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Medizinprodukte Mit hygienischem Design gegen Pathogene

Nicht nur die Hygienemaßnahmen in Krankenhaus und Arztpraxis helfen dabei, die Übertragung von Pathogenen zu stoppen – auch die Industrie kann mit hygienischem Produktdesign einen Beitrag leisten. MEDICA.de hat dazu Sebastian von der OTH Amberg-Weiden interviewt.

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(Bild: PantherMedia / sielemann)

Herr Dr. Buhl, was genau ist „hygienisches Design“ bei Medizinprodukten?

Sebastian Buhl
Sebastian Buhl
(Bild: Messe Düsseldorf GmbH)

Dr. Sebastian Buhl: Im Prinzip versteht man unter hygienischem Design bei einem Medizinprodukt, dass dieses besser gereinigt werden kann oder dass sein Kontaminationsrisiko geringer ist. Es geht dabei sowohl um die Auswahl der verwendeten Materialien als auch um konstruktive Detaillösungen. Das verwendete Material sollte gut aufzubereiten sein und in diesem Zusammenhang auch eine Beständigkeit gegenüber den gängigen Desinfektionsmitteln besitzen.

Da es bei den Medizinprodukten keine speziellen Vorgaben gibt, sind die Detaillösungen meist von anderen Normen, wie der Lebensmittelnorm, übernommen. Hier ist darauf zu achten, problematische Lösungen, wie scharfe Kanten, Spalten oder Hohlräume zu vermeiden.

Bei welchen Medizinprodukten ist ein solches Design besonders wichtig?

Buhl: Das ist bei allen hygienisch relevanten Oberflächen wichtig, also Oberflächen, von denen ein Kontaminationsrisiko für den Patienten oder die Mitarbeiter ausgeht. Allerdings ist die Beurteilung einer solchen „hygienischen Relevanz“ nicht immer einfach zu führen. Hierbei kommt es neben der Oberfläche an sich auch auf die Umgebung an, in der diese zu finden ist. Eine Oberfläche in einem Patientenzimmer auf der Normalstation ist anders zu bewerten als eine Oberfläche in einer Intensiv- oder Brandverletztenstation.

Prinzipiell kann man vielleicht sagen: ein hygienisch optimiertes Design ist für alle Medizinprodukte wichtig, von denen ein Risiko der Keimverschleppung und damit ein Infektionsrisiko für Patient oder Mitarbeiter ausgeht.

Was für antimikrobielle Technologien sind heute schon flächendeckend verfügbar?

Buhl: Es gibt im Bereich der antimikrobiellen Oberflächen eine große Zahl an Technologien, die auch heute schon eingesetzt werden. Zu diesem Thema ist dieses Jahr der Statusbericht „Antimikrobielle Oberflächen zur Infektionsprävention“ aus unserer VDI Arbeitsgruppe veröffentlicht worden, in dem ein guter Überblick über solche Oberflächentechnologien gegeben wird. Eine im Rahmen des AMiCI (Anti Microbial Coating Innovations) Netzwerks durchgeführte Literaturrecherche hat gezeigt, dass etwa 30 % auf silberbasierten Systemen, 17 % auf Chitosan und 14 % auf Titan basieren. Aber auch kupfer- und zinkbasierte Beschichtungen werden verwendet. Man muss auch unterscheiden zwischen passiven Oberflächen, welche die Anhaftung und das Festsetzen der Erreger verhindern, und aktiven Oberflächen, welche zur Abtötung der Erreger beitragen.

Wie sieht hinsichtlich hygienischen Designs und antimikrobieller Technologien die Zukunft aus? Welche Trends sehen Sie hier?

Buhl: Schon allein aufgrund der Pandemiesituation ist der Fokus sowohl beim Anwender als auch beim Hersteller mehr in Richtung Hygiene verschoben worden. Man hat erkannt, dass eine effektive und effiziente Aufbereitung von Medizinprodukten einen großen Einfluss auf die Unterbrechung von Infektionsketten haben kann. So wird mittlerweile schon bei der Planung von Medizinprodukten mehr Wert auf ein hygienisches Design gelegt und teilweise werden vom Hersteller Hygieneexperten oder Beratungsunternehmen mit in den Entwicklungsprozess eingebunden.

Auch wir stellen fest, dass es mehr Nachfrage für die hygienische Beurteilung von Medizinprodukten gibt. In diesem Zusammenhang spielen dann auch die antimikrobiellen Oberflächen eine Rolle, denn diese werden von vielen Firmen als zusätzliches „Hygienefeature“ bei ihren Produkten gesehen und integriert. Es muss hier jedoch immer auch geprüft werden, ob die versprochene antimikrobielle Wirksamkeit im fertigen Produkt dann tatsächlich noch so gegeben ist. Eine zukunftsfähige optimierte Hygiene im Gesundheitswesen benötigt daher Labor-, Feld-, und Benchmark-Tests, die dabei helfen, die Wirksamkeit von antimikrobiellen Werk- und Wirkstoffen, auch im Zusammenspiel mit neuen Reinigungs- und Desinfektionsprozessen, exakt zu bewerten.

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