SEW-Schaufensterfabrik

In der Schaufensterfabrik Industrie 4.0 erleben

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Schaufensterfabrik ist auch eine Antwort auf erwartete Disruptionen

Als die Ingenieure bei SEW den Megatrend Digitalisierung mit seinen Teiltrends Industrie 4.0, Cloud Computing, Big Data oder Gamification diskutierten, stellte sich auch die Frage welche Entwicklung disruptiv, revolutionär oder evolutionär für das eigene Geschäft sei. „Was uns wachgerüttelt hat: Starre Fördertechnik in den Betrieben freut uns zwar, da hier viele unserer Antriebe verbaut sind, diese Anlagen sind allerdings nur mit enormen Aufwand zu verändern. Starre Systeme werden verlieren.“ Wenn diese Erkenntnis bei der Planung der eigenen Schaufensterfabrik dämmerte, so der Rückschluss, würden auch die Kunden irgendwann weniger Förderbänder und Motoren benötigen.

Die Technik-Anforderungen für eine Veränderung hin zu mobilen Systemen sind vielfältig. Kabellose Energieübermittlung, neue Controller, Condition Monitoring, Kommunikation und Sicherheitssysteme, um nur einige Aspekte zu nennen.

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Aber auch mit neuen Dienstleistungen und Geschäftsmodellen muss man sich beschäftigen, sagt Soder. Zudem müsse alles reale erst in der virtuellen Welt getestet werden. „Die intelligente Fabrik von morgen ist modular, segmentiert und mit einer dezentralen Verantwortung versehen. Das ist die organische Grundlage für Industrie 4.0 mit dem Ziel, höhere Kollaborationsproduktivität zwischen Mensch und Technik zu schaffen. Die intelligente Kombination bringt's!“

Die SEW-Antwort heißt nun also Lean Smart Factory 2020. Die Fabrik der Zukunft besteht aus losen Prozessmodulen, Montagemodulen, Motoranbaumodulen, Lackiermodulen und vielem mehr. Sie sind skalierbar und werden über mobile Assistenzsysteme vernetzt – gesteuert vom „Dirigenten der Wertschöpfung“, der die Planung für die nächsten drei Stunden organisiert, sodass die höchste Wertschöpfung herauskommt. Zukünftig spielt er ein Spiel, das lautet: „Wie organisiere ich meine Einheiten optimal?“. Er probt in der virtuellen Welt und wenn das Leistungsergebnis erreicht ist, setzt er den Ablauf real um. „Gamification ist wahrer Meister in der Verhaltensänderung von Menschen“, zeigt sich Soder von der neuen und ungewohnten Welt der Computerspiele immer noch überrascht.

Schaufensterfabrik virtuell auf der Hannover Messe

Was im Messe-Exponat für die Hannover-Messe selbst noch aussieht wie ein Hochglanz-Strategiespiel für Fabrikleiter ist in der Schaufensterfabrik in Graben-Neudorf teilweise schon erlebbar.

Zentrale sichtbare Elemente, die heute schon im Probebetrieb Produktionsinseln versorgen, sind mobile Assistenten, die für den jeweiligen Einsatz optimiert wurden. So versorgen die etwas kleiner als einen Quadratmeter großen Logistikassistenten die Montageinseln (Lastaufnahme bis 1,5 t). Montageassistenten unterstützen die Mitarbeiter unter anderem als fahrende Werkbank und wieder andere Assistenten verknüpfen die losen Prozessmodule in der Schaufensterfabrik. Die Auftragsdaten werden vom Leitsystem direkt an die Assistenten übergeben und sind in einem Tablet-PC sichtbar. Diese führen so alle notwendigen Daten mit sich und unterstützen den Mitarbeiter bei seiner Tätigkeit.

Der Aufbau eines mobilen Assistenten selbst sei komplex, betont Soder. Im Projekt wurde Wert auf die Umsetzung folgender Aspekte gelegt:

  • Gestaltung und Konstruktion der Fahrzeuggeometrie und des Gesamtsystems
  • Integration Navigationsrechner und Sicherheitssteuerung
  • Kontaktlose Energieversorgung
  • Einsatz von Kurzzeitenergiespeichern für autonomes Fahren
  • Realisierung einer kompakten und leistungsfähigen Lastaufnahmevorrichtung
  • Integration eines mobilen Assistenten-spezifischen Antriebssystems mit Steuerelektronik
  • Einbindung unterschiedlicher Referenzierungssysteme, autonom umschaltbar, je nach aktuellen Umgebungsbedingungen
  • Verbesserung der Arbeitsergonomie durch Wegfall/Teilautomatisierung von Montagetätigkeiten mit hoher körperlicher Belastung

Die Kommissionierpuffer sind Zeichen für die neue Flexibilität; solch ein Puffer kann über die Mittagspause erweitert werden. In einer halben Stunde sind sechs Pufferplätze hinzu gebaut. Das stellt andere Anforderungen an Automatisierungs- und IT-Systeme, nicht mehr programmieren, sondern parametrieren, lautet das Motto, so Soder.

Damit diese neue Flexibilität nicht am Werktor aufhört, entwickelt SEW zudem eine Logistikkapsel, die ebenfalls als autonomes Fahrzeug die Versorgung über Bahn und LKW sicherstellen soll. In Hannover soll das jüngste Design soweit sein, um gezeigt zu werden.

Und dass die Ingenieure und Entwickler auf dem eigenen Forscher-Campus bereits weiter denken, zeigt eine Ausschreibung an der sich SEW selbstbewusst beteiligt hat: In Singapur ging es darum die Logistik eines Groß-Hafens zu erneuern. Der SEW-Ansatz über Modularität und Logistik-Kapsel würde viele Gewohnheiten umkrempeln, was die Verantwortlichen erstmal nicht abgeschreckt hat: Im Wettbewerb belegte SEW den zweiten Platz. (fj)

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