Lineartechnik Einzeln oder als System – Linearkomponenten nach Kundenwunsch veredelt

Autor / Redakteur: Stefanie Michel * / Stefanie Michel

Von einer nordbayerischen Vertriebsniederlassung zu einem erfolgreichen Mittelstandsunternehmen: ANT Antriebstechnik hat sich in über 16 Jahren Firmengeschichte eine Vorrangstellung in der praxisorientierten Entwicklung von Linearsystemen erarbeitet. Mit 30 Mitarbeitern entstehen aus hochwertigen Halbzeugen kundenspezifische Komplettlösungen.

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Vormoniertes Komplettsystem: Aus Halbzeugen fertigt ANT nach Katalog oder Kundenwunsch von einzelnen Lineareinheiten, Gewindetrieben oder Spindelhubgetrieben bis hin zu kompletten Anlagen. Bilder: ANT Antriebstechnik
Vormoniertes Komplettsystem: Aus Halbzeugen fertigt ANT nach Katalog oder Kundenwunsch von einzelnen Lineareinheiten, Gewindetrieben oder Spindelhubgetrieben bis hin zu kompletten Anlagen. Bilder: ANT Antriebstechnik
( Archiv: Vogel Business Media )

Ein Neubau reiht sich an den anderen. Glas-Metall-Konstruktionen, Betonbauten und einige Baustellen wechseln sich ab. Dazwischen junge Grünflächen, die der künstlichen Umgebung noch nicht das Sterile nehmen können. Sichtbar vom Aufschwung profitiert der Industrie- und Gewerbepark Maintal in Schweinfurt. Auch die mittelständische ANT Antriebstechnik hat hier im Februar 2005 ihre neuen Räume bezogen. Heute zählt sie zu den Marktführern im Bereich der Linearachsen und bietet Hubgetriebe, Gewindetriebe, Lineareinheiten, Führungen und Systemtechnik an.

In Unterfranken verwurzelt

Aus der Vertriebsniederlassung eines Marktführers der mechanischen Antriebstechnik heraus entwickelte sich Anfang der neunziger Jahre der Betrieb zu einem eigenen mittelständischen Unternehmen in Erlangen. Unter der Leitung von Firmenchef Hans Szczecina entstand dort 1993 das erste Montage- und Bürogebäude. Zusammen mit der Partnerfirma HSB Automation aus Reutlingen wurde der Grundstein für die Entwicklung der „Alpha-Führungstische“ und der „Beta- und Delta-Lineareinheiten“ gelegt. Eine Erfolgsgeschichte, denn schon wenige Jahre später sind größere Betriebsräume nötig.

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Für Szczecina nun endlich die Gelegenheit, wieder in seine Heimat und an seinen Wohnsitz Schweinfurt zu ziehen. Zunächst hat er 1996 in Schonungen Betriebsräume angemietet, um ein Jahr später die Entwicklung und Fertigung von Spindelhubgetrieben aufzunehmen. Damit begann die Zusammenarbeit mit Bosch Rexroth-Star, deren Linearführungen und Kugelgewindetriebe in den ANT-Produkten kundenspezifisch veredelt werden.

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten konnte der Betrieb kontinuierlich wachsen, doch Ausdehnung war in Schonungen nicht möglich. Zum Jahreswechsel 2004/2005 wurde der Neubau des Firmensitzes in Schweinfurt mit 1500 m² Nutzfläche bezogen.

Kundenbindung in der Region

Szczecina ist es ein Anliegen die fränkische Region zu stärken: einerseits durch den Zukauf von Halbzeugen bei Bosch Rexroth oder der Steuerungen bei Scheba, andererseits durch Kunden wie ZF Sachs oder König & Bauer. Nicht verwunderlich, dass etwa 80 bis 85 Prozent des Umsatzes von ANT in Bayern gemacht wird, dagegen der Exportanteil mit unter fünf Prozent sehr niedrig ist. Aber von keinem will der Geschäftsführer abhängig sein: „Wir verstehen uns nicht als ‚verlängerte Werkbank‘, weder vom Lieferanten noch vom Kunden.“

Trotz der großen Konkurrenz besonders in Schweinfurt konnten die Umsätze in den letzten fünf Jahren verdoppelt werden. Für ANT liegt das Geheimnis darin, dem Kunden einen Mehrwert zu bieten und durch die räumliche Nähe einen engen Kontakt zu ihm aufzubauen: schnell auf Kundenwünsche zu reagieren, ihnen vom Einzelmodul bis zum kompletten System alles aus einer Hand zu liefern. Auch der 24-Stunden-Service kann Ersatzteile für Reparaturen meist noch am gleichen Tag zustellen. Durch die großen Lagerbestände sind aber ebenso die Lieferzeiten beispielsweise von Gewindespindeln deutlich geringer als direkt beim Hersteller.

Katalogware oder Sonderanfertigung

Am Standort Schweinfurt montiert ANT Hubelemente bis zu 50 t Hubkraft. Hierfür werden sowohl Kugelgewindespindeln in etwa sechs Meter Länge als auch Hubgetriebe als Halbzeuge geliefert. Nach Katalog oder nach Kundenwunsch bearbeitet das Schweinfurter Unternehmen die Bauteile, montiert dann die kompletten Hubgetriebe und liefert sie direkt an den Kunden aus. Nur die Steuerungen zur Automatisierung kommen vom Partner Scheba Elektromaschinenbau, ebenfalls aus Schweinfurt. So wird durchschnittlich lediglich 35 Prozent zugekauft. Beinahe zwei Drittel des Verkaufswerts resultiert deshalb aus der Wertschöpfung im Hause.

Schwerpunkt der Schweinfurter Fertigung sind Hubgetriebe, die etwa ein Drittel des Umsatzes ausmachen. Basierend auf einem Schneckentrieb werden sie wahlweise als Einzelkomponenten mit angebautem Elektromotor oder als komplette Hubsysteme angeboten.

Mit Blick in die Zukunft

Etwa 80 Prozent der Linearmodule werden nach Katalog bestellt, denn die große Auswahl an Gewindetrieben, Lineartischen, Lineareinheiten, Hubgetrieben und Linearführungen lösen die meisten Aufgaben. Sonderanfertigungen möchte Szczecina nur in begrenztem Umfang durchführen, dafür seien Sondermaschinenbauer zuständig. Die Zukunft sieht er in einer anderen Richtung: Anfang des Jahres investierte ANT in CNC-Technik, um den konventionellen Maschinenpark zu entlasten und gleichzeitig die Fertigungskapazität zu erhöhen. War bisher nur die Produktion von Kleinserien und Einzelteilen möglich, so kann dann das Programm bei Bedarf in die Serienfertigung ausgeweitet werden.

* Stefanie Michel ist Redakteurin der konstruktionspraxis

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