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Azipod-Antriebe Ein Blick ins Baudock der Meyer Werft

Mitte August wurden in der Meyer Werft die Azipod-Antriebe von ABB am neuen Kreuzfahrtschiff World Dream der asiatischen Reederei Dream Cruises montiert. konstruktionspraxis war vor Ort und warf einen Blick hinter die Kulissen der traditionsreichen Werft in Papenburg.

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Die World Dream hat Ende August das überdachte Baudock verlassen. Nun erfolgt an der Pier im Westhafen die Montage des Schornsteins.
Die World Dream hat Ende August das überdachte Baudock verlassen. Nun erfolgt an der Pier im Westhafen die Montage des Schornsteins.
(Bild: MEYER WERFT / M. Wessels)

Ende August 2017 hat das Kreuzfahrtschiff World Dream das überdachte Baudock der Meyer Werft verlassen. Nun liegt es an der Pier im Westhafen. Dort erfolgt die Montage des Schornsteins. Nur einige Tage zuvor war konstruktionspraxis in Papenburg vor Ort. Dort haben wir einen Teil der Montage der Azipod-Antriebe an der World Dream mitverfolgt.

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Azipod-Antriebe für Kreuzfahrtschiff World Dream

Die Antriebe wurden von ABB geliefert. Dabei handelt es sich um ein getriebeloses, lenkbares Antriebssystem, bei dem der Elektromotor außerhalb des Schiffsrumpfes in einer unter Wasser liegenden Gondel angebracht ist. Mit dem um 360° drehbaren Antrieb wird der Motor zeitgleich sowohl für die Steuerung als auch für den Antrieb verwendet. Ein zusätzliches Ruder ist nicht notwendig. Seit über 20 Jahren haben sich Azipod-Antriebe von ABB mittlerweile in der Schiffsindustrie bewährt. Insgesamt sind derzeit ca. 120 solcher Antriebe in weltweit über 50 Kreuzfahrtschiffen verbaut. Aber auch andere Schiffstypen sind mit dem Antriebssystem ausgestattet.

Ems-Überführung und See-Erprobung ab September

Auch das 335 m lange und 39,7 m breite Kreuzfahrtschiff World Dream der asiatischen Reederei Dream Cruises erhielt diese Antriebe. An der Pier im Westhafen erfolgt nun die Schornsteinmontage. Anschließend werden am Ausrüstungskai der Meyer Werft die letzten Arbeiten und Erprobungen am Schiff durchgeführt. Nur wenige Tage später sollen dann die ersten Mitglieder der Besatzung ihre Kabinen auf dem Schiff beziehen und sich mit dem Schiff und seinen Anlagen und Einrichtungen vertraut machen. Mitte September dann tritt die World Dream die Ems-Überführung Richtung Nordsee an, um dort ihre See-Erprobung zu absolvieren.

Sie ist das zweite Kreuzfahrtschiff in diesem Jahr, das das überdachte Baudock der Meyer Werft verlassen hat. Mit dem Brennstart der ersten Stahlplatte hatte der Bau der World Dream im Februar 2016 begonnen.

ABB zeigt digitale Lösungen für die Marineindustrie

Das Digitalangebot von ABB bietet zahlreiche, speziell auf die Bedürfnisse der Marineindustrie zugeschnittene Software-Pakete und digitale Services an, etwa für die Fern- oder zustandsbezogene Wartung sowie für Kursoptimierungen von Fracht- oder Passagierschiffen. Optimiertes Flottenmanagement zur Reduzierung von Treibstoffverbrauch und Wartungskosten bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität und Sicherheit von Passagieren, Besatzungen und Fracht stehen in dieser Branche im Vordergrund. Steigende Beachtung finden auch – ähnlich wie im Straßenverkehr – moderne Lösungen für die E-Mobilität auf hoher See. Elektrisch betriebene Fähren sind bereits Realität, Hybrid-Antriebe für Passagierschiffe erobern schon seit vielen Jahren die Weltmeere.

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Eigner und Betreiber von Hochseeschiffen aller Art entdecken zunehmend die Vorteile der Digitalisierung und der Vernetzung von Systemen und Informationen. Die verbesserten satellitengestützten Überwachungsmöglichkeiten von Schiffen auf den Weltmeeren und das „Cloud Computing” versetzen Zulieferer wie ABB in die Lage, den Reedereien nicht nur elektrische und automatisierungstechnische Komponenten und Systeme – wie etwa die Azipod-Antriebe samt Umrichter und Schaltschränken sowie das Leitsystem ABB Ability 800xA und zahlreiche industrieerprobte und zertifizierte Instrumente – anzubieten, sondern auch cloudbasierte Lösungen zur Verfügung zu stellen. Kombiniert mit Datenübertragungs- und Analysesystemen bieten sie ein enormes Potenzial zur Kosteneinsparungen und/oder Leistungssteigerungen einzelner Schiffe oder gar ganzer Flotten bieten.

