Wälzlager NSK: 100 Jahre führend in der Antriebstechnik

Redakteur: Katharina Juschkat

Der Wälzlagerhersteller NSK feiert 2016 ein rundes Jubiläum: Takehiko Yamaguchi gründete 1916 mit 350.000 Yen Kapital, umgerechnet etwa 2.655 Euro, das Unternehmen NSK und war damit der erste japanische Hersteller von Wälzlagern. Heute hat das Unternehmen bei Wälzlagern den größten Marktanteil in Japan und gehört zu den weltweit größten Wälzlagerherstellern.

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Das Unternehmen im Wandel der Zeit: So sah das ursprüngliche NSK-Werk in Osaki im Jahr 1916 aus.
Das Unternehmen im Wandel der Zeit: So sah das ursprüngliche NSK-Werk in Osaki im Jahr 1916 aus.
(Bild: NSK)

Seit 100 Jahren beliefert NSK den Maschinenbau mit Antriebstechnik. Damals begann das Unternehmen in Japan für Industriebereiche wie Bergbau, die Eisenbahnindustrie, die Textilindustrie und den Schiffsbau zu produzieren. Während des ersten Weltkriegs nahmen der Schiffsbau und andere Branchen eine rasante Entwicklung und Japan baute seine Position als führende Industrienation aus.

In den Folgejahren entwickelte sich das Unternehmen rasch. So produzierte das Unternehmen 1932 das erste japanische Kegelrollenlager für eine von den Staatsbahnen verwendete benzinbetriebene Fahrzeugachse. Nur fünf Jahre später gründete man das Wälzlager-Produktionswerk in Fujisawa, welches bis heute in Betrieb ist.

1945: NSK produziert Hauptwellenlager der japanischen Marine

Während des zweiten Weltkriegs richtete die japanische Industrie ihre Produktion für den militärischen Bedarf aus. Auf Anweisung der Regierung übernahm NSK die Produktion von Wälzlagern für Flugzeuge und Automobile. Aufgrund der Kriegsereignisse konnten bald keine Lager mehr nach Japan importiert werden, deshalb eröffnete das Unternehmen eine Reihe von Produktionsstätten und erhöhte kontinuierlich die Produktionskapazitäten. Kurze Zeit später nahm man die Produktion von Japans ersten neuzeitlichen Kugel- und Rollenlagern auf. Eine weitere Premiere gelang NSK 1945 mit der Produktion der Hauptwellenlager für das Stahltriebwerk „Ne20“ der japanischen Marine.

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Nachkriegszeit: Neue Zielmärkte entstehen

1949 ging das japanische Unternehmen erstmals an die Börsen in Tokyo, Osaka und Nagoya. Diesem Schritt folgte eine Periode mit starkem Wirtschaftswachstum im Nachkriegsjapan. In den späten 1950er Jahren entstand eine Anzahl neuer Zielmärkte. Die Firma lieferte Wälzlager für Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Waschmaschinen und Kühlschränke. Zur selben Zeit entwickelte das Unternehmen Präzisions-Kugelgewindetriebe für Lenksysteme in Autos und LKWs. Im Laufe der Jahre hat das Unternehmen mit Entwicklungen unter anderem zur Herstellung von Düsenflugzeugen, Wärmekraftanlagen, dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, Videorecordern, Satelliten und PC-Festplatten beigetragen.

Miniaturkugellager für Dental-Bohrer

Im folgenden Jahrzehnt gründete NSK zunächst in Michigan in den USA sein erstes Verkaufsbüro außerhalb Japans, gefolgt von weiteren ausländischen Unternehmensstandorten. In den Sechzigerjahren entstanden auch die Miniaturkugellager für Dental-Bohrer, die mit ca. 450.000 min-1. rotieren. Durch derart hohe Drehzahlen konnten die Schmerzen während der Behandlung gemindert werden. Zusätzlich begann das Unternehmen die Produktion von Teilen für Kfz-Automatikgetriebe.

Von der Servolenkung bis zu Assistenzrobotern

In den Siebzigerjahren eröffnete NSK eine Produktionsstätte bei São Paulo in Brasilien sowie weitere neue Fertigungsstätten in Nordamerika, Großbritannien und Asien. 1982 gründeten die japanischen Entwickler das Technologiezentrum ETC, um dort intensiv in den Bereich Elektronik einzusteigen. Dieser Schritt führte zu heutigen mechatronischen Technologien wie der elektrischen Servolenkung (EPS) und Assistenzrobotern. In den Neunzigerjahren übernahm das Unternehmen schließlich die UPI Gruppe. Dazu gehörte unter anderem der größte Wälzlagerhersteller Großbritanniens – RHP. Die Erweiterung von Produktions- und Vertriebsstandorten in allen europäischen Märkten führte zu einer gestärkten Marktpräsenz in Europa. Im selben Jahrzehnt dehnte NSK seine Unternehmen insbesondere nach China aus. Die Unternehmensstruktur sollte dadurch gestärkt werden, dass Forschung und Entwicklung, Vertrieb und technischer Service lokal verantwortet wurden. In Schwellenmärkten wie Indien und Indonesien errichtete man ebenfalls weitere Produktionsstätten.

Verstärkte Exporte ab 2000

In den Jahren ab 2000 verstärkte NSK zum einen die Exporte aus Japan, zum anderen seine Produktion in anderen Ländern und forcierte die Entwicklung neuer Produkte. So produzierte man beispielsweise 2004 das damals kleinste Rillenkugellager mit einem Außendurchmesser von 2 mm in Massenproduktion.

Die Einführung des Euro als EU-weite Einheitswährung führte zu verstärktem Wirtschaftswachstum in ganz Europa. NSK Europe mit dem Hauptsitz in Großbritannien hat eine umfassende Restrukturierung abgeschlossen und ist nun so aufgestellt, dass es seine Kunden mit Dienstleistungen zielgerichtet und individuell bedienen kann.

NSK nach der Weltwirtschaftskrise 2008

Mit der Erholung der Weltwirtschaft nach 2009 hat NSK den Aufbau seiner weltweiten Unternehmensstruktur fortgesetzt, um das geeignete Konzernfundament für ein Unternehmen dieser Größe zu schaffen. Im März 2015 hatte die NSK-Gruppe insgesamt 31.088 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein weltweites Netzwerk von 214 Standorten in 30 Ländern.

An 65 Produktionsstandorten erzeugt das Unternehmen jährlich etwa 2,2 Milliarden Lager und stellt der Industrie seit hundert Jahren Produkte in den Bereichen Antriebstechnik und Präzisionsmaschinenelemente zur Verfügung.

Das Unternehmen heute

Der europäische Bereich des Unternehmens erwirtschaftet mit 3500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Jahresumsatz im Jahr 2015 von 1 Milliarde Euro. Das Unternehmen mit Produktionswerken in Deutschland, Polen und Großbritannien hat im vergangenen Jahrzehnt viele Lieferantenauszeichnungen erhalten, unter anderem von OEM-Kunden wie Bosch, BSH, Continental, DMG-Mori, Festool, Kessler, PSA, Toyota und Volkswagen.

Zudem hat sich NSK in den Märkten für Automotive-Komponenten, Präzisionsmaschinen und -teile sowie für lineartechnische Produkten etabliert. In diesen Bereichen erzielte NSK zum Geschäftsjahresende März 2015 einen Gesamtumsatz von 974,9 Milliarden Yen (etwa 7,4 Milliarden Euro). (kj)

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