Spindelantrieb Saubere Alternative zu Hydrauliksystemen

Redakteur: Ute Drescher

Ein mechatronisches Spindel-Motor-System (SMS) kombiniert die Pluspunkte bewährter Hydraulik mit denen von Elektro-Spindelantrieben. Das macht viele Anwendungen möglich, bei denen es auf Ergonomie ankommt.

Firmen zum Thema

(Bild: goodluz - Fotolia/Suspa)

Um Lasten stufenlos in der Höhe zu verstellen, hat sich seit Jahrzehnten das hydraulische Movotec-System von Suspa bewährt. Nun bekommt es Konkurrenz aus dem eigenen Haus: Das neue mechatronische Movotec Spindel-Motor-System (SMS) kombiniert die Pluspunkte der bereits bewährten Technik mit denen eines herkömmlichen Elektro-Spindelantriebs. Möglich wird dadurch eine Vielzahl von Anwendungen, bei denen es in hohem Maße auf ergonomische Aspekte ankommt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Um Lasten stufenlos in der Höhe zu verstellen, hat sich seit Jahrzehnten das hydraulische Movotec-System von Suspa bewährt. Es wird vorrangig in der Industrie eingesetzt, sei es bei Werkbänken, Fließbändern und Arbeitsplatzsystemen, bei Küchenkomponenten oder Verkaufs- und Serviceeinrichtungen des Groß- bzw. Einzelhandels. Aber auch Wohnwagenbetten werden mit diesen Systemen vertikal verstellt und Fischtheken zum Reinigen auf diese Weise mechanisch geneigt.

Die Funktionsweise war dabei bislang immer die gleiche: Eine Hydraulikpumpe, angetrieben per Hand oder von einem Elektromotor, presst Hydrauliköl in angeschlossene Zylinder, und diese fahren daraufhin innerhalb des gewünschten Bereiches hoch oder herunter.

Hydrauliksysteme sind mit Nachteilen behaftet

Allerdings gibt es bei diesem System auch Nachteile: So kostet die Installation einer solchen Pumpe mitsamt der zugehörigen Leitungen Zeit und erfordert Platz. Und wird ein Schlauch beschädigt, können Leckage und Rutschgefahr die Folge sein. Hinzu kommt, dass das anzuhebende Objekt ein gewisses Eigengewicht (Rückstellkraft) haben muss, damit das Hydrauliköl beim Absenken zurück in die Pumpe gedrückt wird.

Bei einem Elektro-Spindelantrieb ersetzt dagegen eine aktive Bewegung in beide Richtungen die eindimensionale Wirkung des Objektgewichts. Das neue Movotec Spindel Motor System (SMS) kommt gänzlich ohne Hydrauliköl aus und macht dabei die bislang notwendige platzintensive Pumpe samt Schläuchen überflüssig. Eine zentrale Steuerung, deren Stand-by-Stromverbrauch erfreulich niedrig ist, treibt die Hubelemente an. Jedes Hubelement ermöglicht Belastungen von bis zu 150 kg in Druck- und 75 kg in Zugrichtung und qualifiziert sich aufgrund der filigranen Bauweise (der Gehäusedurchmesser der Hubelemente beträgt nur 3,5 cm) und simplen Montage für viele Anwendungen.

Austausch des Systems einfach möglich

Da das Lochbild der Anschraubungen identisch ist, können ursprünglich verbaute Movotec-Systeme schnell und unkompliziert gegen das neue Höhenverstellungssystem getauscht werden. Auch hydraulische Wettbewerbssysteme lassen sich sehr einfach durch das neue SMS ersetzen.