Daten sammeln, auswerten und Betrieb der Schiffe optimieren

Zur weltweiten, lückenlosen Kontrolle von Schiffen betreibt ABB weltweit sieben so genannte Collaboration Operation Center, die den Kunden nicht nur in Notfällen, sondern im alltäglichen Betrieb in die Lage versetzt, z.B. vorausschauende Wartungen zu planen und allgemein den Betrieb der Schiffe zu optimieren. Ganze Flotten können so rund um den Globus über die „Collaboration Center” Tag und Nacht vernetzt und koordiniert werden. Sowohl die Eigner als auch die Service-Bereiche von ABB greifen online auf gleiche Informationen zu. Zurzeit überwacht ABB auf diese Art und Weise fast 1000 Schiffe weltweit, womit ABB eigenen Angaben zufolge führend ist auf dem Weltmarkt.

„Collaborative Operations” lautet das Stichwort, unter dem ABB alle ihre digitalen Marine-Services zusammenfasst. Daten aus allen Bereichen werden gesammelt und in nutzbare Informationen umgesetzt. Dazu gehören unter anderem Daten aus den Bereichen Navigation, Wetter, Wellengang, Treibstoff, Antriebssystem aus Umrichter und Azipod. Das Automatisierungssystem ABB Ability 800xA sammelt große Mengen an Daten aus dem ganzen Schiff und nutzt die daraus gewonnenen Informationen zum dynamischen Trimm von Fracht- und Passagierschiffen, zur Leistungsüberwachung und Optimierung der Stromerzeugungsanlagen, zu Kurs- und Geschwindigkeitsvorgaben mit dem Ziel, Treibstoffverbräuche zu verringern und – bei Passagierschiffen – den Komfort für die Reisenden durch verringerte Schiffsbewegungen zu steigern.

E-Mobilität im Schiffsverkehr

Ein weiterer Trend im Bereich der Marineindustrie ist die vom Straßenverkehr bereits bekannte E-Mobilität. Seit vielen Jahren sind bereits dieselelektrische Antriebe in vielen Schiffen das Antriebssystem der Wahl. Dabei laufen je nach Bedarf mehrere Verbrennungsmotoren unter optimalen Konstant-Bedingungen (Drehzahl, Last) und erzeugen über Generatoren Strom, der nicht nur für Beleuchtung, zum Kochen oder zur Klimatisierung an Bord verwendet wird, sondern auch die elektrischen Antriebsmotoren – heute meist in Form der von ABB erstmals Ende der 80er Jahre eingeführten Azipod-Antriebe.

Schon seit geraumer Zeit dürfen große Kreuzfahrtschiffe in zahlreichen Häfen und in Küstennähe nicht mehr mit Schweröl betriebene Motoren zur Stromerzeugung oder zu Antriebszwecken einsetzen. In Häfen werden dazu elektrische Landanschlüsse installiert, die „sauberen” Strom in die Schiffe einspeisen. Aber in zunehmendem Maße kommen auch rein elektrisch betriebene Schiffe – vornehmlich Fähren – zum Einsatz. So rüstete ABB die Fähre „Tycho Brahe”, die auf der Ostsee zwischen Dänemark und Schweden pendelt, mit einem elektrischen Gleichstrom-Bordnetz und entsprechenden Energiespeichern aus. Ein ABB-Roboter wird voraussichtlich noch in diesem Jahr für die automatische und schnelle Ankoppelung der einlaufenden Fähre an eine Ladestation sorgen. Während des Frachtentlade-/ladevorgangs wird ausreichend Strom in die Akkumulatoren gespeist, der anschließend die Rückfahrt erlaubt. Auf dem norwegischen Näroyfjord (Unesco-Naturerbe) fährt seit gut einem Jahr ein elektrisch betriebenes Ausflugsschiff. Die Dieselantriebe werden erst nach dem Verlassen des Fjords zu Antriebs- und Ladezwecken angeworfen. Großes Potenzial in punkto E-Mobilität haben auch zahlreiche Spezialschiffe, etwa Versorgungsschiffe von Bohrinseln oder Zulieferschiffe von Aquafarmen. (sh)

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Redakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht