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CE-Kennzeichen

Erst im Nachgang CE-konform

| Autor/ Redakteur: Götz Fiessler* / Jan Vollmuth

Nicht sicher, trotz CE-Zeichen: Wer Maschinen und Anlagen aus dem EU-Ausland importiert, sollte auch bei vorhandenem CE-Kennzeichen hinsichtlich der Normenkonformität gesunde Skepsis zeigen, wie das Beispiel einer Gesenkbiegepresse zeigt.

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Bei der Anlieferung einer Gesenkbiegepresse aus dem EU-Ausland kamen Zweifel auf, ob die Maschine den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entspricht und eine entsprechende Überprüfung eingeleitet.
Bei der Anlieferung einer Gesenkbiegepresse aus dem EU-Ausland kamen Zweifel auf, ob die Maschine den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entspricht und eine entsprechende Überprüfung eingeleitet.
(Bild: Fiessler Elektronik)

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Durch die immer weiter fortschreitende Globalisierung und dem Import von Maschinen und Anlagen kommen auf die Maschinenhändler bzw. Importeure vermehrt rechtliche Aufgaben zu, vor allem wenn die herstellende Firma außerhalb der EU ansässig ist. In diesem Fall wird der Maschinenhändler und Importeur entsprechend der europäischen Maschinenrichtline zum „Inverkehrbringer“ der Maschine und in vollem Umfang haftbar für die Maschine bzw. Anlage. Können sich nun die Maschinenhändler auf ein an der Maschine/Anlage aufgebrachtes und in den Papieren vermerktes und dokumentiertes CE-Zeichen blind verlassen?

Kein Verlass auf vorhandenes CE-Kennzeichen

Bei einer gemeinsamen Begutachtung der Maschine zusammen mit Fiessler Elektronik wurde festgestellt, dass unter anderem das Hydraulikkonzept nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht.
Bei einer gemeinsamen Begutachtung der Maschine zusammen mit Fiessler Elektronik wurde festgestellt, dass unter anderem das Hydraulikkonzept nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht.
(Bild: Fiessler Elektronik)

Besser nicht, lautet die Antwort, wie die Firma Stürmer Maschinen GmbH aus Hallstadt erfahren musste. Das Unternehmen bestellte mehrere Mustermaschinen zum Test bei einem nicht in der EU ansässigen Unternehmen und bekam diese mit CE-Zeichen geliefert. Bei der Anlieferung der Maschinen kamen allerdings bei den handelnden Personen der Firma Stürmer Zweifel auf, ob die Maschine den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entspricht. Aufgrund dieser Zweifel wandte sich das Unternehmen an Fiessler Elektronik aus Aichwald, um eine gemeinsame Begutachtung der Maschine durchzuführen und diese auf Normenkonformität zu überprüfen.

Das Ergebnis: Unter anderem entsprach das Hydraulikkonzept nicht den Sicherheitsanforderungen. Weiterhin war im Schaltschrank zwar eine Sicherheitssteuerung eines renommierten Herstellers eingebaut, die Sicherheitsschaltkreise waren jedoch fehlerhaft bzw. mangelhaft eingebunden. Die Integration und Auswertung der optischen Frontabsicherung AKAS durch den Maschinenhersteller war ungenügend: Gerade im gefährlichen Bereich des Umschaltpunkts von Eil- in den Pressgang wurde das System komplett überbrückt. Die Verletzung von Fingern oder der Hand oder gar deren Verlust hätte während der Schließbewegung im Bereich der Biegelinie nicht verhindert werden können.

Dokumentation als Grundlage

In einem Abnahmeprotokoll wurden sämtliche Punkte, die nicht den Vorgaben der Norm EN12622 entsprachen, aufgeschlüsselt und dokumentiert. Auf Basis dieser Dokumentation hätte der Hersteller der Maschine nun nachbessern müssen. Dies gestaltete sich schwierig, da der Maschinenhersteller in der Zwischenzeit liquidiert wurde und somit auch nicht zur Nachbesserung der Anlage verpflichtet werden konnte.

Die sicherheitstechnische Nachrüstung der Maschinen erfolgte mit der Sicherheitssteuerung FMSC von Fiessler Elektronik.
Die sicherheitstechnische Nachrüstung der Maschinen erfolgte mit der Sicherheitssteuerung FMSC von Fiessler Elektronik.
(Bild: Fiessler Elektronik)

Stürmer nimmt ihre Verantwortung als Inverkehrbringer sehr ernst und scheut deshalb auch keinen Aufwand die Maschine entsprechend den geltenden Richtlinien umzurüsten. Stürmer entschied sich für eine sicherheitstechnische Nachrüstung der Maschinen mit der neuen modularen Sicherheitssteuerung FMSC von Fiessler. In Zusammenarbeit mit Fiessler Elektronik wurde der Schaltplan überarbeitet und ein Integrationsvorschlag erstellt. Auf Basis dieser Dokumentation wurde der Schaltschrank seitens Stürmer neu strukturiert und verkabelt.

Abschließend wurde CE-Konformität erreicht

In Zusammenarbeit mit Fiessler Elektronik wurde der Schaltschrank seitens Stürmer neu strukturiert und verkabelt.
In Zusammenarbeit mit Fiessler Elektronik wurde der Schaltschrank seitens Stürmer neu strukturiert und verkabelt.
(Bild: Fiessler Elektronik)

Im letzten Schritt erfolgte die Inbetriebnahme der Gesenkbiegemaschine, was innerhalb eines einzigen Tages erfolgte. Abschließend zeigte sich, dass nun nicht nur die Sicherheit der Maschine der Normen entsprach, sondern auch die Performance der Gesenkbiegepresse durch die schnelle Reaktionszeit der FMSC deutlich erhöht werden konnte. Außerdem wird auch das AKAS-System durch einen speziellen Softwarebaustein korrekt ausgewertet und bietet somit höchste Sicherheit bei allen Biegevorgängen.

Eine erneute Beurteilung der Maschinenfunktionen ergab, dass diese Maschine nun den sicherheitstechnischen Anforderungen der DIN EN 12622 entspricht. Somit konnte der Umbau der Maschine in guter Zusammenarbeit der beiden Firmen erfolgreich abgeschlossen werden. (jv)

* Götz Fiessler ist Geschäftsführer der Fiessler Elektronik GmbH & Co. KG

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