Berufsausbildung Ingenieurland Deutschland muss Technikbildung stärken

Redakteur: Juliana Schulze

Die Ingenieurwissenschaften entsprechen noch zu wenig den Erwartungen junger Menschen an einen attraktiven Beruf. Nur jeder zehnte Schüler zieht den Beruf des Ingenieurs in Erwägung, so ein Ergebnis des „Nachwuchsbarometers Technikwissenschaften von Acatech und VDI.

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Die Studie weist empirisch nach, dass durch mehr Technikunterricht in der Schule das Interesse an technischen Ausbildungsgängen angeregt und gleichzeitig unklare und falsche Vorstellungen über technische Berufe korrigiert werden können. Technik müsse danach kontinuierlich und attraktiv vermittelt werden. Dies fördere sowohl die Kreativität als auch die Aufgeschlossenheit junger Menschen gegenüber technischen Neuerungen und ihren gesellschaftlichen Folgen.

11 Prozent finden Ingenieurberuf noch attraktiv

Die Wissenschaftler der Universität Stuttgart, die das „Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften“ im Auftrag von Acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) und des VDI erarbeitet haben, stellen fest, dass für lediglich 11 Prozent der Schüler der Ingenieurberuf noch attraktiv ist. Und selbst bei den technikinteressierten Schülern ergreift nur jeder Zweite einen Beruf in diesem Bereich.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Eigenschaften, die Schüler technischen Berufen zuschreiben, entsprechen nicht ihren Vorstellungen von einem idealen Beruf. Arbeitsplatzsicherung, gute Aufstiegschancen, hohes Einkommen, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und eine vielseitige Tätigkeit sind die entscheidenen Kriterien für die Berufswahl. Die Schüler bezweifeln aber, dass technische und naturwissenschaftliche Berufe diese Kriterien ausreichend erfüllen. „Dagegen würden 90 Prozent der Ingenieure und Naturwissenschaftler ihren Beruf ein zweites Mal wählen. Mehr als jeder Dritte hat seinen Traumberuf gefunden“, sagt der Projektleiter Ortwin Renn von der Universität Stuttgart.

Teil 2: VDI sieht Handlungsbedarf

Medien wichtige Informationquelle für Berufswahl

Die Studie weist auch nach, dass die in der Schule angebotene Berufs- und Studieninformation bei den Schülern nicht ankommt. Nur etwa ein Drittel sieht diese Informationsquelle bei ihrer Berufswahl als wichtig an. „Nach den Schulen sind die Medien die wichtigste Informationsquelle. Vor allem für Fernsehen und Internet müssen wir Formate anbieten, die ein Bild jenseits der gängigen Klischees vermitteln“, so Renn. Die Berufsinformationen und Praktika müssten erheblich ausgebaut werden, fordern demnach Acatech und VDI. Schüler wissen, dass ein technisches Studium schwierig ist.

Die Studie verdeutlicht jedoch, dass das Studium nach Ansicht der Studierenden noch durch unnötigen Wissensballast erschwert wird. Als Alarmzeichen muss gelten, dass in den ersten Semestern mehr als 30 Prozent das Studium in den klassischen Ingenieurwissenschaften abbrechen. „Genau hier müssen wir ansetzen“, sagt VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs. „Zum einen müssen wir schon in der Schule Grundlagen legen, wodurch der Einstieg in Ingenieurstudium leichter fällt, beispielsweise durch flächendeckenden Technikunterricht. Zum anderen müssen die Bedingungen an den Hochschulen verbessert werden, etwa durch eine bessere didaktische Vermittlung der Inhalte.“

Frauen haben es schwerer als Männer

Das Nachwuchsbarometer bestätigt auch, dass es Frauen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich immer noch schwerer haben als Männer: Zwei Drittel der Frauen gaben an, in Beruf oder Studium hin und wieder benachteiligt und diskriminiert zu werden. Ähnliches gilt für Vorstellungen und Zuschreibungen eigener Kompetenzen. Schülerinnen zweifeln beispielsweise häufiger als Schüler ihre naturwissenschaftliche oder technische Begabung an, selbst wenn sie hervorragende Noten in Physik und Mathematik aufweisen. Jungen sind wesentlich selbstbewusster, wenn es um die Frage der eigenen technischen Kompetenz geht.

Acatech und VDI waren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung beauftragt worden, die Ursache für das mangelnde Interesse vieler junger Menschen an Naturwissenschaft und Technik zu untersuchen. Diese Entwicklung wird als gefährlich für einen Hochtechnologiestandort wie Deutschland eingestuft. Die Empfehlungen von Acatech und VDI zeigen denn auch dringend Handlungsbedarf für Deutschland auf.

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