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Montage und Handhabung „Näher, sogar viel näher“

Autor / Redakteur: Jan Vollmuth / Ute Drescher

Cobot und Mensch kommen sich immer näher. Ob aus dieser Beziehung jemals die perfekte Harmonie wird, darüber hat konstruktionspraxis mit Dr. Klaus Kluger, General Manager Central East Europe bei Omron gesprochen.

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„Die hohe Kunst wird es in Zukunft sein, zu wissen, für welche Anwendung man welchen Roboter einsetzt“, ist Dr. Klaus Kluge von Omron sicher.
„Die hohe Kunst wird es in Zukunft sein, zu wissen, für welche Anwendung man welchen Roboter einsetzt“, ist Dr. Klaus Kluge von Omron sicher.
(Bild: Omron)

Wie nah kommen sich Roboter und Maschine in Zukunft?

Dr. Klaus Kluger: Die aktuellen technischen Entwicklungen geben darauf eine klare Antwort: Näher, sogar viel näher, vor allem in der Zusammenarbeit mit dem Menschen. Sicherlich kann man die derzeit boomende kollaborative Robotik mit dem damit verbundenen Wegfall der klassischen Schutzzäune hier als Meilenstein nennen. Aber auch in der mobilen Robotik werden die Geräte zunehmend leistungsfähiger, zum Beispiel indem sie Hindernisse dynamisch erkennen, also sehen, in welche Richtung diese sich bewegen und dann gezielt dahinter vorbeifahren.

Dr. Klaus Kluger ist General Manager Central East Europe bei Omron.
Dr. Klaus Kluger ist General Manager Central East Europe bei Omron.
(Bild: Omron)

Sehen Sie Roboter weiter primär in der Zuführung oder verschmelzen Maschine und Roboter?

Klaus Kluger: Einfache Aufgaben wie Pick&Place oder die von Ihnen genannte Zuführung sind ein guter Einstieg in das Thema kollaborative Robotik. Mit dem aus diesen Applikationen generierten Wissen kann man sich aber auch an neue, anspruchsvollere Aufgaben wagen, angefangen von Montagetätigkeiten über Verpackung, bis hin zur Palettierung. Aber auch die Industrie-Robotik entwickelt sich kontinuierlich weiter, sodass die hohe Kunst sein wird, zu wissen, für welche Anwendung man welchen Roboter einsetzt. Hier können wir mit unserer Expertise von Anfang an unterstützen.

Welche Aufgaben werden Cobots in Zukunft übernehmen?

Klaus Kluger: Ich würde gerne an dieser Stelle eines unserer Leitmotive zitieren: „Human and machine in perfect harmony!“ Unser Ziel ist also, die Zusammenarbeit von Menschen und Robotern so harmonisch wie möglich zu gestalten. Gerade aus den Gesprächen mit Verbänden und Gesundheitsorganisationen können wir einen steigenden Bedarf an Mitarbeiterentlastung, Ergonomie und anderen Gesundheitsaspekten wie Kontamination feststellen. Die Einsatzbereiche erstrecken sich hier von der Unterstützung bei Hebeaufgaben bis hin zur Kontaktvermeidung mit verschmutzten Teilen.

Wenn wir hier einen Blick in die nicht allzu ferne Zukunft werfen, sind Lösungen in der Physiotherapie oder Massage genauso vorstellbar wie die Desinfektion von Inventar oder Räumen. In beiden Fällen gibt es schon sehr spannende Lösungsansätze und Pilotprojekte, die wir teilweise sogar persönlich begleiten.

Werden Cobots Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten oder weitgehend selbstständig?

Klaus Kluger: Lassen Sie mich die Antwort an einem Beispiel erläutern, das wir alle kennen: Nehmen wir zwei Menschen, die gemeinsam einen 25 kg schweren Umzugskarton eine Wendeltreppe heruntertragen. Diese Aufgabe erfordert ein hohes Maß an Kraft, Koordination aber vor allem intuitiver Abstimmung der Tragenden, mit allem, was unser Gehirn, unsere Muskeln und Nervenstränge hergeben. Hier kann man definitiv von echter Kollaboration sprechen. In 95 % aller Fälle arbeiten Cobots aber nicht kollaborativ, sondern kooperativ.

Buchtipp

Das Buch Industrieroboter ist ein Handbuch für KMU mit Tipps und Tricks zum Thema Robotereinsatz. Es werden die wichtigsten Grundlagen der Robotertechnik vermittelt und Methoden erläutert, wie bewertet werden kann, ob sich ein Produkt oder Prozess durch Robotereinsatz automatisieren lässt.

Bei der Suche nach Anwendungen für Cobots hilft zum Start die Frage: „Welche sich ständig wiederholenden Aufgaben kann ich mit verbundenen Augen und einer Hand, die in einem Fäustling-Handschuh steckt, erledigen?“

Darüber hinaus darf ein Roboter ohne Schutzzaun aus Sicherheitsgründen nur mit einer sehr begrenzten Geschwindigkeit arbeiten. Wenn man aus wirtschaftlichen Gründen oder fehlenden Programmierkenntnissen auf einen Cobot für diese Arbeit setzt, ist das ein guter Gedanke, aber wenn es auf Geschwindigkeit ankommt, sollte man eher auf klassische Robotik mit Schutzzaun setzen.

Wie aufwändig müssen Cobots für die Produktion eingelernt werden?

Klaus Kluger: Hier sprechen Sie einen der Hauptvorteile der kollaborativen Roboter an: Die Einfachheit der Konfiguration und damit die Flexibilität. Für den zunehmenden Wunsch nach individuellen Produkten seitens der Kunden, Schlagwort „Losgröße 1“, ist ein Cobot die richtige Antwort. Bei unseren Omron-Cobots vereinen sich aber noch mehr Lösungen in einem System: Die klassische, zeitaufwändige und teure Programmierung als Beispiel entfällt komplett und wird stattdessen mit einer einfach zu bedienenden grafischen Oberfläche durch Drag-&-Drop-Menüs ersetzt, wie bei einem Handy, das auch ohne große Vorkenntnisse bedient werden kann. Diese Einfachheit wird unterstützt durch die angesprochene integrierte Kamera, idealerweise auch zur Teileinspektion oder fürs Codelesen. Aber in Verbindung mit der patentierten sogenannten „Landmark“ kann sogar eine Referenzierung in allen drei Achsen erfolgen. Übersetzt heißt das: Wenn Sie mit dem Cobot auf einer mobilen Plattform an einen Arbeitsplatz fahren, findet der Cobot durch diese „Landmark“-Referenzierung seine optimale Position und arbeitet die Aufgabe ab. Einfacher geht es nicht. Ich erinnere mich immer wieder gerne, wie unser CEO in Japan beim globalen Video-Launch eine einfache Pick-&-Place-Anwendung in unter einer Minute umgesetzt hat.

Was sind die wichtigsten Trends der Zukunft?

Klaus Kluger: Ich bin überzeugt davon, dass die rasante Weiterentwicklung von Kommunikationsplattformen wie OPC UA oder MQTT völlig neue Möglichkeiten eröffnen wird. Natürlich muss man in diesem Zusammen­hang auch Künstliche Intelligenz nennen. Diese Technologien werden sicherlich auch in die Robotik Einzug halten und die eingangs erwähnte Harmonie zwischen Mensch und Maschine weiter vorantreiben.

Vielen Dank Herr Kluger.

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Über den Autor

 Jan Vollmuth

Jan Vollmuth

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