Weiterbildung Qualifikation in der Schraubtechnik: Zielgerichtet und bedarfsgerecht

Von Richard Gruber*/Juliana Pfeiffer*

Kommt es zu Störungen im Fertigungsprozess oder werden sogar Schraubverbindungen beschädigt, sind meist sehr komplexe Einflüsse die Ursache. Damit Mitarbeiter diese Fehler rechtzeitig erkennen und vermeiden können, hilft die Qualifikationsrichtlinie „VDI/VDE-MT 2637 Qualifikation in der Schraubtechnik“ die dafür notwendigen Mindestkenntnisse zu erlernen. Doch wie erreicht man eine zielgerichtete und bedarfsgerechte Qualifikation?

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Die Frage nach der richtigen Trainings- und Lernmethode stellen sich Unternehmen immer wieder.
Die Frage nach der richtigen Trainings- und Lernmethode stellen sich Unternehmen immer wieder.
(Bild: stock.adobe.com/thodonal)

Fügeverfahren wie Kleben oder Schweißen waren bis vor kurzem der Schraubtechnik in puncto systematische Qualifikation und Befähigung viele Jahre voraus. 2019 wurde die Schraubfachakademie (DSV) als eigener Geschäftsbereich des Deutschen Schraubenverbands e.V. gegründet. Sie verfolgt das Ziel, das Aus- und Weiterbildungsniveau im Bereich der Schraubenverbindungen auf breiter Basis zu erhöhen und zu festigen.

Doch wie wird nun eine Basisqualifikation auch bedarfsgerecht? Eine persönliche Profilanalyse kann jeden Mitarbeiter dabei helfen, welche konkreten Kompetenzen gemäß der aktuellen Verantwortung, Tätigkeit und Aufgabe individuell weiterentwickelt werden müssen. Dabei helfen die definierten Qualifikationsbausteine in der VDI/VDE-MT 2637. Ist man beispielsweise mit der Konstruktion von Verbindungselementen betraut, so findet sich im Qualifikationsbaustein Q3 ein Verweis auf das technische Regelwerk VDI 2230 für die systematische Berechnung hochbeanspruchter Schraubenverbindungen. Überprüft ein Mitarbeiter allerdings täglich Schraubwerkzeuge, dann sollte er gemäß Q23 auch die praktische Fachkompetenz erlangen, in welcher Form beispielsweise mechanische Adapter die Prüfergebnisse beeinflussen können.

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Wann ist Qualifikation bedarfsgerecht und zielgerichtet?

In einer individuellen Profilanalyse werden also konkrete Fragen zur beruflichen Tätigkeit gestellt und danach entsprechende Fachkompetenzen zugeordnet:

  • Bin ich für die Instandhaltung von Schraubwerkzeugen verantwortlich?
  • Arbeite ich in der Nacharbeit?
  • Auditiere ich Montageprozesse oder analysiere ich Verschraubungskurven?
  • Optimiere ich Prozessparameter an Schraubsystemen?
  • Definiere ich Werkzeuge und Prüfmittel? Bin ich Führungskraft?

Nach der Profilanalyse wird oftmals der individuelle Wissensstand abgefragt, um systematisch die bedarfsgerechte Qualifikation weiter voranzutreiben. Dabei wird ermittelt, welches Vorwissen in der schulischen und beruflichen Ausbildung sowie praktischen Erfahrung bereits individuell vorhanden ist. Dies erfolgt über Fachgespräche oder schriftliche, gerne auch anonymisierte Standortbestimmungen. Daraufhin werden diejenigen Trainings- und Lernmethoden ausgewählt, die am besten zur Qualifikation, zur beruflichen Lernumgebung und zum Unternehmen passen. Diese Methoden können rein klassisch, aber auch digitaler Art sein. Außerdem werden effektive Formen einer Überprüfung des individuellen Lernerfolges ausgelotet.