Bei der Movotec-Weiterentwicklung auf elektromechanischer Basis ließ Suspa auch das eigene Know-how bei der Entwicklung und Herstellung von aktiven Automotive-Spoilern einfließen. „Der Spagat bestand darin, sämtliche Komponenten auf engstem Bauraum unterzubringen. Wir mussten kleine, extrem leistungsfähige Motoren und sehr schlanke, aber trotzdem stabile Hubelemente in ein Profil mit einem Außendurchmesser von nur 35 Millimetern integrieren“ erinnert sich Andreas Strobel, Director Marketing und Sales Mechanical Applications bei Suspa, an die Herausforderungen. Die konnten aber gemeistert werden: „Die Leistungsdichte des SMS ist einzigartig. Zusätzlich haben wir eine Schlingfederbremse integriert. Sie ist richtungsabhängig und verhindert, dass das Hubbein absinkt, sollte es einmal nicht bestromt werden“, so Strobel.

Probleme mit dem Öl kein Thema mehr

Wird eine Komponente einmal beschädigt, erfordert der Austausch eines Hubbeins einen Zeitaufwand von nur wenigen Minuten. Eine Verunreinigung durch Öl, das neue Befüllen und anschließende Entlüften des kompletten Systems, all dies ist mit SMS kein Thema mehr. Jeder der Aktuatoren hebt bis zu 150 kg, wobei die Hubgeschwindigkeit bei ca. 8 mm/s und die maximale Ausfahrkraft eines Vierbein-Standardsystems bei 600 kg liegt.

Ist dieser Wert für eine bestimmte Anwendung nicht ausreichend, lassen sich zwei Systeme in Reihe schalten. Dann können Apparaturen mit einem Gesamtgewicht von bis zu 1,2 t geliftet werden. Dazu erforderlich sind zwei Steuerungen. Sie verfügen jeweils über fünf Kanäle (vier für die Hubelemente, einer für den Handschalter/das Linkkabel) und synchronisieren die einzelnen Beine. Hallsensoren überwachen dabei die Motorumdrehungen. Ein Master-Handschalter ermöglicht die millimetergenaue stufenlose Höheneinstellung.

Ergonomie steht im Mittelpunkt

Das kompakte Movotec Spindel-Motor-System kann problemlos in bereits vorhandene Produktions- und Montagelinien integriert werden und empfiehlt sich, da ungleich sauberer als das hydraulische, nach den Worten von Andreas Strobel auch aus ökologischer Sicht. Verbauen lässt es sich überall dort, wo es in hohem Maß auf Ergonomie ankommt.

Speichert individuelle Einstellungen

Bei Fließ- und Montagebändern, an denen oft im Schichtbetrieb gearbeitet wird, hatte man wegen der zumeist massiven Bauweise diesem Gesichtspunkt bislang nur ansatzweise gerecht werden können, war die Arbeitshöhe im Regelfall doch nicht variabel. Abhilfe schafft hier das Movotec SMS: Für bis zu drei Personen sind je nach Körpergröße über eine Memory-Taste individuelle Einstellungen speicherbar.

Infrage kommt eine Montage aber auch bei Verkaufs- und Service-Einrichtungen im Groß-und Einzelhandel, in der Gastronomie und Hotellerie oder im medizinischen Bereich etwas bei Therapie-Liegen. Selbst Küchenarbeitsflächen und -Spülbecken, Büro-, Näh- und Packtische lassen sich entsprechend nachrüsten. Erhältlich ist das System in vier Größen mit Hublängen von 150, 200, 300 oder 400 mm. Bei der 300er-Version lässt sich ein Objekt um maximal 300 mm (von 635 auf 935 mm) anheben, bei der 400er-Variante analog um bis zu 400 mm.

Technik wird Hydraulik ablösen

Andreas Strobel ist sich resümierend sicher: „Unser Movotec-System hat sich als Marke längst etabliert. Kleiner Bauraum ist bei Systemen zur Höhenverstellung inzwischen gefragter denn je. Der Trend bei Werkbänken geht weiter in Richtung Verschlankung bei gleichzeitig optisch ansprechen-dem Design. Deshalb werden moderne Höhenverstellungen wie das SMS die gängigen Hydrauliksysteme oder zu voluminöse Spindelsysteme sukzessive ablösen.“ Und fügt hinzu: „Es ist alles eine Frage der Leistungsdichte und der unkomplizierten Handhabung.“ (ud)

Motek 2016, Halle 6, Stand 6525

(ID:44199695)