CAD-ERP-Integration Mehr Tempo und Transparenz in Konstruktion und Fertigung

Von Oliver Rozic

Die einzelnen am Produktentstehungsprozess beteiligten Abteilungen rücken angesichts steigender Anforderungen weiter zusammen. Unser Autor zeigt die Vorteile einer CAD-ERP-Integration auf und gibt Tipps für die erfolgreiche Einführung von ERP-Systemen.

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Eine ERP-Einführung ist kein Kinderspiel: Eine entscheidende Rolle spielt u.a. die Datenmigration. Nach erfolgreicher Einführung können aber alle Unternehmensbereiche von schnellen und effizienten Prozessen profitieren.
Eine ERP-Einführung ist kein Kinderspiel: Eine entscheidende Rolle spielt u.a. die Datenmigration. Nach erfolgreicher Einführung können aber alle Unternehmensbereiche von schnellen und effizienten Prozessen profitieren.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Mit dem Beginn der vierten industriellen Revolution sind auch die Anforderungen, die Kunden an ihre Lieferanten stellen, gestiegen. Von Fertigungsbetrieben wird etwa erwartet, sowohl die Losgröße 1 als auch Massenproduktion gleichermaßen abbilden zu können. Herstellungsprozesse haben sich vor diesem Hintergrund fundamental geändert und sind spürbar agiler geworden.

Interdisziplinär zusammenarbeiten über Abteilungsgrenzen hinweg gehört heute zum Alltag.
Interdisziplinär zusammenarbeiten über Abteilungsgrenzen hinweg gehört heute zum Alltag.
(Bild: Sage)

Das heißt auch: Die Abteilungen der Produktplanung und -konstruktion sowie die Produktion rücken näher zusammen. Dies hat auch Auswirkungen darauf, wie die IT-Systeme von Herstellern zusammenarbeiten. Die Anbindung einer CAD-Lösung an das ERP-System sorgt in diesem Zusammenhang etwa für ein hohes Maß an Transparenz von der ersten Produktskizze bis hin zur Auftragsabwicklung. Das Ergebnis: Mehr Effizienz im Zusammenspiel aller beteiligten Bereiche wie Produktion, Einkauf und Vertrieb.

Daten in beide Richtungen austauschen

Um Produkte kostenorientiert und effizient entwickeln zu können, benötigen Konstrukteure neben technischen auch kaufmännische Informationen wie Preise, Lagerbestände und Verfügbarkeiten von Rohmaterialien und Komponenten. Die meisten dieser Daten sind jedoch nicht im CAD-Programm gespeichert, sondern über die ERP-Software abrufbar. Werden diese Systeme als Insellösung betrieben, müssen Anwender häufig zwischen beiden Systemen hin- und herwechseln – etwa, wenn sie Updates zu Stücklisten oder zur Verfügbarkeit von Werkzeugen oder Maschinen benötigen. Abhilfe schafft die Anbindung des CAD-Moduls per Schnittstelle an das ERP-System. Durch die Integration beider Lösungen lassen sich Daten in beide Richtungen austauschen.

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Konstruktion, Produktion, Einkauf und Vertrieb eng verzahnen

Durch diesen Austausch wird der Status eines Produkts über seinen kompletten Lebenszyklus hinweg abgebildet – von der Anfrage des Kunden über die Konstruktion und den Einkauf bis hin zum Verkauf des fertigen Produkts. Das Ergebnis: Die für die betriebliche Disponierung und den Fertigungsprozess benötigte Effizienz und Transparenz über alle Abläufe beginnt bereits in der Planungsphase.

Denn: Die Konstruktionsabteilung kann vor diesem Hintergrund bereits während des Design-Prozesses prüfen, welche der benötigten Teile und Materialien auf Lager sind, welche bestellt werden müssen und was sie kosten. Speziell beim Bau von Prototypen oder der Berücksichtigung von Sonderanforderungen stellt dies eine elementare Verbesserung dar. Zudem erspart es viele Rückfragen und erleichtert Projektteams aus Konstrukteuren und technischem Vertrieb den Design-Review.

Effizienz durch automatisierte, parallel ablaufende Prozesse

Durch die automatisierte Übertragung von Konstruktionsdaten an das ERP-System sowie ihre Verknüpfung mit kaufmännisch-logistischen Informationen können Unternehmen, die über eine digitale Produktionsplanung und -steuerung verfügen, wesentlich schneller auf Fertigungsaufträge oder Lieferantenanfragen reagieren. Mitarbeitern in der Produktion wird es damit möglich, auf Basis von ressourcenbezogenen Echtzeitdaten wie der zur Verfügung stehenden Manpower oder Maschinenkapazitäten, relativ genau vorhersagen, wann das jeweilige Produkt fertiggestellt wird.

