Autonomes Fahren

Rennwagen rast mit 240 km/h über Nürburgring – ganz ohne Lenksäule

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Der R8 LMS GT3 schreibt Ringgeschichte: Zum ersten Mal hat ein Rennwagen ganz ohne Lenksäule die Nordschleife umrundet.
Der R8 LMS GT3 schreibt Ringgeschichte: Zum ersten Mal hat ein Rennwagen ganz ohne Lenksäule die Nordschleife umrundet. (Bild: Schaeffler Paravan/ Gruppe C Photography)

Beim 24h-Rennen raste der Audi R8 LMS GT3 mit 240 km/h über die Start- und Zielgerade am Nürburgring und das ganz ohne Lenksäule. Dahinter steckt die Steer-by-Wire-System Space Drive von Schaeffler Paravan.

Der Audi R8 LMS GT3 mit Steer-by-wire-System ist der erste vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) zugelassenen Rennwagen dieser Art. Ausgestattet ist der R8 LMS GT3 mit einem speziellen Force-Feedback-Lenkrad. Die Übertragung der Lenkbefehle erfolgt nicht mehr mechanisch, sondern innerhalb von Millisekunden über Kabel – also Steer-by-Wire – durch elektrische Impulse. Die Technologie Space Drive hat sich in den letzten 17 Jahren bereits auf gut einer Milliarde unfallfreien Kilometern bewährt, wird nach den höchsten Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen gefertigt und verfügt über eine Straßenzulassung. Die Technologie ist dreifach redundant ausgelegt: Fällt eine Steuerung aus, gibt es zwei Backup-Steuerungen, die eine absolute Ausfallsicherheit gewährleisten. „Der Motorsport fordert extrem. Es ist gelebte Praxis, dass man Technologien in diesem Bereich zum Einsatz bringt. Das erfordert Dauerhaltbarkeit und ermöglicht uns Anforderungen und System-Features zu überprüfen“, sagt Prof. Dr.-Ing. Peter Gutzmer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender sowie Technologievorstand der Schaeffler AG.

Rennsport als Testfeld für Steer-by-Wire-Systems

„Der Rennsport ist ein ideales Testfeld für die Weiterentwicklung des gesamten Drive- bzw. Steer-by-Wire-Systems auf Basis von Space Drive. Wenn wir jetzt an die Zukunft des autonomen Fahrens denken, werden solche Technologien unverzichtbar sein. Der Test unter Rennsportbedingungen ist eine ganz entscheidende Voraussetzung, um solche Lösungen in Serie zu bringen.“ Space Drive ist dabei eine wichtige Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren in Level 4 und 5 und eine Grundvoraussetzung für die Schaffung neuer Innenraumkonzepte. Schaeffler Paravan Technologie GmbH & Co. KG will das System bis 2021 zur Serienreife bringen.

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Beim 24h-Rennen auf dem Nürbergring hat der Schaeffler Paravan-Technologieträger Nordschleifengeschichte geschrieben. Zum ersten Mal in der Geschichte der traditionsreichen Rennstrecke ist der R8 LMS GT3 mit Rennfahrerin Rahel Frey und ganz ohne Lenksäule die Nordschleife gefahren. „Im Rennfahrzeug muss man schneller agieren als in einem Straßenfahrzeug“, weiß Rennpilot Markus Winkelhock. „Wenn das Fahrzeug ausbricht musst du ganz schnelle Lenkbewegungen nach rechts und links machen können. Da waren am Anfang meine Zweifel, ob die Motoren diesen Anforderungen gerecht werden. Aber das war kein Problem: Die Steuerung ist unglaublich schnell und unglaublich präzise.“

Es geht um hundertstel Sekunden

Beim nächsten Rennen der DMV GTC am 5. und 6. Juli am Hockenheimring wird der Steer-by-Wire R8 LMS GT3 wieder im Einsatz sein. „Space Drive ist noch nie im Rennsport eingesetzt worden. Es gab viele Fragen um Technik und Sicherheit zu beantworten“, berichtet Ralph Monschauer, Ausrichter der DMV GTC. Er hat den Antrag auf Rennzulassung gestellt. „Ein Sachverständiger hat das umgerüstete Rennfahrzeug inspiziert. Danach bekamen wir die Freigabe für Testfahrten ohne Zeitmessung beim Schaeffler Paravan Race-Weekend.“ Bereits beim Einstand in die Serie zeigte der umgebaute Audi R8 LMS GT3 eine beeindruckende Performance. Noch außerhalb der Wertung konnte Markus Winkelhock beim Schaefflern Paravan Race-Weekend bei beiden DMV GTC Wertungsläufen bis auf Platz fünf vorfahren.

„Im Rennsport wird die Technologie unter extremen Voraussetzungen getestet und bietet zusätzlich hohe Anforderungen an die Schnelligkeit und die Reaktionsfähigkeit des Systems. Das sind ideale Voraussetzungen, um das System weiterzuentwickeln“, sagt Roland Arnold, CEO der Schaeffler Paravan Technologie GmbH & Co. KG sowie Gründer und Geschäftsführer der Paravan GmbH. „Wenn man mit 250 Stundenkilometern die Ideallinie fahren und herunterbremsen kann, und da geht es um hundertstel Sekunden, dann zeigt das die Zuverlässigkeit des Systems.“

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