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Sichere Automation Pilz übertrifft erstmals 300-Mio.-Euro-Marke

Autor: Sariana Kunze

Das Unternehmen Pilz vermeldet für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 einen neuen Umsatzrekord. Der Automatisierer aus Ostfildern konnte erstmals mit einem Wachstum von 6,2 Prozent die 300 Mio.-Euro-Marke knacken. Ende 2017 steht bei Pilz der Generationenwechsel an, Renate Pilz wird die Leitung des Unternehmens in die Hände ihrer Kinder übergeben.

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Pilz meldet einen neuen Umsatzrekord von über 300 Millionen Euro.
Pilz meldet einen neuen Umsatzrekord von über 300 Millionen Euro.
(Bild: Pilz)

„Es war ein sehr gutes Jahr für uns, obwohl es von Umsatzschwankungen geprägt war“, erklärt Susanne Kunschert, Geschäftsführende Gesellschafterin von Pilz. Das Unternehmen sei laut Kunschert mit 306 Mio. Euro Umsatz, einem Wachstum von 6,2 Prozent in 2016, stärker als vergleichbare Unternehmen im Maschinenbau oder der Elektronik gewachsen. Wichtige Wachstumsmotoren seien dabei die Sensorik und Antriebstechnik gewesen, obwohl der Hauptumsatz mit Steuerungstechnik und Antriebstechnik generiert wurde (66 %).

Rund 75 Prozent des Umsatzes erzielte Pilz 2016 in Europa, rund 15 Prozent in Asien und knapp 10 Prozent in Amerika. „Die Umsatzeinbußen in den USA sowie China konnte Pilz mit den Märkten Brasilien und Indien kompensieren“, kommentierte Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung von Pilz, die Entwicklung. Auch die Zahl der Mitarbeiter sei auf 2.200 in jetzt 40 Tochtergesellschaften angestiegen. Für 2017 wolle das Unternehmen weitere Arbeitsplätze, insbesondere in den Bereichen Customer Support und Entwicklung, schaffen.

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Kundennähe und Innovationen für die Digitalisierung

Mit einer F&E-Quote von erneut 19,8 Prozent bezogen auf den Umsatz 2016 will Pilz Innovationen weiter fördern. „Die Industrie befindet sich in einem Transformationsprozess. Vernetzung und Digitalisierung der Geschäftsprozesse verändern nicht nur die Produktion, sondern auch die Art, wie wir zusammenarbeiten. Wir sind gut aufgestellt, um diesen Wandel zu gestalten. Wir investieren nicht nur in F&E, sondern auch in den Generationenwechsel“, sagt Renate Pilz. „Die digitalen Geschäfte können den Kundenkontakt nicht ersetzen. Wir müssen uns mit guten und interessierten Mitarbeitern diesem Wandel stellen.“ Diese Kundennähe baute das Familienunternehmen auch 2016 weiter aus: Der Exportanteil stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 71,2 Prozent und das Vertriebs- und Service-Netzwerks wurde mit der Tochtergesellschaft Pilz South East Asia gestärkt.

Pilz setzt auf die sichere Roboter-Applikation

Der zunehmende Einsatz von Robotern im industriellen Umfeld steht immer häufiger in Verbindung mit einer möglichst engen Kollaboration zwischen Mensch und Maschine. „Bei der Mensch-Roboter-Kollaboration gehört der Kontakt zwischen Mensch und Roboter mit dazu“, erklärt Thomas Pilz, Geschäftsführender Gesellschafter bei Pilz, den Grund für den steigenden Bedarf an Sicherheitstechnik für die Mensch-Roboter-Kollaboration. Pilz unterstützt beispielsweise führende deutsche Automobilbauer bei der Umsetzung von Mensch-Roboter-Kollaborationen.

Ende 2017: Abschied von Renate Pilz

Ende des Jahres 2017 wird sich Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung, aus ihrer aktiven Rolle in der Geschäftsführung verabschieden und Pilz in die Hände ihrer Tochter Susanne Kunschert und ihres Sohnes Thomas Pilz übergeben. Den Geschäftsbereich „Markt“, für den Renate Pilz noch bis Ende 2017 verantwortlich ist, übergibt sie 2018 an ihre Tochter Susanne Kunschert. „Die Leitung des Familienunternehmens liegt künftig komplett bei meinen Kindern: Sie werden basierend auf unseren Unternehmenswerten und unserer Strategie auf gute und bewährte Weise das Unternehmen weiterführen“, legt Renate Pilz dar. „Ich sehe mit Gelassenheit in die Zukunft, das ist auch ein wichtiges Signal für unsere Mitarbeiter.“

Robuster Sicherheits-Laserscanner PSENscan

Der Sicherheits-Laserscanner PSENscan von Pilz überwacht bis zu drei getrennte Zonen gleichzeitig und erhöht so die Produktivität von Anlagen. Bis zu vier Sicherheits-Laserscanner können nach dem Master-Slave-Prinzip in Reihe geschaltet werden, was den Verkabelungs- und Einrichtungsaufwand deutlich verringert. Dank der freien Konfiguration der Warn- und Schutzfelder sowie der Anpassung an bestehende bauliche Gegebenheiten kann PSENscan in unterschiedlichste Applikationen einfach integriert werden. Das Anwendungsspektrum reicht von einer stationären Flächenüberwachung, über Fahrerlose Transportsysteme (FTS), bis hin zur Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK). In Verbindung mit den konfigurierbaren Kleinsteuerungen PNOZmulti oder den Steuerungen des Automatisierungssystems PSS 4000 von Pilz entsteht eine Komplettlösung aus einer Hand. Der Sicherheits-Laserscanner bietet eine zweidimensionale Flächenüberwachung mit einem großen Öffnungswinkel von 275°: Anwendungen, in denen mehrere aneinandergrenzende Seiten einer Maschine oder eines FTS überwacht werden sollen, können so im Vergleich zu einem 180°-Scanner mit einer geringeren Anzahl Geräte realisiert werden.

PSENscan ist dabei in unterschiedlichen Situationen flexibel einsetzbar, da verschiedene Zonenkonfigurationen hinterlegt werden können. So lassen sich beispielsweise für den Einricht- und Produktivbetrieb unterschiedlich große Sicherheits- und Warnzonen definieren oder sich die Zonen an das gerade bearbeitete Werkstück anpassen. Die flexible und einfach umsetzbare Anpassung an unterschiedlichste bestehende bauliche Gegebenheiten spart Zeit und Aufwand im Einrichtbetrieb. Der Scanner ist nicht nur in der Schutzart IP65 ausgelegt, sondern der ganze Aufbau des Gerätes wurde so optimiert, dass Fehler, die durch Staubpartikel ausgelöst werden, erkannt und somit vermieden werden. Statusinformationen oder Fehlermeldungen, wie die Aufforderung zur Reinigung, zeigt das Gerät auf dem integrierten Display an. Befinden sich Personen oder Objekte in der Warn- oder Sicherheitszone wird das mit einen farblich unterlegten Hinweis so auf dem Display signalisiert, dass dies auch auf größere Distanz gut erkennbar ist.

Smart schalten mit Not-Halt-Taster PITestop Active

Mit PITestop active bietet Pilz eine neue Familie von Not-Halt-Tastern an, die elektrisch aktiviert werden können. Sie signalisieren durch Beleuchtung, ob sie aktiv sind oder nicht. PITestop active bringt Vorteile für Anlagen und Maschinenparks, in denen Anlagenteile verschoben werden: Die Maschinenteile lassen sich mit ihm gemäß ISO 13850 je nach Bedarf sicher aktiv oder inaktiv schalten. Im Zusammenspiel mit den Steuerungssystemen PNOZmulti von Pilz, die bereits den modularen Aufbau von Anlagen unterstützen, sind flexible Sicherheitskonzepte einfach umsetzbar, wie sie vor allem auch die Smart Factory fordert. PITestop active steht in verschiedenen Varianten für den Ein- und Aufbau an der Maschine zur Verfügung: Die Einbauvariante mit Schutzklasse IP65 und die Aufbauvariante mit M12-Anschluss. Dabei können Anlagenmodule ab- oder hinzugeschaltet werden: Inaktive Maschinenteile können so kosten- und energiesparend abgeschaltet werden – ohne die zusätzliche Abdeckung inaktiver Not-Halt-Taster. Darüber hinaus ist im Notfall eine schnelle und eindeutige Zuordnung möglich, da nach Betätigung PITestop active diesen Zustand über permanentes Blinken anzeigt. Dies beschleunigt die Wiederinbetriebnahme der Maschinen und Anlagen und erhöht damit deren Verfügbarkeit.

Der Not-Halt-Taster erfüllt die Anforderungen der überarbeiteten Norm ISO 13850: Die Maschinenrichtlinie stellt insbesondere hohe Anforderungen an die klare Erkennbarkeit und Verfügbarkeit des Not-Halt-Tasters an einer Maschine. Bislang musste ein inaktiver Not-Halt abgedeckt werden, um im Gefahrenfall Verwechslungen auszuschließen. In der Praxis war das teilweise schwer umsetzbar. Jetzt gibt die überarbeitete ISO 13850 neue Gestaltungsmöglichkeiten. Diese Norm definiert nun erstmals, dass auch für Not-Halt-Taster ein dritter Zustand „inaktiv“ definiert ist. Die sicher überwachte Beleuchtung durch Not-Halt-Taster ermöglicht nun eine sichere Aktivierung.

Sichere Roboterapplikationen dank Miet-Messsystem

Echte MRK kommt ohne trennende Schutzzäune zwischen Mensch und Roboter aus. Wie dies sicher umgesetzt werden kann, zeigt Pilz auf der Hannover Messe am Beispiel einer nach dem Prinzip der Leistungs- und Kraftbegrenzung und komplett mit Produkten aus dem Portfolio von Pilz abgesicherten MRK-Applikation. Hier kommen gleich zwei neue Produkte für die sichere MRK zum Einsatz. Mit dem innovativen Kraft- und Druckmesssystem PROBms bietet Pilz ein komplettes Paket für die Validierung von MRK-Applikationen an. Im Set enthalten ist ein Kollisionsmessgerät gemäß ISO/TS 15066. Das Kraft- und Druckmesssystem ist international auf Mietbasis erhältlich.

Auch der neue Safety Laser Scanner PSENscan unterstützt Anwender von Roboterapplikationen: Insbesondere in schlecht einsehbaren Gefahrenbereichen solcher Applikationen können Personen leicht unbemerkt bleiben. Im Gegensatz zur Absicherung durch Lichtgitter überwacht PSENscan permanent den gesamten Gefahrenbereich. So wird ein Wiederanlaufen verhindert, falls sich noch eine Person im Gefahrenbereich befindet. Dies sorgt für eine gesteigerte Produktivität sowie Ergonomie der Anlage und erhöht gleichzeitig die Sicherheit.

Pilz stellt IIoT-Gateway auf Raspberry Pi Basis vor

Auch mit in Hannover: Der Open-Source-Industrie PC Industrial PI für die digitale Automation. Der „wandelbare“ Industrie-PC auf Basis des Raspberry Pi unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung einer Smart Factory. Der Industrie PC von Pilz ist durch frei verfügbare Software in vielen Anwendungsbereichen einsetzbar. Als IIoT-Gateway sammelt der Industrial PI Daten im direkten Umfeld von Maschinen und Anlagen, wertet sie aus und verarbeitet sie. So verbindet der neue Industrie PC von Pilz das Internet der Dinge der industriellen Umgebungen mit Cloud-Services.

Visualisierung mit OPC UA-Schnittstelle

Auch der Bereich Bedienen und Beobachten wurde erweitert: Auf der Hannover Messe stellt Pilz die neue Version 1.4 der webbasierten Visualisierungslösung PASvisu vor: Bei dieser erlaubt eine OPC UA-Schnittstelle die Anbindung an die Kleinsteuerungen PNOZmulti und andere Steuerungssysteme. Damit werden Steuerung und Visualisierungssoftware miteinander verknüpft und alle Informationen der Steuerung übernommen.

Hannover Messe: Halle 9, Stand D17

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Über den Autor

 Sariana Kunze

Sariana Kunze

Fachredakteurin Automatisierung, Vogel Commnications Group GmbH & Co. KG