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Was ist nun die richtige Trainings- und Lernmethode?

Die Frage nach der richtigen Trainings- und Lernmethode stellen sich Unternehmen immer wieder. Hier haben Hersteller und Systemlieferanten in der Automobilindustrie ihre eigenen Methoden entwickelt. Diese orientieren sich dabei direkt an den Kompetenzstufen der Qualifikationsrichtlinie.

„Kennen“ beschreibt eine Kompetenzstufe, durch die „Personen über theoretisches Wissen mit geringer Anwendungserfahrung verfügen und in der Lage sind, vorstrukturierte Problemlösungen aus der Theorie auf praktische Fragestellungen anzuwenden“. Hierbei spielen mittlerweile Web Based Trainings (WBT) eine große Rolle. Für dieses autodidaktische Lernen werden programmierte, audiovisuelle Lerneinheiten auf einer Onlineplattform – frei von Raum und Zeit – bereitgestellt. So haben beispielsweise mehrere hundert Mitarbeiter aus den indirekten Bereichen eines Sportwagenherstellers über ca. 10 WBTs in der Basiskompetenz „Schraubenverbindungen und deren Eigenschaften“ trainiert.

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Digitale Trainingsmethoden als echte Alternative?

„Können“ ist gemäß VDI-Qualifikationsrichtlinie die Kompetenzstufe, in der „Personen vielfache Anwendungserfahrung haben und auch auf neue, unvorhergesehene Situationen adäquat reagieren können“. Hier haben sich überwiegend Präsenztrainings durchgesetzt. Diese finden als Inhousetraining, aber auch in einer neutralen, kreativen Lernumgebung eines darauf spezialisierten Trainingcenters statt. Alternativ werden professionelle Live Online Trainings (LOT) angeboten. Diese Schulungen werden live via Internet aus einem Ton- und Videostudio unter Einsatz immersiver Technologien und technischer Liveexperimente übertragen. Auch hier führt ein Trainer interaktiv durch das Training.

Seit 2019 bietet beispielsweise ein Automobilhersteller aus dem süddeutschen Raum seinen Mitarbeitern alle mehrtägigen Schraubtechniktrainings auch im digitalen Format via unseres Digital Training Centers (DTC) an.

Die Kompetenzstufe „Beherrschen“ versetzt Personen in die Lage, weitgehend „selbstorganisiert und intuitiv Probleme zu antizipieren, neue Lösungswege zu finden“. Das geht nur am Arbeitsplatz, heute spricht man von Training-on-the-Job (TON). Ein Trainer begleitet und unterstützt die Teilnehmer in den täglichen Handlungs- und Entscheidungsprozessen. Dabei wird das theoretische Wissen unmittelbar in die berufliche Praxis übertragen. Ein aktuelles Beispiel ist hier das praktische Training eines 25-köpfigen Prüfteams im Schichtbetrieb. Nachdem über digitale Trainingsmethoden die Basiskompetenzen vorab vermittelt wurden, wird das Team über mehrere Tage in ihrer täglichen Prüfroutine durch kompetente Trainer begleitet.

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Was hat Zukunft in der modernen Qualifikation?

Blended-Learning setzt sich als Lernmodell seit knapp fünf Jahren durch. Dabei werden computergestütztes Lernen und klassischer Unterricht systematisch kombiniert. Mit Train-the-Trainer-Programmen, mobilen und stationären Lernstationen sowie web-basierten Trainerleitfäden qualifizieren sich Mitarbeiter in Zukunft normenkonform, flexibel und kostengünstig z.B. auch Mitarbeiter in der Serienmontage. Das Trainingsmodell Hybrid-Training, in dem analoge und digitale Trainingsformen kombiniert und zeitgleich angewendet werden, ist nicht mehr wegzudenken. (jup)

* *Geschäftsführer Richard Gruber GmbH/Fachredakteurin Forschung & Entwicklung

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