Hydro-Bot-Technologie

Skijacke unter Strom

| Redakteur: Sandra Häuslein

(Bild: gemeinfrei / CC0)

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Damit der Körper beim Wintersport angenehm warm und trocken bleibt, ist leistungsfähige Kleidung gefragt. Die Ansprüche an derartige Textilien sind dabei hoch. Eine neue Technologie soll Sportlern nun beim Schwitzen helfen, indem sie Feuchtigkeit aktiv nach außen transportiert. Möglich ist dies, weil hauchdünne Schichten aus Gold im Gewebe unter Strom stehen.

Der Mensch ist ein gleichwarmes Tier. Wird es ihm zu heiß, reguliert er die Körpertemperatur herunter. Möglich ist das durch eine evolutionär gereifte „Klimaanlage“ in unserer Haut: die Schweißdrüsen. Doch die Evolution wusste noch nichts vom Wintersport, und so kommt unser Wärmehaushalt ins Schleudern, wenn wir uns beim Skifahren gegen eisige Kälte schützen wollen und gleichzeitig ungehindert schwitzen sollten. Eine Technologie, die an der Empa – Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt – in St. Gallen in Zusammenarbeit mit der Thalwiler Firma Osmotex und weiteren Industriepartnern entwickelt wurde, soll nun Sportler warm und trocken halten – dank Textilien unter Strom.

Wichtiger Bestandteil der Hydro-Bot-Technologie ist ein Prinzip, das es beispielsweise Pflanzen ermöglicht, Wasser aus dem Boden über ihre Wurzeln einzusaugen: die Osmose. Bei der neuartigen Sportkleidung wird dieses Prinzip durch das Anlegen einer Spannung von rund 1,5 V noch beschleunigt. Damit mittels Elektroosmose Flüssigkeit vom Inneren der Kleidung aktiv nach außen transportiert wird, kommt eine 20 Mikrometer dünne Kunststoffmembran zum Einsatz, die mittels Plasmabeschichtung beidseitig von Edelmetall überzogen ist. Dazu wird knapp 0,2 g Gold pro Skijacke eingesetzt, was Einfluss auf den Preis der Membran hat. Gold hat sich jedoch im Vergleich zu silberbeschichteten Elektroden als deutlich haltbarer erwiesen.

Prototyp der elektroosmotischen Skijacke.
Prototyp der elektroosmotischen Skijacke. (Bild: Osmotex)

Funktionsprinzip der Jacke

Wird eine elektrische Spannung an die Membran angelegt, wandern Salz-Ionen – und mit ihnen die sie umgebende Flüssigkeit – durch winzige Poren in der Membran auf die Außenseite, von der sie sozusagen elektrisch angezogen werden. Dazu ist die Membran mit einer herkömmlichen Knopfzellbatterie ausgerüstet, die je nach Wetterlage und Körperaktivität eingeschaltet werden kann. „Auch ohne Strom gelangt Flüssigkeit durch die Membran. Sobald eine elektrische Spannung angelegt ist, steigert sich der Pumpeffekt jedoch deutlich“, sagt Empa-Forscher Dirk Hegemann von der Abteilung „Advanced Fibers“. Rund 10 l Flüssigkeit kann die Membran per Elektroosmose so pro Quadratmeter und Stunde abpumpen.

Für das fertige Produkt wurde die elektroosmotische Membran innerhalb verschiedener funktionaler Schichten in eine Skijacke integriert. „Dank unserer neuen physikalischen und numerischen Modelle konnten wir den textilen Aufbau der Hydro-Bot-Technologie optimieren“, erklärt Simon Annaheim von der Abteilung Biomimetic Membranes and Textiles.

Dass dieses Wirkprinzip nicht nur physikalisch funktioniert, sondern auch den physiologischen Ansprüchen des menschlichen Körpers entspricht, zeigten Experimente in der Empa-Klimakammer. Hier simuliert die anatomisch geformte Schwitzpuppe Sam, wie sich der menschliche Körper bei sportlicher Betätigung verhält. Sam bewegt sich, heizt sich auf und stößt durch 125 Düsen genau definierte Mengen an Flüssigkeit aus. „Sam und die Daten, die er uns lieferte, ermöglichten es, den Tragekomfort und die Funktionalität von Hydro-Bot-Kleidung objektiv zu analysieren“, sagt Annaheim.

Der Industriepartner Osmotex erwartet, dass Jacken mit Hydro-Bot-Technologie zur Saison 2018/19 auf den Markt kommen. Beteiligt an der Weiterentwicklung der Technologie sind neben der Empa der norwegische Sportbekleidungshersteller Kjus und das Schweizer Textilunternehmen Schoeller. (sh)

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