Schweiz Innovationsstarker Maschinenbaustandort

Autor / Redakteur: Evelyn Stockmann* / Juliana Pfeiffer

Die Aufwertung des Frankens hemmt die exportierende Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Trotz des wirtschaftlichen Gegenwindes, der das Nachbarland zurzeit trifft, lohnt sich für deutsche Investoren der Blick auf den Schweizer MEM-Markt.

Firmen zum Thema

Schweizer MEM-Unternehmen können vom starken franken profitieren. Durch die Aufwertung werden die Importe für die Industrie günstiger, was zu einer Senkung der Produktionskosten führt.
Schweizer MEM-Unternehmen können vom starken franken profitieren. Durch die Aufwertung werden die Importe für die Industrie günstiger, was zu einer Senkung der Produktionskosten führt.
(Bild: © industrieblick - Fotolia)

Der Franken-Schock sitzt momentan tief. Nach der Aufhebung des Mindestkurses des Frankens durch die Schweizerische Nationalbank haben sich die Konjunkturindikatoren des Nachbarlandes verschlechtert. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung hat die Wachstumsprognosen des BIP für 2015 auf +0,8% und für 2016 auf +1,6% nach unten korrigiert. Der Druck der starken Währung belastet vor allem exportorientierte MEM-Unternehmen, deren Waren auf dem internationalen Markt teurer werden.

Günstige Rohstoffimporte

Dagegen können Schweizer MEM-Unternehmen, die Zulieferer im Ausland haben, durchaus vom starken Franken profitieren. Durch die Aufwertung werden die Importe für die Industrie günstiger, was zu einer Senkung der Produktionskosten führt. Unternehmen, die ihre Rohstoffe aus dem Ausland beziehen und ihre Produkte auf dem Binnenmarkt anbieten, haben damit einen wirtschaftlichen Vorteil, wie aus einer Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hervorgeht.

Konjunkturdelle mit absehbarem Ende

Sowohl der Bundesrat als auch die Schweizerische Nationalbank gehen davon aus, dass sich die aufwärts tendierende Weltwirtschaft und die wirtschaftliche Erholung der Eurozone in den kommenden Quartalen positiv auf die ökonomische Entwicklung der Schweiz auswirken werden. „Der wirtschaftliche Ausblick hängt stark von der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft ab“, sagt Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank. „Die SNB geht in ihrer jüngsten Lagebeurteilung davon aus, dass die internationale Konjunktur wieder anziehen wird. Dies dürfte den Wechselkursschock etwas abfedern und der Schweizer Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder ein positives Wachstum ermöglichen.“

Grundpfeiler der Schweizer Wirtschaft

Die MEM-Industrie ist ein stabiler Grundpfeiler der Schweizer Wirtschaft. Als der größte industrielle Sektor in der Schweiz macht sie 9 % der gesamten Wertschöpfung des Landes aus (BFS 2013). Im vergangenen Jahr lag ihre Kapazitätsauslastung bei 88,2 % und damit über dem langjährigen Durchschnitt von 87 % (Swissmem 2014). Mehr als 330.000 Arbeitnehmer sind in der Maschinen-, Elektro- oder Metallbranche in Vollzeit beschäftigt, was die MEM-Industrie zum größten industriellen Arbeitgeber des Landes macht (BFS 2014). Zudem werden etwa 20.000 Fachkräfte in den MEM-Branchen ausgebildet (Swissmem 2014).

Spitzenreiter in Forschung und Entwicklung

Hans Hess, Präsident des Schweizer Industrieverbandes Swissmem, betont aus der Unternehmerperspektive: „Die Unternehmen werden alles tun, um den Aufwertungsschock des Schweizer Frankens einmal mehr zu absorbieren. Vielen Unternehmen wird dies in den nächsten ein bis zwei Jahren gelingen, so dass es aus meiner Sicht nicht zu einer eigentlichen Deindustrialisierung der Schweiz kommen wird. Die Innovationsfähigkeit, Kundenorientierung und das Qualitätsbewusstsein der Schweizer MEM-Industrie ist letztlich einzigartig.“ Die Innovationsfähigkeit der MEM-Industrie steht auf einem soliden Fundament. Laut dem Innovation Union Scoreboard der EU-Kommission 2015 führt die Schweiz auch in diesem Jahr die Innovationsnationen in Europa an. Kaum eine andere Nation investiert so viel in Forschung und Entwicklung wie die Schweiz. 32 % der gesamten Forschungsaufwendungen entfallen dabei auf die MEM-Industrie, die sich zunehmend auf High-Tech spezialisiert. Darüber hinaus beschäftigt sie 40 % und damit die meisten Forscher in der Schweiz (BFS 2012).

Innovationsprimus nach wie vor

Das Know-how und die Kreativität der Unternehmen werden dabei von einem innovationsfreundlichen Umfeld unterstützt. Die Schweiz verfügt über eine hohe Dichte an weltweit anerkannten Forschungsinstituten, die in der aktuellen Wirtschaftssituation eng mit den Unternehmen zusammenarbeiten. Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen bauen ihre Weiterbildungsangebote aus und intensivieren ihre Kooperation mit den Unternehmen. Zusätzlich verstärkt die Kommission für Technologie und Innovation des Bundes aktuell ihre Innovationsförderung und entlastet exportorientierte KMU finanziell bei ihren Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.

Ausblick für deutsche Investoren

„Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfeldes ist die MEM-Industrie ein überaus leistungsstarker Sektor. Ihre Innovationskraft und Produktivität genießen Weltruf“, sagt Tobias Rühmann von der Schweizerischen Investitionsförderung. „Davon können auch deutsche Unternehmer profitieren. Eine Investition in den MEM-Standort Schweiz wird flankiert von einer stabilen nationalen Nachfrage, wirtschaftsfreundlichen Gesetzen und einer starken Innovationsförderung.“ Deutsche Mittelständler können sich über Investitionsmöglichkeiten unverbindlich und kostenfrei bei der Schweizerischen Investitionsförderung unter tobias.ruehmann@eda.admin.ch informieren und beraten lassen. (jup)

* *freie Journalistin.

(ID:43447978)