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Industrial Design

Mit dem iPhone kam die Wende

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Haben alle Anwender die gleichen Bedürfnisse hinsichtlich der Bedienung?

Wir unterscheiden verschiedene Anwenderrollen: Der Operator als einfacher Anwender zum Beispiel bedient die Maschine; dann gibt es die Einrichter, die die Maschine für die jeweilige Produktion einrichten. Beide Rollen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse hinsichtlich der Benutzeroberfläche einer Maschine. Bei vielen Maschinenbauern, die bislang noch nicht mit einem User Interface Designer zusammengearbeitet haben, sehen wir häufig eine identische Bedienung für Operator und Einrichter. Der Operator wird dann mit Dingen konfrontiert, die ihn nicht interessieren, meist sogar ablenken und irritieren. Unsere Aufgabe besteht dann z. B. darin, die Funktionen auseinander zu dividieren, die jede Anwenderrolle benötigt. Da bleibt für den Operator meist wenig übrig, was sich in einer extrem einfachen Benutzeroberfläche widerspiegelt.

Fallen Ihnen dabei auch Mängel einer kundenspezifischen Aufgabenstellung auf?

Im Verlauf dieses Prozesses kann es vorkommen, dass wir feststellen, der Maschine fehlt noch eine Funktion, die hinzugefügt werden sollte. Ein guter Industriedesigner macht ein Produkt nicht nur hübscher, sondern verbessert es auch.

Wie geht es weiter, nachdem die verschiedenen Rollen und deren Anforderungen definiert wurden?

Wir besprechen diese Ergebnisse mit dem Projektleiter und gehen in die visuelle Umsetzung. Dies erfolgt zunächst skizzenartig, meist auf Papier oder an der Tafel. Dabei werden die Screen-Inhalte festgelegt: Was braucht der Operator, was der Einrichter? Daraus leitet sich eine Art Navigationsstruktur ab. Auf diese Weise entsteht ein grundlegendes Bedienkonzept, das wir dem Kunden präsentieren. Nachdem wir uns auf eine Menüstruktur geeinigt haben, wird diese anschließend in einer Grob- und Feingestaltung weiter ausgearbeitet. Erst wenn diese vom Kunden für gut befunden und im Idealfall auch vom Anwender getestet wurde,
beginnt die eigentliche Gestaltungsphase. Die Basis sind die skizzierten Screens, die dann mit Farben und Symbolen versehen werden, wobei zum Beispiel auch das Corporate Design des Unternehmens berücksichtigt wird. Insgesamt ist es wichtig, dass die Benutzeroberfläche möglichst intuitiv zu bedienen ist. Denn die Bedienungsanleitung liest heute keiner mehr und sollte ohnehin nicht gebraucht werden.

Kommt es vor, dass Sie Hard- als auch Software konzipieren und gestalten?

Ja. Für diesen Fall haben wir bei bei Cadera Design den Begriff Intermediales Design definiert. Ein Beispiel dafür ist ein Bedienpanel für pharmazeutische Verpackungsmaschinen (siehe Foto) für Uhlmann. Dabei erfolgte die Gehäuseentwicklung des Panels in enger Abstimmung mit dem User Interface Design. So entsteht ein sehr harmonischer Gesamteindruck. Aber auch innerhalb der Software kommt unser Hardware-Know-how zum Tragen: Bei diesem Projekt haben wir zum Beispiel auf Original-CAD-Maschinendaten zurückgegriffen, um die zu steuernden Baugruppen verständlich und übersichtlich darzustellen. Der intermediale Ansatz ermöglicht also eine ideal aufeinander abgestimmte Hard- und Software auf verschiedenen Ebenen.

Wie erfolgt der Datenaustausch mit dem Konstrukteur?

Wir arbeiten mit Solidworks. Auf diese Weise können wir auf der einen Seite etwa Bauteilgrößen übernehmen und zum anderen dem Konstrukteur das Ergebnis unserer Arbeit zur Bearbeitung übergeben.

Vielen Dank, Herr Cadera.

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Über den Autor

 Jan Vollmuth

Jan Vollmuth

, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht