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Industrial Design Mit dem iPhone kam die Wende

| Autor: Jan Vollmuth

Maschinen werden zunehmend über ein Touch Panel bedient, auf dem die Funktionen der Maschine intuitiv begreifbar dargestellt werden. Damit sich Hard- und Software-Design wie beim I-Phone ideal ergänzen, werden solche Oberflächen von Spezialisten wie Cadera Design gestaltet.

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Bei einem Bedienpanel für pharmazeutische Verpackungsmaschinen konzipierte und gestaltete Cadera Design sowohl das Panel als auch das User Interface.
Bei einem Bedienpanel für pharmazeutische Verpackungsmaschinen konzipierte und gestaltete Cadera Design sowohl das Panel als auch das User Interface.
(Bild: Cadera Design/Matthias Hofner)

Die Kernkompetenzen von Cadera Design sind Industrial Design und User Interface Design. Was hat der Konstrukteur mit Design-Experten wie Ihnen zu tun?

Alles, was in Serie gefertigt wird und ein Design erhält, wird in der Regel von einem Industriedesigner gestaltet und konzipiert. Konzipiert auch deshalb, weil ein Designer nicht nur auf die äußere Erscheinung achtet, sondern auch eine kostengünstige, materialgerechte Fertigung unterstützt. Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit mit Konstrukteuren. Was ein Industriedesigner entwirft, führt ein Konstrukteur zur Serienreife. Er erstellt die eigentliche Fertigungszeichnung. Dazu reichen wir unsere CAD-Daten an den Konstrukteur weiter, der damit Werkzeuge oder Bauteile fertig auskonstruiert.

Sie sprechen vom äußeren Erscheinungsbild eines Produkts. Was hat ein Industriedesigner mit dem Gestalten von Benutzeroberflächen zu tun?

Hier kommt die Ergonomie ins Spiel. Ein Industriedesigner stellt auch sicher, dass der Anwender eine Maschine gut, eben ergonomisch, bedienen kann. In der Vergangenheit hatten Maschinen viele mechanische Elemente, die zu betätigen waren, zum Beispiel Hebel oder Stellräder. Viele dieser Elemente wurden mit der Zeit immer kleiner und etwa durch elektrische und elektronische Bauteile wie Schalter oder Taster ersetzt. Heute verfügen viele Maschinen über Touch Displays mit Gesten-Steuerung. Mit dieser Entwicklung wird der Industriedesigner wie in unserem Fall auch zum User Interface Designer.

Womit erklären Sie den Trend zur Maschinenbedienung via Touch Panel?

Touch Panels sind schon viele Jahre im Einsatz. Aber als Apple 2007 das I-Phone herausbrachte, bedeutete das eine Art Wende. Durch den damals ausgelösten Boom von Smart Devices mit Touch Screen wurde das Bedürfnis nach mehr Einfachheit auch in der Industrie geweckt. Es kommen jetzt viele Maschinenbauer mit der Bitte zu uns: „Könnt ihr die Bedienung so einfach gestalten wie bei einem I-Pad?“ Davor hieß es häufig, das brauchen wir doch nicht an der Maschine, da genügt doch ein Blick in die Gebrauchsanleitung.

Wie erfolgt die typische Zusammenarbeit zwischen User Interface Designer und Maschinenbauer?

In der Regel wendet sich ein Maschinenbauer an uns, sobald die Konstrukteure und Informatiker die Funktionen der Maschine weitgehend festgelegt haben. Bevor wir uns ans Design machen, hinterfragen wir jedoch die Briefings. Unsere Aufgabe besteht ja v. a. darin, den Anwender an der Maschine zu sehen. Der hat nicht das technische Know-how des Konstrukteurs, sondern will einfach seine Aufgaben erledigen. Wir empfehlen daher, den User in die Entwicklung einzubinden. Wir führen am liebsten zu Projektbeginn Interviews mit Leuten, die an der Maschine arbeiten sollen und beobachten diese bei ihrer Arbeit. So bekommen wir heraus, was die Anwender an der Maschine tun müssen.

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Über den Autor

 Jan Vollmuth

Jan Vollmuth

Redakteur, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht