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Brexit EU-Austritt Großbritanniens kostet ab 2017 spürbar Wachstum

| Redakteur: Robert Horn

Der Brexit kostet die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur wenig Wachstum. Ab 2017 sollen sich die Auswirkungen dann aber verschärfen – das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll um einen halben Prozentpunkt weniger zunehmen. Das erklären Experten der Hans-Böckler-Stiftung.

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Die Auswirkungen des Brexit verschärfen sich erst ab 2017, stellt die die neue Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung fest.
Die Auswirkungen des Brexit verschärfen sich erst ab 2017, stellt die die neue Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung fest.
(gemeinfrei / CC0 )

Mit dem Austritt Großbritanniens soll auch das Wachstum der deutschen Wirtschaft betroffen sein – zumindest ab dem nächsten Jahr, sagen Experten der Hans-Böckler-Stiftung. Der moderate Aufschwung der deutschen Wirtschaft würde so einen empfindlichen Dämpfer erhalten, der sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen würde. Während der private Konsum als derzeit zentrale Säule des Wachstums recht stabil bleibt, kann die Investitionsdynamik abrupt wieder abbrechen. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Danach wächst das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2016 um 1,6 % und 2017 um 1,3 %.

Gegenüber seiner Vorhersage vom April erhöht das IMK die Wachstumsprognose für 2016 minimal um 0,1 % und reduziert sie für 2017 um 0,2 %. Ohne das Votum der Briten hätte das Institut die Vorhersage für 2016 aber um 0,2 % und für das kommende Jahr um 0,3 % erhöht. Auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt soll sich die Eintrübung in diesem Jahr geringfügig, 2017 dann aber spürbar auswirken: Trotz Zuwanderung sinkt die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2016 noch einmal leicht um 60.000 Personen. 2017 könnte sie bei weiter steigender Beschäftigung wegen des wachsenden Arbeitsangebots und der wirtschaftlichen Abkühlung um rund 290.000 Personen zunehmen und läge dann im Jahresdurchschnitt wieder knapp über drei Millionen.

Kehrt die Unsicherheit zurück?

„Die kurzfristigen Auswirkungen des Brexit sind in Deutschland nicht katastrophal, aber doch schmerzlich genug“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. „Die gewachsene Unsicherheit trifft uns an einem ganz empfindlichen Punkt: Gerade sah es so aus als ob die Unternehmen ihre hartnäckige Zurückhaltung bei den Investitionen langsam aufgeben würden. Das dürfte sich jetzt erledigt haben.“

Für 2017 prognostizieren die Ökonomen, dass die Ausrüstungsinvestitionen nur noch um 0,8 % zulegen, nach bereits mäßigen 4 % in diesem Jahr. „Außerdem bleibt ein relevantes Risiko, dass sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht in nächster Zeit beruhigen, sondern sich bis 2018 fortsetzen. Dann könnte das deutsche Wachstum im kommenden Jahr sogar knapp unter 1 % rutschen“, erklärt Horn das „Risikoszenario“ in der Prognose. Das IMK plädiert in dieser Situation dafür, dass der Staat in Deutschland und anderen Euro-Ländern den Stau bei den öffentlichen Investitionen beschleunigt auflöst. Damit könne er auch den Unternehmensinvestitionen dringend benötigte Impulse verleihen.

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