Schnell auf Fertigungsaufträge oder Lieferantenanfragen reagieren: Das macht CAD-ERP-Integration möglich.
Schnell auf Fertigungsaufträge oder Lieferantenanfragen reagieren: Das macht CAD-ERP-Integration möglich.
(Bild: Sage)

Darüber hinaus müssen Produktionsmitarbeiter nicht mehr auf das Ende des Konstruktionsprozesses warten, sondern können bereits frühzeitig mit der Fertigung einzelner Baugruppen beginnen, wenn CAD-Daten live in das ERP-System eingespeist werden. Dies führt zu einem schrittweisen Produktionsprozess mit hoher Effizienz und Zeitersparnis. Die einzelnen Komponenten entstehen dabei nach und nach und werden erst am Ende des Herstellungsprozesses zum fertigen Produkt zusammengefügt.

Entscheidend ist ein offenes ERP-System

  • Voraussetzung für die Anbindung des CAD-Programms ist, dass das ERP-System über standardisierte Schnittstellen verfügt. Damit lassen sich unterschiedliche Anwendungen von der Finanzbuchhaltung über Warenwirtschaft bis hin zum CRM integrieren und auf diese Weise Abläufe und Ressourcen durchgängig zu steuern – über Abteilungen und Bereiche hinweg. Produkte sind damit nicht nur effizienter herstellbar, sondern können auch verzögerungsfrei an die Kunden ausgeliefert werden.
  • Vor allem Unternehmen, die Teil einer komplexen Lieferkette sind, benötigen eine sehr genaue Disposition der jeweils benötigten Formen, Werkzeuge und Maschinen. Der Aufwand dafür ist umso größer, je kleinteiliger sich der Produktionsprozess gestaltet – bis hin zur Einzelfertigung.
  • Ein Automobilhersteller beispielsweise bezieht bei der Produktion einer Rückleuchte zahlreiche Bauteile von einem oder mehreren Partnern, die dafür wiederum diverse Ausgangskomponente bei ihren Lieferanten einkaufen. Nur wenn all diese einzelnen Abläufe nahtlos in ein ERP-System integriert sind, lässt sich der Gesamtprozess flexibel steuern.
  • Standardisierte Schnittstellen sind aber nicht nur die Voraussetzung für eine systemübergreifende Prozesssteuerung. Bei komplexeren Lieferketten lassen sich darüber auch alle beteiligten Parteien und Hersteller integrieren. Das heißt, das ERP-System dient als unternehmensübergreifendes Kommunikationstool, über das alle Betriebe, die Teil der Lieferkette sind, ihre Prozesse koordinieren.

Eine ERP-Einführung ist kein Kinderspiel

Allerdings ist eine ERP-Einführung ein komplexes Unterfangen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Datenmigration. Viele ERP-relevante Daten liegen zwar bereits vor – allerdings meist in sehr heterogenen Formaten wie Excel-Listen oder in anderen Programmen. Der Aufbau einer einheitlichen ERP-Datenbasis stellt erfahrungsgemäß die größte Herausforderung und zugleich den wichtigsten Erfolgsfaktor jeder ERP-Einführung dar:

  • Wichtig ist daher, dass ein Integrationspartner oder der Hersteller des ERP-Systems die komplette Implementierung beim Kunden, also die Verantwortung bis zur Inbetriebnahme des Systems, übernimmt.
  • Alle Implementierungs- und Integrationsleistungen sollten dabei in engem Kundenkontakt erfolgen, so dass frühzeitig ein Knowhow-Transfer in Gang kommt.
  • Ebenfalls wichtig sind Schulungen, um die künftigen Anwender bestmöglich auf den Live-Start vorzubereiten.

Das gilt auch für den Fall, dass Fragen oder gar Irritationen in der Belegschaft aufkommen, weil gewohnte Abläufe und Zuständigkeiten zur Disposition stehen. Hier kommt es darauf an, die bevorstehenden Veränderungen im Zuge der ERP-Einführung im gesamten Unternehmen rechtzeitig zu kommunizieren. Dabei sollte die Geschäftsleitung die Vorteile für die Mitarbeiter überzeugend herausarbeiten und ein begleitendes Change-Management-Projekt auswählen. Auch die Wahl des richtigen Systemintegrator macht sich in dieser Phase bezahlt. Wenn er die Anwender möglichst frühzeitig ins Boot holt, kann er ebenfalls dazu beitragen, interne Widerstände zu überwinden. Aus dem Einführungsprojekt entwickelt sich meist eine langjährige Kundenbeziehung, in deren Rahmen der Systemintegrator spätere Anpassungen vornimmt und Zusatzmodule in die ERP-Lösung integriert – Stichwort: CAD.

* Oliver Rozic, Vice President Product Engineering bei Sage

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