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Safety Ihr Portal für mehr Know-how in der Maschinensicherheit

Autor / Redakteur: Matthias Schulz* / Jan Vollmuth

Obwohl Sicherheit im Maschinenbau eine wesentliche Rolle spielt, müssen Konstrukteure sich das Wissen darüber häufig erst mühsam aufbauen. Das Portal Maschinensicherheit will dabei unterstützen und bei individuellen Fragen weiterhelfen.

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Das Thema Maschinen- und Produktsicherheit erfordert viel Know-how, das zu erwerben durch verschiedene Hindernisse erschwert wird.
Das Thema Maschinen- und Produktsicherheit erfordert viel Know-how, das zu erwerben durch verschiedene Hindernisse erschwert wird.
(Bild: EAO)

Geht es um Produktsicherheit stellen sich Fragen über Fragen – auf die es häufig keine eindeutige Antworten gibt oder lediglich Querverweise und immer wieder Aussagen wie: „vielleicht“ oder „ich denke, dass…“. So geht es in Sachen Know-How zur Sicherheitstechnik und funktionale Sicherheit im Maschinenbau noch immer vielen Ingenieuren, Konstrukteuren und Entwicklern, Technikern und Betreibern.

Vielfältige Fragen

Hier eine kleine Auswahl der vielen Fragen, die häufig gestellt werden:

  • Auf welcher Grundlage entscheidet man, ob eine Tür oder Abdeckung einen Sicherheitsschalter zur Abfrage benötigt oder einfach fest verschraubt werden kann?
  • Wann benötigt man zusätzlich zu einer Türzuhaltung auch eine Fluchtentriegelung (eine Möglichkeit eine zugehaltene Tür rasch von innen zu öffnen, so dass man aus einer Gefahrenzone entkommen kann)?
  • In welche Richtung sollte sich eine Tür in einem Schutzzaun eigentlich öffnen? Wie breit muss die Öffnung sein, damit man sie als Fluchttür betrachten kann?
  • Wann braucht man in einer Anlage eine Anwesenheitserkennung?
  • Darf man den Not-Halt-Kreis in einer Anlage aufteilen?
  • Ist PL d eigentlich sicherer als PL a?
  • Geht Pneumatik auch „zweikanalig“ und wann braucht man das denn?

Auf alle diese Fragen gibt es mehr oder weniger eindeutige Antworten. Sicherheitstechnik ist ja kein neues Wissensgebiet. Die Entwicklung der Maschinensicherheit kam schon zu Beginn der 1960er Jahre langsam in Fahrt. Die rasche Industrialisierung nach den Weltkriegen schuf viele Arbeitsplätze und wachsenden Wohlstand, aber als Nebeneffekt kam es zu immer mehr Unfällen, die Menschen zum Krüppel machten oder sie sogar das Leben kosteten.

Unfallverhütung hat eine lange Tradition

In der Folge entstanden Sicherheitsregeln, und zwar zunächst fast ausschließlich als sogenannte „Unfallverhütungsvorschriften“ im Arbeitsschutz. Die dahinterstehenden berufsgenossenschaftlichen Versicherungsgesellschaften zahlten fast von Anfang an nicht nur für die Heilbehandlung und Rehabilitation der Unfallopfer, sondern begannen aktiv an der Vermeidung von Unfällen zu arbeiten (Prävention). Dies hat in den meisten Industriestaaten eine lange Tradition, in Deutschland sogar bis in die Zeit vor den Weltkriegen.

Daraus entstand das Paradoxon des fehlenden Know-Hows zur Sicherheitstechnik: Das Expertenwissen zur Produktsicherheit entwickelte sich nicht in den Ingenieurwissenschaften selbst, sondern wurde von außen aufgezwungen – das ist weitgehend noch heute so. Dies führte bis in die Gegenwart seitens der Ingenieure und Techniker zu einer latenten Abwehrhaltung gegenüber Sicherheitsregeln.

Produktsicherheit kommt in der Ausbildung zu kurz

Diese Haltung spiegelt sich auch im Verhalten des Bildungssystems wider: Der Beleg hierfür sind die Lehrpläne der technischen Universitäten und Technikerschulen, die sich mit Maschinenbau und den angrenzenden Fachgebieten beschäftigen. Zum Thema Produktsicherheit findet man darin noch immer kaum ein Wort, ganz zu schweigen von Lerninhalten zur Sicherheitsnormung oder der präventiven Rechtssetzung, z. B. über die sog. „CE-Kennzeichnungsrichtlinien“. Jungen Absolventen fehlt es daher weitgehend an Wissen und Fähigkeiten auf diesem Gebiet. Sie müssen es „on the job“ erlernen. Fragt sich nur: Wie?

Einige Einsteiger können sich dabei auf die Erfahrungen und das (mitunter fehlerhafte) Wissen älterer Kollegen verlassen. Aber in vielen Fällen heißt es nur: „Schau in den Normen nach.“ Unsere heutigen Sicherheitsnormen stellen allerdings häufig selbst ein wichtiges Hindernis auf dem Weg zu mehr Know-How dar. Denn obwohl europäische und internationale Sicherheitsnormen systematisch erstellt wurden und heute leicht zu beschaffen sind (vorausgesetzt man ist bereit, dafür viel Geld auszugeben), ist das in ihnen dargestellte System mit seinen vielen Detailfakten weder leicht verständlich noch gut zugänglich.

Verwirrende Terminologie

Normen sind oft schwerverständlich und verbergen die entscheidenden Daten hinter unverständlicher Terminologie. Ein Schutzzaun ist eine „feststehende trennende Schutzeinrichtung“, eine „äußere Schutzeinrichtung “ oder „Distanzschutzeinrichtung“. Experten erkennen die Unterschiede zwischen diesen Termini und verstehen die Ober-/Unterbegriffsbeziehungen zwischen ihnen. Doch für „normale“ Ingenieure und Techniker sind diese Begriffe oft „böhmische Dörfer“.

Ein weiteres großes Problem: Wenn Ingenieure Antworten suchen, stoßen sie oft vor allem auf Querverweise, jedoch nicht in Form von Links wie es heute zu erwarten wäre. Selbst die PDF-Versionen der Sicherheitsnormen bieten meist nicht mehr Rechercheunterstützung als ein Papierausdruck. Nicht einmal Lesezeichen werden konsequent bis auf die letzte Überschriftenebene gesetzt und das Setzen eigener Lesezeichen wird verhindert. Nicht nur jungen Menschen schütteln darüber zu recht den Kopf. Wieso wird etwas so wichtiges wie Sicherheitstechnik so konservativ, lern- und innvotionsfeindlich präsentiert?

Wissen leicht verständlich vermitteln

Was ist zu tun? Das Wissen muss in die Märkte gebracht werden. Wo möglich, sollte es kostenfrei sein und einem neuen Ansatz folgen. Sicherheitstechnik ist logisch – daher sollte sie auch in einer logischen, vernünftigen Art dargelegt werden. Knapp, leicht recherchierbar und ohne Zugriffshindernisse. Mit diesem Maschinensicherheitsportal arbeiten wir genau daran!

Auf Basis der A-Norm EN ISO 12100 und der rund 100 B-Normen wollen wir alle sicherheitsrelevanten Daten und Fakten zunächst in Normensteckbriefe packen und dann in eine Datenbank integrieren. So soll eine transparente Rechercheplattform entstehen, die den Weg aus dem Papierwust weist.

Erfolgreich lernen mit der Safety School

Die Systematik der Sicherheitstechnik und zahllose Anwendungsmöglichkeiten und -details wird unsere Safety School vermitteln: mit Unterlagen zum Selbststudium, Podcasts und Video-Schulungen sowie Life-Webcasts. Ein wichtiges Element des Portals ist auch der F&A-Bereich, wo Experten auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik individuelle Fragen beantworten werden. Nach dem Motto: Sie fragen, wir liefern die Antworten. Dies hilft uns zudem dabei, den bestehenden Schulungsbedarf genauer zu bedienen.

Last but not least wird dieses Portal die Möglichkeit für einen Erfahrungsaustausch bieten und eine Plattform zur Verbreitung innovativer Produkte sein. Dabei wird Wettbewerb die Innovation beleben. Doch sollte niemand, der mitmacht oder aus diesem Portal Nutzen ziehen möchte, vergessen, dass es bei der Sicherheitstechnik nicht primär um wirtschaftliche Interessen geht und auch nicht gehen darf. Know-How, wie man Produkte sicherer macht muss allen so gut wie möglich zugänglich sein, denn Sicherheit ist nicht ein sekundäres Grundrecht wie der Besitz und die Vermehrung von Eigentum, sondern direkt mit einem der höchsten Rechtsgüter verknüpft: Leben und Gesundheit.

* Matthias Schulz ist Geschäftsführer HiQ text GmbH und unabhängiger Berater für Maschinensicherheit

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