Durchstarten 2021 „Im Lock-Down ist Rotwein wichtiger als Klopapier“

Autor: Ute Drescher

Die schnelle Abstimmung mit Kollegen per Video-Chat gehört für Philipp Kieweg zu den positiven Aspekten der Covid-19-Krise. Was der Leiter Fertigungsentwicklung bei Franke außerdem in dieser Zeit gelernt hat, verrät er im Interview.

Firmen zum Thema

„Franke hat schon frühzeitig damit begonnen, auf digitale Prozesse umzustellen. Das kommt uns nun sehr entgegen“, sagt Philipp Kieweg, Leiter Fertigungsentwicklung bei der Franke GmbH in Aalen.
„Franke hat schon frühzeitig damit begonnen, auf digitale Prozesse umzustellen. Das kommt uns nun sehr entgegen“, sagt Philipp Kieweg, Leiter Fertigungsentwicklung bei der Franke GmbH in Aalen.
(Bild: Franke/VCG)

Wie würden Sie die allgemeine Stimmung in Ihrem Unternehmen beschreiben?

Philipp Kieweg: Nach den Feiertagen lief die Firma recht schnell wieder auf 100 Prozent. Wir haben viel zu tun und die Kolleginnen und Kollegen freuen sich, dass es wieder los geht. Alle wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, derzeit einen sicheren Job in einer guten Firma zu haben.

Welche Probleme/Herausforderungen sind in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise aufgetreten?

Philipp Kieweg: Es geht uns wie vielen anderen auch. Die größte Herausforderung ist eine effiziente funktionierende Kommunikation unter Corona-Bedingungen und große Flexibilität, sei es bezüglich mobilem Arbeiten oder in der Abstimmung mit Kunden und Partnern.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Philipp Kieweg: In der Fertigungsentwicklung arbeiten wir eng mit externen Dienstleistern und Hochschulen zusammen. Besuche vor Ort sind derzeit schwierig, so dass wir viel über digitale Kanäle abwickeln müssen. 50 Prozent meines Teams arbeiten zudem mobil von zuhause aus – auch das muss koordiniert werden.

Jede Zeit hat ihre eigene Normalität.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Philipp Kieweg: Was ist schon normal? (lacht) – Jede Zeit hat ihre eigene Normalität. Derzeit ist das Tragen von Masken normal, bald wird die Impfung gegen Corona normal sein. Die konstante Veränderung ist vermutlich das einzig Normale. Immer wieder kommen Dinge auf uns zu, zwingen uns, darauf zu reagieren und bringen uns dadurch oft ein Stück weiter. Ich rechne damit, dass sich die positiven Dinge, wie zum Beispiel die digitale Kommunikation und mobiles Arbeiten, dauerhaft etablieren werden.

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Philipp Kieweg: Die Digitalisierung ist der Schlüssel für künftigen Erfolg. Franke hat schon frühzeitig damit begonnen, auf digitale Prozesse umzustellen. Das kommt uns nun sehr entgegen und gibt uns Gewissheit, für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Meine Lerneffekte knapp zusammengefasst: Vieles lässt sich ohne persönliche Präsenz regeln, Video-Konferenzen sind heute selbst mit dem Handy möglich, in der Krise zeigt sich der Charakter, sowohl von Unternehmen als auch von Menschen, das Leben ist fragiler als man denkt – das wird viel zu oft vergessen und: Im Lock-Down ist genügend Rotwein wichtiger als Klopapier.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Philipp Kieweg: Die schnelle Abstimmung mit Kollegen per Video-Chat statt in zeitraubenden Sitzungen zum Beispiel. Und die Möglichkeit, problemlos ins Home-Office wechseln zu können.

Tempo und Anforderungen an Entwicklungsprojekte steigen ständig.

Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Philipp Kieweg: Tempo und Anforderungen an Entwicklungsprojekte steigen ständig. Maschinen und Vorrichtungen werden immer komplexer und anspruchsvoller, um den Bedürfnissen der Kunden zu genügen.

Seminartipp

Das Seminar TRIZ Training Level 1: Systematisch Ideen finden und Probleme lösen versetzt Konstrukteure und Ingenieure in die Lage, durch Anwendung der TRIZ-Tools ihre Probleme in Konstruktion und Entwicklung schneller und effizienter zu lösen und zu mehr und besseren neuen Ideen zu kommen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Philipp Kieweg: In den letzten Jahren haben zahlreiche neue Technologien in den klassischen Maschinenbau Einzug gehalten. 3D-Druck, Leichtbau, intelligente Bauteile – wir haben heute Möglichkeiten, die vor ein paar Jahren noch undenkbar waren. Diese Technologien einsetzen zu können, setzt natürlich voraus, sich damit zu beschäftigen. Das kostet Zeit und Energie, ist aber unglaublich spannend.

Hier ist kein Tag wie der andere.

Wenn Sie einem/-r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, was sagen Sie?

Philipp Kieweg: Mit dem Glanz in meinen Augen. (lacht) – Ich erzähle ihm/ihr von der Vielseitigkeit meiner Arbeit. Hier ist kein Tag wie der andere und jedes neue Projekt bringt neue Anforderungen mit sich und neue Chancen. Man lernt täglich dazu und kann regelmäßig stolz darauf sein, wenn eine komplexe Entwicklungsarbeit erfolgreich abgeschlossen wurde.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Philipp Kieweg: Ich begleite die Entwicklung des Unternehmens nun schon seit 24 Jahren. In dieser Zeit haben sich sowohl der Maschinenbau als auch die Firma Franke technologisch rasant weiterentwickelt und ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Corona und viele andere Schlagzeilen aus aller Welt zeigen uns jedoch, dass wir bei allem Erfolg nicht vergessen dürfen, für jeden neuen Tag, den wir gesund und in Freiheit leben dürfen, dankbar zu sein.

Wissen ist Wettbewerbsvorteil!

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Mit unserem Newsletter informiert Sie die Redaktion der konstruktionspraxis immer dienstags und freitags zu Themen, News und Trends aus der Branche.

Jetzt abonnieren!

(ID:47070639)

Über den Autor

 Ute Drescher

Ute Drescher

Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht