Elektroantrieb Erhaben über jeden Verbrenner

Autor: Ute Drescher

Siemens baut sein Engagement für die Elektromobilität aus. Jörg Grotendorst, CEO der Business Unit eCar Powertrain Systems, erklärt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Industrie.

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Joerg Grotendorst, Chief Excecutive Officer E-Car Powertrain Systems, Siemens AG, Erlangen.
Joerg Grotendorst, Chief Excecutive Officer E-Car Powertrain Systems, Siemens AG, Erlangen.
(Bild: Drescher/konstruktionspraxis)

Siemens verstärkt sein Engagement für die Elektromobilität. Wie sieht das aus?

Nach der Eröffnung unserer neuen Produktionslinie für Elektromotoren im Herbst 2014 in Bad Neustadt a.d. Saale, haben wir nun in Erlangen einen neuen Entwicklungs- und Fertigungsstandort sowie Gebäude für den Hauptsitz der Business Unit eCar Powertrain Systems eingerichtet, die wir am 27. April feierlich eröffnet haben.

Nachdem Siemens VDO 2007 verkauft hatte, stieg man 2010 in Fahrzeugantriebe ein. Warum?

Die Gründe sind relativ einfach. Im Bereich eCar Powertrain Systems entwickeln und fertigen wir im Grunde die selben Antriebe wie in unserem Industriebereich. Die Vision Siemens 2020 beschreibt die Themenfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung, die sich nahezu 1:1 ins Fahrzeug übertragen lassen. Siemens ist außerdem schon lange in Mobilitätsthemen aktiv, u.a. bei Lkw und Bussen.

Worin unterscheiden sich Pkw-Anwendungen von Industrieanwendungen?

Bei Komponenten für Pkw-Anwendungen gibt es in der Regel relativ wenig Stückzahl-Varianten, dafür aber sehr hohe Stückzahl-Volumen. Das ist bei Projektlösungen in der Industrie normalerweise anders. Dort lebt man von einer relativ großen Bandbreite von Applikationen, für die nur selten exakt gleiche Baugruppen eingesetzt werden. Wir versuchen jetzt, das eine mit dem anderen zu verbinden, also für die Elektromobilität von unseren effizienten Industrieantrieben zu profitieren, über Scaling- und Volumeneffekte aber einen Benefit in die Industrieanwendung zurückzugeben.

Wird Siemens für die Elektromobilität auch in ganz neue Bereiche einsteigen?

Nein. Es wird keine Navigations-, Einspritz- oder Bremssysteme von Siemens geben. Unser Fokus liegt auf Umrichtern, Spannungswandlern und elektrischen Maschinen und der Anbindung des Fahrzeugs ans öffentliche Netz.

Welches sind die größten Vorteile eines Elektromotors gegenüber einem Verbrennungsmotor?

Neben den allseits bekannten ökologischen Vorteilen ist die Beschleunigung eines Elektromotors erhaben über jeden Verbrenner. Auch Fahrgefühl – ein wichtiges Kriterium in diesem Markt – und Fahrperformance müssen den Vergleich mit Verbrennungsmotoren nicht scheuen.

Welche Herausforderungen sehen Sie allgemein für die Elektromobilität?

Das wirtschaftliche Speichern der erforderlichen Energie bleibt eine Herausforderung. In diesem Jahr kommen erste Fahrzeuge in der Kompaktklasse auf den Markt, die über eine Reichweite von 200 km verfügen. Das ist schon ganz ordentlich. Für Langstrecken ist aber im Moment noch ein Plug-in-Hybrid als emissionsarmes Universalfahrzeug die optimale Lösung, bei dem Reichweitenangst nicht aufkommen muss. Um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, ist aber sicher eine Reichweite von 400 km nötig. Eine weitere Herausforderung ist die Ladeinfrastruktur. Bis jetzt gibt es weder einheitliche Standards noch eine Infrastruktur.

Was betrachten Sie als wichtigste Aufgabe für sich als Antriebshersteller?

Wir benötigen einen integrierten Antriebsstrang. Es braucht Lösungen, die den Gesamtaufwand für die Installation bei unseren Kunden, den Fahrzeugherstellern, senken. Was wäre besser geeignet als ein Plug-and-play-System, also ein Antriebsstrang, der nur noch an Plus- und Minuspol der Batterie angeschlossen werden muss? Umrichter, DC/DC-Wandler, Motor und Getriebe müssen eine Einheit bilden.

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Über den Autor

 Ute Drescher

Ute Drescher

Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht