VDMA Neue Ära löst Boom bei Robotik und Automation aus

Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Sariana Kunze

Die Unternehmen im VDMA-Fachverband Robotik + Automation befindet sich derzeit in ausgezeichneter Verfassung. „Für 2014 gehen wir von einem Zuwachs von 7 Prozent auf einen Branchenumsatz von 11,2 Mrd. Euro aus“, sagt Hans-Dieter Baumtrog, Sortimat Assembly Technology, Winnenden, und Vorsitzender des Vorstands von VDMA Robotik + Automation, anlässlich der Jahrespressekonferenz des Fachverbandes am Montag in Frankfurt.

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Die Geschäfte der deutschen Roboterhersteller laufen gut und sollen dank Industrie 4.0 weiter zulegen.
Die Geschäfte der deutschen Roboterhersteller laufen gut und sollen dank Industrie 4.0 weiter zulegen.
(Bild: Kuka)

Die deutschen Hersteller von Robotik und Automation, das heißt von Robotik, Integrated Assembly Solutions und Industrieller Bildverarbeitung, bieten Systeme für zahlreiche Zukunftsfragen, wie der VDMA weiter mitteilt. Jeder neunte Roboter, der 2013 in der Welt installiert wurde, sei aus deutscher Produktion gekommen. Integrated-Assembly-Systeme seien in aller Welt gefragt, um Montageprozesse präzise, schnell und zuverlässig zu gestalten. In der Industriellen Bildverarbeitung stehe Software zur automatischen Bildauswertung aus Deutschland an der technischen Spitze. Die deutschen Hersteller von Bildverarbeitungskameras hätten ihren Umsatz zwischen 2009 und 2013 mehr als verdoppelt. „Es steht außer Zweifel: Die weltweite Nachfrage nach Produkten und Lösungen der Robotik und Automation aus Deutschland ist hoch und steigt beständig an“, meint Baumtrog.

Chinesischer Markt treibt die weltweite Roboternachfrage voran

Die Exportquote stieg laut VDMA-Mitteilung von 45 Prozent im Jahr 2008 auf 55 Prozent im Jahr 2013. In absoluten Werten habe sich das Exportvolumen in diesem Zeitraum um 37 Prozent auf 5,7 Mrd. Euro erhöht. Mit einer Verdreifachung des Umsatzes in der Zeit zwischen 2008 und 2013 seien von China die stärksten Wachstumsimpulse ausgegangen. „China ist seit 2010 der größte Auslandsmarkt für Robotik + Automation. Ein weiterer Wachstumstreiber war vor allem in den letzten drei Jahren Nordamerika“, berichtet Baumtrog.

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Der Erfolg der deutschen Industrie hänge mit dem Einsatz von Automation zusammen: 2012 seien auf 10.000 Beschäftigte in verarbeitenden Gewerbe 273 Roboter gekommen. „Die so genannte Roboterdichte – ein gutes Maß für den Automatisierungsgrad – war damit mehr als doppelt so hoch wie in Frankreich und mehr als vier Mal höher als im Vereinigten Königreich“, sagt der VDMA-Fachverbandsvorstand. Eine höhere Roboterdichte könnten nur Japan und Korea aufweisen.

Doch der chinesische Robotermarkt sei nicht nur der am schnellsten wachsende, sondern nach Analysen des Weltroboterverbandes IFR seit 2012 auch der größte der Welt. „Bei einer erst geringen Roboterdichte von etwa 20 Robotern pro 10.000 Industriebeschäftigten ist das weitere Wachstumspotenzial enorm“, erwartet Baumtrog. Die IFR prognostiziere für den Zeitraum von 2014 bis 2016 eine Zunahme der weltweiten Roboterlieferungen um jährlich 5 Prozent. Ende 2016 würden dann 1,7 Mio. Industrieroboter auf der Welt im Einsatz sein.

Hohe Roboterdichte geht mit Einstellungen von Menschen einher

„Schon heute nehmen Maschinen den Menschen monotone, gesundheitsschädliche und niederwertige Arbeiten ab. Dennoch ist die menschenleere Fabrik allen Unkenrufen zum Trotz Fiktion geblieben“, erläutert Baumtrog und nennt als Beispiel die deutsche Automobilindustrie. Sie beschäftige trotz ihres extrem hohen Robotereinsatzes über 770.000 Mitarbeiter.

Zwischen 2010 und 2013 sei die Beschäftigung dort um gut 7 Prozent gestiegen und habe weltweit mit über 1100 Robotern auf 10.000 Beschäftigte eine der höchsten Roboterdichten erreicht. „Die hohen Roboterinvestitionen der deutschen Automobilindustrie in diesem Zeitraum, im Schnitt fast 9000 Stück pro Jahr, gehen also mit einem spürbaren Aufbau von Beschäftigung einher“, sagt Baumtrog.

Zusammenarbeit von Mensch und Roboter vor gewaltigem Umbruch

„So wie das Internet die Kommunikation zwischen Menschen verändert hat, wird es auch die Art und Weise verändern, wie die Menschen mit Maschinen interagieren. Zusätzlich werden sich Maschinen und Geräte in der Produktion direkt miteinander unterhalten“, prognostiziert Baumtrog. „Die größte Umwälzung in der Robotik wird dabei die direkte Zusammenarbeit von Mensch und Roboter sein. Das setzt umfangreiche Sicherheitstechnik voraus, die von unseren Mitgliedsfirmen mit großem Einsatz entwickelt wird.“

Nach Analysen der IFR sei davon auszugehen, dass zwischen 2013 und 2016 weltweit mindestens 95.000 neue professionelle Serviceroboter mit einem Wert von circa 12,3 Mrd. Euro verkauft werden. „Dabei können unsere Mitgliedsfirmen ihre Innovationen aus der Industrierobotik in das Wachstumsfeld der professionellen Servicerobotik übertragen“, sagt Baumtrog. „Diese Synergieeffekte werden die weitere Entwicklung vorantreiben.“

Einsatzfelder außerhalb der Industrie für Robotik + Automation weiten sich aus

Die nicht industriellen neuen Einsatzfelder für die Robotik + Automation beschränken sich nicht auf die Servicerobotik, wie es in der Mitteilung heißt. „Bildverarbeitungssysteme werten automatisch die Bewegungen der Fußballspieler in der Bundesliga aus, ermöglichen Augen-OP-Simulatoren und bewerkstelligen das selektive Aufbringen von Pflanzenschutzmitteln im Präzisionsackerbau“, berichtet der VDMA-Fachverbandsvorsitzende. „Handhabungssysteme stellen in den automatisierten Apotheken von Großkliniken sicher, dass jeder Patient die richtig zusammengestellte tägliche Medikation erhält.“ Viele neue Einsatzfelder für die Robotik und Automation würden hinzukommen.

Europa setzt auf die Robotik und hat zu diesem Zwecke das größte Forschungsrahmenprogramm zur Weiterentwicklung dieser Technik unter dem Namen Horizon 2020 ins Leben gerufen, wie es in der Mitteilung heißt. Etwa 700 Mio. Euro Fördergelder würden der europäischen Robotik in den kommenden sieben Jahren zur Verfügung gestellt.

Europa repräsentiere bereits 32 Prozent des globalen Marktes für Industrierobotik und plane, diesen Anteil noch stark auszuweiten. Dabei habe sich Europa nicht nur die Technik vorgenommen, sondern arbeite auch aktiv an den ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen, die eine neue Ära der Robotik und Automation aufwirft.

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