Wasserkraft „Monster-Turbine“ ist der neue Stolz der chinesischen Nation

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

China hat den derzeit größten Turbinen-Generator der Erde in Betrieb genommen: Die 1-Gigawatt-Turbine ist eine von insgesamt 16 solcher „Monster”-Stromerzeuger im neuen Baihetan-Wasserkraftwerk und hat am 28. Juni erstmals Strom erzeugt. Ein Schritt in die bis 2060 angestrebte Klimaneutralität Chinas.

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Am Oberlauf des Jangtsekiang entsteht derzeit mit einer Kapazität von insgesamt 16 Gigawatt das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Erde. Kürzlich wurde eine neue Mega-Turbine in Betrieb genommen.
Am Oberlauf des Jangtsekiang entsteht derzeit mit einer Kapazität von insgesamt 16 Gigawatt das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Erde. Kürzlich wurde eine neue Mega-Turbine in Betrieb genommen.
(Bild: ©kiri - stock.adobe.com)

Das neue Wasserkraftwerk steht mit seinem 289 Meter hohen Damm am „Jinsha“- oder Goldsand-Fluss, dem Oberlauf des Jangtsekiang. Sobald es komplett fertiggestellt ist, wird es mit einer Kapazität von insgesamt 16 Gigawatt das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Erde sein, gleich nach dem Kraftwerk am Dreischluchten-Damm, das eine Kapazität von 22,5 Gigawatt hat.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping persönlich hat das Projekt als Durchbruch für Chinas fortgeschrittene Fertigungsindustrie bezeichnet und in einem Gratulationsschreiben an die Betreiber geschrieben:

Baihetan ist das größte und technisch schwierigste Wasserkraft-Projekt, das sich derzeit auf der ganzen Erde in Bau befindet.

Aktuell das größte Wasserkraftwerk der Erde: das Kraftwerk am Dreischluchten-Damm.
Aktuell das größte Wasserkraftwerk der Erde: das Kraftwerk am Dreischluchten-Damm.
(Bild: ©Daniel Dörfler - stock.adobe.com)

„Go-West“-Projekt: Strom für die industrialisierte Ostküste

Das Baihetan-Kraftwerk wird von der „China Three Gorges Corporation“ in Kooperation mit einigen anderen Staatsbetrieben gebaut. Der Bau hat vor vier Jahren begonnen und soll im Juli 2022 abgeschlossen sein. Etwa zur selben Zeit soll auch die erste Ultra-Hochspannungsleitung bereit stehen, die den Strom vom Baihetan-Kraftwerk, das in einer bergigen Region auf der Grenze der Provinzen Sichuan und Yunnan liegt, über mehrere tausend Kilometer weit bis an die chinesische Ostküste befördern soll.

Der neue Staudamm und das Kraftwerk sind damit ein Teil des chinesischen „Go-West“-Projektes, das den Strommangel in den bevölkerungsreichen und stark industrialisierten Provinzen an der chinesischen Ostküste wie Zhejiang und Jiangsu in der Nähe von Shanghai lindern soll. Baihetan ist daher, trotz seiner Größe, nur eines von vier neuen Wasserkraftwerken am Oberlauf des Jangtse. Die anderen drei sind bereits in Betrieb genommen worden, zuletzt das Wudongde-Wasserkraftwerk mit einer Kapazität von 10,2 Gigawatt. Gemeinsam werden die vier Kraftwerke mit 46 GW mehr als doppelt soviel Strom erzeugen wie das am Drei-Schluchten-Damm.

Das Wudongde-Wasserkraftwerk hat eine Kapazität von 10,2 Gigawatt.
Das Wudongde-Wasserkraftwerk hat eine Kapazität von 10,2 Gigawatt.

Das nun gerade installierte Turbinenlaufrad ist von der „Harbin Electric Corporation“ gebaut worden, die insgesamt acht der 16 Turbinen-Generatoren am rechten Ufer des Flusses liefern wird; die acht weiteren Generatoren am linken Flussufer werden von „Dongfang Electric Machinery“ geliefert, einem weiteren chinesischen Staatsbetrieb.

Neuartige Konstruktion der Turbinenlaufräder

Stolz ist man in China nicht nur auf den Weltrekord mit einer Million Kilowatt, der größten Kapazität einer einzelnen Stromerzeugungs-Einheit der Erde, wie die chinesische Industriezeitung Zhongguo Gongye Bao betont. Die bislang größten hätten eine Kapazität von maximal 800.000 KW gehabt, schreibt die Zeitung. Auch die technischen Details der in China entwickelten Turbinenlaufräder werden von den staatlichen Medien des Landes als besonders innovativ gefeiert:

Der Einsatz von Turbinenlaufrädern mit langen und kurzen Schaufeln gleichzeitig ermögliche eine besonders „effiziente und stabile Operation“ des Kraftwerks, sagte Qin Daqing, der Chefingenieur der „Harbin Electric Machinery Company Ltd.“ im Staatsfernsehen. Man habe 13 verschiedene Laufräder getestet und sich schließlich für eine neuartige Konstruktion mit 15 langen und 15 kurzen Schaufeln entschieden, zitierte der Sender CCTV den Konstrukteur.

China will bis 2060 klimaneutral sein

China habe derzeit rund 350 Gigawatt an Wasserkraft-Kapazität installiert, berichtet die Hongkonger Zeitung South China Morning Post. Rund 100 Gigawatt sollen noch dazu kommen. Obwohl Chinas Medien momentan den Beitrag der Wasserkraft zur Energiewende und für die bis 2060 angestrebte Klimaneutralität des Landes loben, hat dieser Beitrag dennoch natürliche Grenzen: Es gibt bald auch in China einfach keine weiteren Flüsse mehr, an denen solche Mega-Staudämme gebaut werden können.

Wenn wir das Ziel der Klimaneutralität erreichen wollen, dann wird das größere Potenzial von der Sonnen-, Wind- und geothermischen Energie kommen.

Yang Fuqiang, Energie-Institut der Peking-Universität, in der South China Morning Post

Über den Autor

*Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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