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Interview Virtual Reality – Konstruktion ganz anders

Autor: M.A. Bernhard Richter

konstruktionspraxis sprach mit Roberto Schettler, dem CEO von RTT über Kon­struktion im digitalen Zeitalter und wie virtuelle Realität in den Alltag des Konstrukteurs einzieht. Aber auch wie sie sinnvoll einzusetzen ist.

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Mit den High-End 3D-Visualisationslösungen von RTT lassen sich technische Bauteile fotorealistisch genau darstellen.
Mit den High-End 3D-Visualisationslösungen von RTT lassen sich technische Bauteile fotorealistisch genau darstellen.
(Bild: Realtime Technology AG)

konstruktionspraxis: Automobilhersteller müssen sich heute immer mehr den geänderten Anforderungen des Marktes stellen. Welche Herausforderungen sind das aus Sicht der Realtime Technology AG (RTT)?

Roberto Schettler: Eine der wesentlichen Herausforderungen ist, dass wir quasi eine Explosion an möglichen Produktvarianten sehen. Zeitgleich sehen wir aber keine Zunahme an Ingenieuren, die diese Varianten bearbeiten können. Umgekehrt bedeutet das, die tägliche Arbeit verändert sich. Ich kann nicht mehr so arbeiten wie ich das in der Vergangenheit getan habe. Es werden andere Verfahren, Technologien und Prozesse gebraucht, um diesen Arbeitsaufwand zu bewältigen.

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Und welche Technologien wären das?

Für uns, als Hauptspieler im Bereich virtuelle Realität, ist das ein wesentliches Thema. Was bisher traditionell konstruiert wurde, findet heute in der virtuellen Realität statt. Sehr viele Tests und Verifikationen funktionieren hier schneller. Durch eine andere Art der Visualisierungsmodelle kann ich viele bestehende Daten weiter benutzen. Das führt wiederum dazu, dass Zeit eingespart wird. Ich muss Arbeitsschritte nicht wiederholen – ich kann auf Bestehendem aufbauen.

Sehen Sie hier das vollständige Interview als Video

Bestehendes meint die CAD-Daten, die bei der Konstruktion anfallen?

Nicht nur. Es sind zum einen die CAD-Daten, aber auch die Visualisierungsdaten, welche ja zu wesentlichen Teilen aus den CAD-Daten abgeleitet sind.

Für RTT ist die realistische Implementierung das zentrale Element. Warum?

Ich denke, Designaspekte werden immer wichtiger. Alles was mit „Was sehe ich? Wie kann ich gesehen werden? Wie nehme ich etwas wahr?" zu tun hat. Wir glauben, dass sich der Markt weiter differenziert. Aber weniger über die Technologie, sondern über die Gesamtwahrnehmung eines einzelnen differenzierten personalisierten Produkts. Und das über die gesamte Lebenszeit. Das hört mit dem Verkauf des Produkts nicht auf.

Mit der firmeneigenen Visualisierungssoftware hat RTT ein Programm entwickelt, mit dem man CAD-Konstruktionsdaten in realistische 3D-Grafiken umwandeln kann. Wie funktioniert das für den Konstrukteur?

Auf vielfältige Weise. Die Anwendungen haben unterschiedliche Komplexitätsstufen. Zum einen kann ich sehr einfach und schnell fotorealistische Eindrücke eines Produkts erzeugen und zum anderen kann ich Bestehendes erweitern und in laufende Prozesse integrieren. Dadurch ergibt sich ein hoher Automatisierungsgrad. Der Konstrukteur kann sich so seine Daten sehr schnell in realistischer Form ansehen. Er kann aber auch sehen, wie sich das Gesamtgebilde – wenn wir von einem Fahrzeug reden – physikalisch realistisch verhalten wird. Bei einem Crash-Test zum Beispiel. Das wird heute zwar schon gemacht, allerdings nicht in der fotorealistischen Form, wie es RTT anbietet. Und nicht nur ein Bild, sondern eine Folge von Bildern, ein Video wie man es auch von Hochgeschwindigkeitsaufnahmen kennt. So kann man Bild für Bild auswerten um zu sehen, an welcher Stelle sich welches Teil verformt.

Das mag ganz schön aussehen. Aber was hat der Konstrukteur davon, seine CAD-Daten fotorealistisch anschauen zu können?

Der Konstrukteur hat verschiedene Vorteile. Die Visualisierung hilft ihm im Wesentlichen dabei, keine Fehler zu machen, bzw. Fehlentscheidungen zu vermeiden, die sich schon früh in der Produktentwicklung einschleichen könnten. Er hat das komplette Fahrzeug im Blick. Mit all seinen kleinen Details. Man könnte auch argumentieren, früher mit einer 2D-Zeichnung hat das auch ganz hervorragend funktioniert, warum bin ich überhaupt in die 3D-CAD-Welt gegangen?

Das geschulte Auge konnte auch ganz gut mit 2D-Bildern umgehen. Die Visualisierungsgewohnheiten ändern sich allgemein. Wir haben Kunden, mit welchen wir Motoren visualisieren. Zum einen natürlich als Technikvisualisierung für den Vertrieb, aber auch um schon in einem frühen Stadium zeigen zu können, wie es funktioniert und wie Teile miteinander interagieren.

Kann man also sagen, dass RTT ein Mittler zwischen dem Konstrukteur auf der einen und dem Designer auf der anderen Seite ist?

Konstruktion und Design ist das Eine, aber genauso Konstruktion und Marketing. Das ist eine Kommunikation, die sich nicht nur in eine Richtung erstreckt, sondern viele Bereiche abdeckt. Die Konstrukteure entwickeln tolle Dinge, konnten aber bisher nicht darüber kommunizieren. Sie konnten es nicht zeigen. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Wenn ich eine Konstruktion in dieser Form vor mir sehe, von der ich vorher noch nicht gewusst habe, dass sie überhaupt möglich ist, dann stoße ich damit neue Diskussionen an – eine neue Kommunikationsebene.

Vielen Dank für das Gespräch.(br)

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht