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Smartphone-App Mit dem Smartphone den IQ testen

| Redakteur: Katharina Juschkat

Ulmer Psychologen haben eine Smartphone-App entwickelt, mit der sich der Intelligenzquotient in wenigen Minuten messen lassen soll. Neben der Unterhaltung dient die IQ-App einem wissenschaftlichen Zweck: Die Forscher wollen unter anderem prüfen, ob die Ergebnisse mit konventionellen IQ-Messungen, die oft mehrere Stunden dauern, vergleichbar sind.

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Prof. Oliver Wilhelm, Dr. Florian Schmitz und Prof. Christian Montag (v.l.) von der Uni Ulm haben eine App entwickelt, mit der sich der IQ in kurzer Zeit bestimmen lässt
Prof. Oliver Wilhelm, Dr. Florian Schmitz und Prof. Christian Montag (v.l.) von der Uni Ulm haben eine App entwickelt, mit der sich der IQ in kurzer Zeit bestimmen lässt
(Bild: Uni Ulm/Elvira Eberhardt)

Der Physiker Stephen Hawking soll einen Intelligenzquotienten von 160 haben und auch sein Professorenkollege Albert Einstein hätte es sicher in den Mensa-Verein „Club der Superhirne“ geschafft – der Beitritt steht Personen mit einem IQ über 130 offen. Um den eigenen Intelligenzquotienten festzustellen, sind IQ-Tests nichts neues, dauern jedoch häufig mehrere Stunden. Deshalb haben Ulmer Psychologen jetzt eine Smartphone-App entwickelt, mit denen sich die Leistungsfähigkeit spielerisch in kurzer Zeit testen lassen soll. Neben der Unterhaltung dient die IQ-App einem wissenschaftlichen Zweck: Anhand der Daten wollen die Forscher beispielsweise prüfen, inwiefern sich Intelligenztests auf dem Smartphone umsetzen lassen und ob die Ergebnisse mit konventionellen Messungen vergleichbar sind.

Sechs prototypische Aufgaben führen zum Ergebnis

Mit der IQ-App lässt sich die Leistungsfähigkeit des Nutzers in wenigen Minuten einschätzen
Mit der IQ-App lässt sich die Leistungsfähigkeit des Nutzers in wenigen Minuten einschätzen
(Bild: Uni Ulm/Elvira Eberhardt)

Wer einen Intelligenztest macht, kämpft teils mehrere Stunden mit verschiedensten Aufgabentypen. Die IQ-App der Ulmer Forscher beschränkt sich auf sechs Aufgaben, die vor allem die Gedächtnisleistung und die Merkfähigkeit testen. Dabei soll Vorwissen keine Rolle spielen: „Eigentlich kombinieren wir in der Leistungsdiagnostik möglichst unterschiedliche Anforderungen. Für die App haben wir wenige, aber besonders prototypische Aufgaben gewählt, damit innerhalb kurzer Zeit ein Ergebnis vorliegt“, erklärt Prof. Oliver Wilhelm, Leiter der Abteilung für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik.

Anwender sollen sich zum Beispiel Wort-Zahl-Kombinationen merken und wiedererkennen oder Veränderungen in Zahlenreihen identifizieren. Nach jeder Aufgabe erhalten die Teilnehmer eine erste Leistungsrückmeldung. Sind alle Aufgaben erledigt, können sich die Nutzer ihr Ergebnis im Vergleich mit einer Referenzgruppe, also anderen Teilnehmern, graphisch anzeigen lassen. „Wir wollen herausfinden, wie aussagekräftig diese Ergebnisse sind“, ergänzt Wilhelm. „Anwender lernen in jedem Fall etwas über sich selbst und kommen mit psychologischen Messmethoden in Berührung“. Die Funktionen sollen ständig erweitert werden: Zusätzlich gibt es jetzt einen Persönlichkeitstest und ein Wissensquiz, weitere Updates sollen folgen.

Das Smartphone als Messinstrument

Bei der Anmeldung zur IQ-App müssen Nutzer ihre Mailadresse, ihr Alter und ihr Geschlecht angeben. Die Forscher legen dennoch Wert auf Anonymität, der Datenschutz sei gewährleistet. Teilnehmer bekommen eine E-Mail mit den Nutzungsbedingungen und können ihr Testergebnis im Nachhinein löschen lassen. „Mit den gesammelten Daten wollen wir untersuchen, inwieweit ein IQ-Test mit dem Smartphone sinnvoll ist – und welche Störfaktoren das Ergebnis beeinflussen können“, erklärt Dr. Florian Schmitz aus der Abteilung für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik.

Die Forscher interessiert beispielsweise, inwiefern die gemessene Leistung davon abhängt, wo die Aufgaben bearbeitet worden sind, etwa in ruhiger Umgebung oder im vollbesetzten Bus. Weiterhin könnten die Tageszeit und die Kompetenz im Umgang mit dem Smartphone das Ergebnis beeinflussen. „Diese Informationen sind wichtig und helfen uns dabei, die gesammelten Daten richtig zu interpretieren“, sagt Wilhelm. Hat sich das Smartphone als Messinstrument bewährt, sind zahlreiche weitere Untersuchungen denkbar: „In anschließenden Forschungsprojekten könnte ermittelt werden, ob besonders intelligente Menschen einen aktiven Lebensstil pflegen und viel unterwegs sind“, ergänzt Professor Christian Montag, Leiter der Abteilung für Molekulare Psychologie und Experte im neuen Forschungsfeld Psychoinformatik.

App kann kostenlos heruntergeladen werden

Insgesamt anderthalb Jahre haben die Ulmer Psychologen Christian Montag, Oliver Wilhelm sowie Florian Schmitz an der App gearbeitet und ihre Wissen in der Psychoinformatik, Leistungsdiagnostik und Intelligenzforschung kombiniert. Der Programmierer Christopher Kannen von der Universität Bonn hat die Forscher bei der Umsetzung unterstützt. Besonders herausfordernd war es, den Test für Smartphone-Bildschirme anzupassen. Je mehr Personen die Smartphone-Anwendung nutzen, desto aussagekräftiger wird der Vergleich mit der Referenzgruppe. „Mit der Digitalisierung ändert sich auch die Leistungsdiagnostik. Eventuell werden solche Apps eines Tages standardmäßig in Bewerbungsverfahren eingesetzt oder sie unterstützen neurologische Tests – um beispielsweise Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit im Zeitverlauf zu messen“, sagen die Forscher. Die Anwendung kann für Android-Geräte und für das I-Phone kostenlos heruntergeladen werden. (kj)

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