW Group Forschung und Technik. Der Brillen-Prototyp will mit maßgeschneidertem, interaktiven Funktionen eine Brücke zwischen Augmented Reality und markentypischem Lifestyle schlagen. Design und Farbkonzept der Brille wurden extra für Mini gestaltet.

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Die Muttergesellschaft BMW bietet schon seit Jahren ein Head Up Display (HUD), wo Navigationspfeile und Fahrzeugdaten wie bei einem Kampfjet auf die Windschutzscheibe gespiegelt werden, in ihren Oberklassemodellen an – wo liegt also der Unterschied zur Augmented-Reality-Brille? Die Datenbrille des Mini ist über Bluetooth mit dem Bordcomputer und diversen Sensoren des Autos verbunden. Die „See-Through-Technologie“ löst die angezeigten Informationen von den festverbauten Displays. Der Fahrer hat alles im Blick ohne dass andere Verkehrsteilnehmer verdeckt werden – egal wohin er seinen Kopf dreht.

Digitale Röntgenbrille

Mit an der Fahrzeugaußenseite verbauten Kameras kann das Auto scheinbar durchsichtig gemacht werden. Das Außenbild der Weitwinkelkamera wird auf die Brillengläser und damit über das gesehene, reale Bild projiziert. Der Fahrer kann also regelrecht durch das Blech sehen. Beim Einparken sicherlich sehr komfortabel, vor allem da einige moderne Autos recht unübersichtlich sein können.

Das nach überdimensionierter Fliegerbrille aussehende Gadget hat es in sich: Hilfreiche Informationen wie Tempolimits, Navigationspfeile, freie Parkplätze aber auch Social-Media-Daten wie Kurznachrichten werden in stereoskopischem, hochauflösendem 3D in das Sichtfeld des Fahrers projiziert. Letztere werden aus Sicherheitsgründen vom Auto vorgelesen. Ein Qualcomm-Snapdragon-805-Prozessor sowie Lagesensoren und eine Kamera sitzen über den Gläsern im dicken Rahmen der Brille. Im Gegensatz zu Google Glass kann die Kamera aber keine Bilder aufnehmen, sie dient nur zur Positionsbestimmung der Brille im Fahrzeug. Privatsphäre ist hier also gewährleistet. Die autarke Datenbrille ist Wi-Fi-, Bluetooth- und GPS-fähig. Nicht fahrzeugspezifische Daten werden über die Datenverbindung des Fahrzeugs abgerufen.

Die Datenbrille von Mini soll aber auch außerhalb des Autos genutzt werden. Das Navigationsprogramm wandelt die letzten Meter zum Ziel in Fußstrecke um. Dank eingebautem GPS geht der Mini in der fremden Stadt nicht verloren: Die Brille lotst den Nutzer zielgenau zurück zum Parkplatz. Die erforderlichen Daten werden jetzt über Smartphone an die Brille übertragen.

So nützlich und cool die Brille auch sein mag, zu kaufen ist sie nicht. Zumindest nicht in dieser Form – laut BMW ist sie eine sehr weit fortgeschrittene Machbarkeitsstudie. Qualcomm Projektleiter AR Jay Wright ist sich aber sicher, dass sehr bald etwas weiter entwickeltes für den Verbraucher verfügbar sein werde. Autofahrer mit einem leichtem Hang zur Panik brauchen also noch etwas Geduld, bis ihnen schwebende Pfeile den Weg weisen. (br)

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M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht